Licht am Ende des Tunnels: Lea in ihrem Hausflur.

Neuanfang: Lea hat nur eine Schwäche - ihre Esssucht

München - Die 24-jährige Lea leidet seit Jahren unter Esssucht. Man sieht es ihr nicht an und auch sonst meistert sie ihr Leben perfekt. Ihrer Schwäche hat sie nun den Kampf angesagt - ein letztes Mal.

Ihr Lebensmotto trägt Lea* an den Füßen: „Powerfrau“ steht in leuchtendem Orange auf ihren Hausschuhen. Die 24-Jährige kämpft seit Jahren gegen ihre Esssucht. In schwachen Momenten schlingt sie alles in sich hinein, was der Kühlschrank hergibt: eine Packung Müsli, einen Laib Brot, eine Butter, einen Kuchen – alles nacheinander. Das ist Leas Ausbruch aus ihrem sonst so durchgeplanten Leben – mit Management-Studium im Ausland und Praktika in den nobelsten Hotels.

Trotz mehrerer Versuche hat sie es nie geschafft, ihre Essstörung zu bezwingen. Die Kraft schwand, die Resignation stieg. Nun hat sie beschlossen, ihren Lebensplan umzuwerfen: Lea ist nach München in eine therapeutische Wohngruppe des Vereins ANAD gezogen. „Jetzt setze ich alles auf eine Karte“, sagt sie. Weil sie selbstbewusst wirkt, will sie dem Klischee einer Essgestörten so gar nicht entsprechen. Wenn sie es in der WG mit all den Therapie-Angeboten nicht schaffe, ihre Krankheit zu bekämpfen, dann schaffe sie es woanders auch nicht, sagt Lea.

Ihr Tagesrhythmus ist davon bestimmt, wieder mit Struktur und zu klaren Zeiten zu essen. Am Abend stehen Gespräche mit Psychologen und Ernährungsberatern auf dem Plan. Kalorientabellen gibt es keine, vielmehr soll Lea wieder einen natürlichen Bezug zum Essen bekommen. Vor dem Neustart plagten die 24-Jährige Zweifel: „Ich hatte Angst, dass mich die anderen in der WG nicht akzeptieren.“ Denn den meisten Bewohnern sieht man ihre Probleme an. Lea indes ist groß und schlank. Exzessiver Sport verhindert, dass sie zunimmt. Nie würde man bei ihr an eine Essstörung denken. Erst recht nicht beim Blick auf ihre „Powerfrau“-Hausschuhe. Die behält sie an.

* Name geändert

Von Pia Ratzesberger

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