Das Rathaus von Neu-Ulm spiegelt sich in einem Autodach
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Das Rathaus von Neu-Ulm

Große schwäbische Kreisstadt

Neu-Ulm

Neu-Ulm stellt ein wichtiges kulturelles und wirtschaftliches Zentrum im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben dar. Die Stadt ist außerdem Verwaltungssitz des Landkreises Neu-Ulm.

Neu-Ulm – Am 16. März 1944 erfolgte der erste von mehreren schweren Luftangriffen auf die Donaustadt. Alliierte Streitkräfte flogen im folgenden Jahr zahlreiche weitere Bombenangriffe, bei denen die Innenstadt von Neu-Ulm weitgehend zerstört wurde. Darüber hinaus sprengte die Deutsche Wehrmacht in den letzten Kriegstagen die größeren Brücken über die Donau, um den alliierten Truppen das Vorrücken in die Stadt zu erschweren.

Neu-Ulm: Lage und Geografie

Die Stadt Neu-Ulm liegt östlich der Donau und auf einer Höhe von 471 Metern. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 8.097 Hektar. Davon entfallen mehr als 1.124 Hektar auf bewaldete Fläche und knapp 4.500 Hektar auf landwirtschaftlich genutzte Fläche. Während Neu-Ulm zum Freistaat Bayern gehört, liegt die wesentlich ältere Stadt Ulm im Bundesland Baden-Württemberg.

Neu-Ulm: Entstehung der Stadt in der heutigen Form

Neu-Ulm ist eine junge Stadt, die als solche erst seit 1810 besteht. Zuvor gehörten die Gebiete des heutigen Neu-Ulm zur Stadt Ulm. Diese kam zu diesem Zeitpunkt zum Königreich Württemberg. Die Stadtteile, die südöstlich der Donau lagen, blieben Bestandteil des Königreichs Bayern. Noch heute markiert die Donau sowohl die Grenze zwischen den Städten Ulm und Neu-Ulm als auch zwischen den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern. Zunächst hieß diese Siedlung „Ulm am rechten Donau-Ufer“. Erst ab 1814 wurde der Name Neu-Ulm verwendet.

Neu-Ulm: Die Geschichte von der Stadtgründung bis zum Ersten Weltkrieg

Die Lage in einer intensiv landwirtschaftlich geprägten Region kennzeichnete über viele Jahrzehnte auch das Stadtbild Neu-Ulms. In der Zeit bis 1830 wuchs die Siedlung. Die Verleihung von Stadtrechten an Neu-Ulm erfolgte 1869 durch König Ludwig II. Gleichzeitig wurde die Stadt zum Standort einer Garnison. Dies bewirkte einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Neu-Ulm die Garnison. Um einen ökonomischen Abstieg zu verhindern, förderte die Stadt erfolgreich die Ansiedlung von Industriebetrieben. Unter dem Ersten Bürgermeister Josef Kollmann errichtete die Stadt zahlreiche öffentliche Einrichtungen und verbesserten auf diese Weise nachhaltig die Infrastruktur, dazu gehörten das Städtische Krankenhaus 1887 und das Schlachthaus 1889. In der Folge erhielt Neu-Ulm den Rang einer Stadt erster Klasse. Auch die Einrichtung einer Straßenbahnlinie zur Verbindung der Bahnhöfe von Neu-Ulm und Ulm optimierte die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und verbesserte die Lebensqualität in der Stadt.

Neu-Ulm: Die Geschichte der Stadt von der Weimarer Republik bis zur Gegenwart

In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde Neu-Ulm erneut zu einer Garnisonsstadt. Im Dritten Reich wurde die Reinhard-Kaserne errichtet, um das Pionierbataillon 45 dort zu stationieren. Darüber hinaus wurde in dieser Zeit die Ludendorf-Kaserne für das fünfte Artillerie-Regiment gebaut. In der Zwischenkriegszeit konnte Neu-Ulm die Bestrebungen Ulms, die Stadt einzugemeinden, erfolgreich abwehren.

Da sich in Neu-Ulm kriegswichtige Industrie in großem Umfang befand, wurde die Stadt häufig das Ziel von alliierten Bombenangriffen. Anfang März 1945 führte das Bombardement zu verheerenden Zerstörungen, denen rund 80 Prozent aller Gebäude zum Opfer fielen. In den letzten Kriegswochen sprengte die Wehrmacht alle Donaubrücken. Die Nachkriegszeit stellte die Stadt vor große Herausforderungen: Neben dem Wiederaufbau musste die Schaffung von Wohnraum für die große Anzahl an heimatvertriebenen Flüchtlingen gestemmt werden.

In den Nachkriegsjahrzehnten wurde Neu-Ulm zu einem bedeutenden Standort der US-Army. In den 80er-Jahren kam es zur Stationierung von Pershing II-Raketen in der Stadt. 1991 zog die US-Army aus Neu-Ulm wieder ab. In den folgenden Jahren wurden die auf diese Weise frei gewordenen Gebäude abgerissen oder anderweitig genutzt.

Neu-Ulm: Die Auswirkungen der kommunalen Gebietsreform in Bayern

Im Laufe der Geschichte kam es zu zahlreichen Eingemeindungen. Bereits 1908 kam die Gemeinde Offenhausen auf diese Weise zum Stadtgebiet hinzu. Im Rahmen der großen Gebietsreform, die Bayern in den 70er-Jahren durchführte, wurden mehrere weitere Gemeinden in Neu-Ulm eingemeindet. Unter anderem handelt es sich dabei um:

  • Gerlenhofen, teilweise (1. Juli 1972)
  • Finningen (1. Juli 1975)
  • Hausen (1. April 1976)
  • Pfuhl (1. Juni 1977), zusammen mit Burlafingen, Steinheim und Reutti

Die Eingliederungen führten insgesamt zu einem Flächenzuwachs von rund 80 Quadratkilometern.

