+
En Bild der Verwüstung hat das schwere Erdbeben mit der Stärke 7,8 in Nepal hinterlassen. Um zu helfen, schicken bayerische Hilfsorganisationen Retter in die Krisengebiete.

Ein Fünkchen Hoffnung

Nepal: Bayerische Helfer in der Krisenregion

  • schließen

München - Die Zahl der Opfer des Erdbebens in Nepal steigt weiter. Um die medizinische Versorgung der Verletzten vor Ort zu verbessern, machen sich bayerische Hilfsorganisationen auf den Weg in die Krisengebiete. Für die Helfer ist es ist eine Reise ins Ungewisse.

Das kleine Fünkchen Hoffnung inmitten von Tod und Zerstörung steckt in sechs schweren grauen Kisten. Am Münchner Flughafen schleppen Michaela Wohlfahrt, Martin Breitkopf, Lina Kahan und Gunver Werringloer die Kisten zur Gepäckaufgabe. Ein letztes Mal überprüfen sie, ob damit wirklich alles in Ordnung ist. Denn mit den Kisten können sie Leben retten. Die vier engagieren sich für die Organisation LandsAid aus Kaufering (Kreis Landsberg) und sind gestern nach Kathmandu geflogen, um den Erdbebenopfern in Nepal zu helfen. „Wir kümmern uns um die medizinische Basisversorgung“, sagt die Ärztin Lina Kahan.

Sie und ihre Mitstreiter gehören zu einer großen Gruppe bayerischer Helfer, die sich in diesen Tagen auf den Weg in die Krisenregion macht. Bekannte Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk, das Deutsche Rote Kreuz und die Malteser, aber auch kleinere Vereinigungen wie zum Beispiel der Moosburger Verein „Navis“ (Kreis Erding) oder eben die Organisation „LandsAid“ schicken Retter nach Nepal. Für alle ist es eine Reise ins Ungewisse.

Als die Helfer von LandsAid ins Flugzeug steigen, sind sie sich nicht einmal ganz sicher, ob sie überhaupt in Nepal ankommen werden. Ein anderes Ärzteteam von der Hilfsorganisation Humedica musste abdrehen, weil es nicht auf dem nepalesischen Flughafen landen konnte. Sollte es der Hilfstrupp von LandsAid bis nach Nepal schaffen, steht er vor neuen Unwegbarkeiten. Weil die Kommunikation schwierig ist, können viele Fragen erst vor Ort geklärt werden. „Wir müssen schauen, wo Hilfe gebraucht wird und einen Platz zum Arbeiten und Schlafen finden“, sagt Michaela Wohlfahrt, 26, die für die Logistik verantwortlich ist. Aus Sicherheitsgründen wird die Gruppe im Freien in Zelten schlafen. Denn niemand weiß, ob die Erde nicht noch einmal beben wird. Ein mulmiges Gefühl fliegt mit nach Nepal: „Wenn man sieht, dass es immer noch Nachbeben gibt, hat man schon ein bisschen Bauchgrummeln“, sagt die Ärztin Lina Kahan, 29. Doch: Sie hat Medizin studiert um Menschen zu helfen – und in Nepal ist ihre Hilfe im Moment besonders nötig. Als sie am Samstagabend die Anfrage bekam, ob sie in die Krisenregion fliegen würde, zögerte sie nicht lange. Kahan arbeitet in einer Klinik in Basel, sie hat gerade frei. Am Sonntag packte sie sofort die Koffer. Viel Zeit sich auf den Einsatz einzustellen, blieb nicht. Aber die Helfer sind durch Seminare auf solche spontanen Situationen gut vorbereitet.

Manche haben außerdem schon Erfahrung mit Auslandseinsätzen. Am routiniertesten ist Gunver Werringloer. Der Einsatz gebe ihr „ein Gefühl der Zufriedenheit“, sagt die 43-jährige Ärztin. Schon einige Male hat sie deshalb in Krisenregionen geholfen. Rettungssanitäter und Medizinstudent Martin Breitkopf, 23, dagegen ist zum ersten Mal mit LandsAid unterwegs. „Ich habe keine Angst, aber Respekt,“ sagt er. Er weiß, dass der Einsatz in Nepal alle an die Grenzen bringen wird.

Im schlimmsten Fall hat die Gruppe kein sauberes Wasser und muss das Trinkwasser mit Tabletten reinigen. Dazu kommt die psychische Belastung: Der Tod ist in Nepal gerade allgegenwärtig. Mit Medizin, Spritzen und Verbandsmaterial aus den grauen Kisten sagt das LandsAid-Team ihm den Kampf an – und bringt ein Fünkchen Hoffnung nach Nepal.

Claudia Schuri

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Razzia bei Security von Erstaufnahme-Einrichtung
Gegen die Security der Erstaufnahme für Asylbewerber in Donauwörth wird ermittelt. Die Polizei Dillingen hat am Mittwoch eine Razzia durchgeführt.
Razzia bei Security von Erstaufnahme-Einrichtung
Mercedes brennt auf der A93 aus - Autobahn Richtung München komplett gesperrt
Hohe Rauchschwaden auf der Autobahn: Ein Wagen brannte am Mittwoch auf der A93 lichterloh. 
Mercedes brennt auf der A93 aus - Autobahn Richtung München komplett gesperrt
Hakenkreuze und fremdenfeindliche Sprüche: Jugendliche gestehen Graffitis
Jugendliche sprühen Hakenkreuze und ausländer- und judenfeindliche Sprüche quer durch Kürnach - Täter offenbar geständig.
Hakenkreuze und fremdenfeindliche Sprüche: Jugendliche gestehen Graffitis
Vater tot, Sohn schwer verletzt: Sie sind wohl Opfer eines illegalen Autorennens
Ein Vater stirbt vor Augen seines Sohnes (10) bei einem Horror-Unfall in Achslach. Der Zehnjährige liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Jetzt hat die Polizei einen …
Vater tot, Sohn schwer verletzt: Sie sind wohl Opfer eines illegalen Autorennens

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.