Dunkle Vergangenheit: Stefan S. saß wegen Internetbetrugs im Knast. Heute blickt er optimistisch in die Zukunft.

Neuanfang: Ins Leben entlassen

München - Stefan S. saß zwei Jahre und drei Monate im Gefängnis, weil er im Internet gefälschte Artikel aus dem Dritten Reich verkauft hat. Jetzt wurde er entlassen - und beginnt ein neues Leben.

Stefan S. wusste, dass er auffliegen wird. Dass irgendein Sammler dahinterkommt. Dass einer prüfen lassen würde, ob die Helme, Orden und Militärartikel echt waren, die er im Internet gekauft hatte – von Stefan S. Was er befürchtet hatte, trat ein: Der heute 41-Jährige wurde verhaftet und später verurteilt. Das war am 11. März 2007. Wenn Stefan S. davon spricht, nennt er es seinen „ganz persönlichen Schicksalstag“. Zwei Jahre und drei Monate saß er im Knast.

Jetzt lebt der gelernte Einzelhandelskaufmann in einer Wohngemeinschaft im Münchner Osten. In einem großen Haus mit Garten, direkt daneben eine Kirche. Für alle Bewohner bis auf den Seelsorger und dessen Ehefrau ist das hier das zweite Leben, das Leben nach der Haft. Tötungsdelikte, Drogenhandel, Einbruch – jeder trägt mit seinen Einzugskartons eine andere Vergangenheit über die Türschwelle.

Mit falschen Freunden hatte alles angefangen, mit Koks auf der Toilette, mit unbezahlten Rechnungen. Als die Mutter von Stefan S. an Krebs starb und der Vater kurz darauf zum Pflegefall wurde, geriet der damals 28-Jährige immer tiefer in einen Strudel aus nicht beglichenen Forderungen und stärker werdender Drogensucht.

Um möglichst schnell an viel Geld zu gelangen, begann er über das Internet gefälschte Artikel aus dem Dritten Reich zu verkaufen. Nachdem er damit aufgeflogen war, saß er 16 Monate lang in Untersuchungshaft. „Damals war ich sauer“, sagt Stefan S. „Aber heute weiß ich, ich habe selbst Scheiße gebaut.“

Er fühlt sich wohl in der WG, hilft gerne beim Kochen und Aufräumen. Nach dem Gefängnis war es ihm wichtig, nicht alleine zu sein – das hat er noch nie gekonnt. Und er wollte Arbeit finden. Momentan ist er Hausmeister, würde aber gerne einen Gebrauchtwagenhandel gründen. „Verkaufen ist einfach meins“, sagt er.

Von Pia Ratzesberger und Rebecca Csiesielski

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