Topfit: Michael Teuber, 18-facher Rad-Weltmeister (Paracycling).

Neuanfang: Trotzt Lähmung auf den Kilimandscharo

München - Michael Teuber ist seit einem Autounfall mit 19 Jahren Querschnittsgelähmt. Trotzdem hat er den Kilimandscharo bezwungen und bei den Paralympics zwei Goldmedaillen geholt.

Michael Teuber ist 19, kurz vor dem Abitur und auf dem Weg nach Frankreich zum Windsurfen. Einen Moment ist der Fahrer abgelenkt – das Auto kracht gegen einen Betonpfeiler. Die anderen steigen aus, Michael bleibt sitzen. Die Diagnose: Querschnittslähmung. In der Reha-Klinik bereiten ihn die Ärzte auf ein Leben im Rollstuhl vor.

23 Jahre später steht Michael Teuber auf dem Kilimandscharo. Mit Stöcken und Schienen, die seine gelähmten Beine stützen, hat er sich bis auf den Gipfel gekämpft. Die Kondition dafür hat er: Auf seinem Rennrad fährt er 15.000 Kilometer im Jahr. 2004 gewann er seine erste Goldmedaille bei den Paralympics in Athen. Sein unbändiger Wille hat ihn so weit gebracht.

Schon während des Abiturs trainierte er jeden Tag drei Stunden. Seine Hoffnung: Die Restfunktion seines rechten Oberschenkels. Entgegen der Prognose der Ärzte. „Ich bin denen nicht böse. Die sind von 95 Prozent ihrer Erfahrung ausgegangen – da haben sie nicht mit mir gerechnet!“, sagt er und lacht. Mit eiserner Disziplin kämpfte er sich in zwei Jahren aus dem Rollstuhl. Das Laufen ist bis heute mühsam, unterhalb der Knie bleibt er gelähmt. Einfacher als Gehen ist Rad fahren. Er sagt: „So ein Unfall ist eine Zäsur im Leben, aber er ändert einen Menschen nicht grundlegend.“

Immer wieder lotet er seine Grenzen aus – um sie schließlich zu überwinden. „Du weißt, dass du’s kannst, und dann machst du‘s halt“, sagt er. Als wäre sein Weg aus dem Rollstuhl zum Kilimandscharo das Normalste der Welt. Einer wie Teuber kann ohne Herausforderungen nicht leben: Das nächste Ziel ist die dritte paralympische Goldmedaille in London. Und: Er liebäugelt bereits mit dem Himalaya.

Von Christine Bödicker

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