Gegen den Willen vieler Bürger verlor Neu-Ulm im Zuge dieser Reform seine Kreisfreiheit. Die Stadt wurde zur Kreisstadt für den neuen, gleichnamigen Landkreis. Ein vom Neu-Ulmer Stadtrat gestellter Antrag auf Wiederherstellung der Kreisfreiheit wurde am 4. Juni 2019 vom Bayerischen Innenministerium abgelehnt.

Neu-Ulm: Einwohner und Verwaltung

In Neu-Ulm leben knapp 59.000 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 729 Einwohnern je Quadratkilometer (Stand: 31. Dezember 2019).

Heute ist das Stadtgebiet von Neu-Ulm in 23 Gemeindeteile untergliedert. Dabei handelt es sich um:

  • Breithofen
  • Burlafingen
  • Gerlenhof
  • Finnigen
  • Harzerhof
  • Hausen
  • Holzschwang
  • Pfuhl
  • Jedelhausen
  • Reutti
  • Lindenhof bei Neu-Ulm
  • Ludwigsfeld
  • Häuserhof
  • Marbach
  • Neu-Ulm
  • Neubronn
  • Offenhausen
  • Riedhöfe
  • Schwaighofen
  • Steinheim
  • Tiefenbach
  • Weiler
  • Werzlen

Die Stadt Neu-Ulm ist Verwaltungssitz des gleichnamigen, schwäbischen Landkreises, in dem mehr als 175.000 Einwohner leben. Diese verteilen sich auf 17 Gemeinden. Die Bevölkerungsdichte liegt im Landkreis bei 340 Einwohnern je Quadratkilometer (Stand: 31. Dezember 2019).

Neu-Ulm: Wirtschaft und Politik

Wie in vielen anderen Städten Bayerns übt die CSU auch in Neu-Ulm einen großen Einfluss auf die Politik aus. In der Kommunalwahl im März 2020 erreichte diese Partei mehr als 36 Prozent der abgegebenen Stimmen. Mit diesem Wahlergebnis erhielt sie 16 von insgesamt 44 Sitzen im Stadtrat. Die zweitstärkste Partei wurden die Grünen, sie sicherten sich elf Sitze. Die CSU stellt den Oberbürgermeister der Stadt Neu-Ulm. Seit 2020 hat Katrin Albsteiger dieses Amt inne.

Traditionell sind in Neu-Ulm zahlreiche Industrie-Betriebe ansässig. Darüber hinaus ist die Wirtschaft der Stadt mittelständisch geprägt. Unter anderem unterhalten die folgenden Firmen ihren Sitz oder Produktionsstätten in der Stadt an der Donau:

  • EvoBus
  • Coca-Cola
  • Honold Logistik Gruppe
  • Samsic Germany
  • Settel Schwäbische Spezialitäten & Feinkost
  • Max Weiss Lebkuchenfabrik

Aufgrund der prosperierenden Wirtschaft verzeichnet die Stadt Neu-Ulm hohe Steuereinnahmen, insbesondere aus Gewerbe- und Einkommensteuer, und gehört zu den wohlhabenderen Gemeinden Bayerns.

Neu-Ulm: Kultur und Bildung

Mit dem Theater Neu-Ulm hat Neu-Ulm eine überregional bekannte private Spielstätte. Auch die Städtische Musikschule genießt einen hervorragenden Ruf. Sie bringt regelmäßig junge Preisträger bei nationalen und internationalen Wettbewerben hervor. In der Stadtbücherei können Bürger mehr als 70.000 Medienträger ausleihen beziehungsweise nutzen.

In Neu-Ulm existieren zahlreiche Bildungseinrichtungen. Die Stadt hat zwei Gymnasien, das Lessing-Gymnasium in der Innenstadt und das Bertha-von-Suttner-Gymnasium, sowie zwei Berufsschulen. Durch die Internationale Business School für Innovation, nachhaltiges Entrepreneurship und digitale Transformation gilt Neu-Ulm als Hochschulstandort.

Neu-Ulm: Sehenswürdigkeiten

Die städtischen Museen am Petrusplatz gehören zu den bekanntesten kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Sie bestehen aus dem Edwin-Scharff-Museum und dem Kindermuseum, die über ein Foyer verbunden sind. Edwin Paul Scharff war ein bedeutender Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Er wurde in Neu-Ulm geboren und wuchs in der Stadt auf. Im nach ihm benannten Museum werden Skulpturen, Zeichnungen und Aquarelle ausgestellt. Das interaktive Museum für Kinder bietet zahlreiche Möglichkeiten, Kunst zu erleben und selbst zu gestalten. The Walther Collection gehört ebenfalls zu den lohnenden Ausstellungen in Neu-Ulm. Diese Sammlung präsentiert hochwertige zeitgenössische Fotografien.

Touristen und Einheimische können im Ortsteil Schwaighofen den privaten Reptilien- und Schildkrötenzoo besuchen. In diesem leben 500 exotische Tiere. Trotz der umfassenden Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg bietet Neu-Ulm mehrere interessante Baudenkmäler. Dazu gehört die ehemalige Garnisonskirche St. Johann Baptist. Der markante Neu-Ulmer Wasserturm liegt im Kollmannspark und ist das Wahrzeichen der Stadt.

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