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Zum Sündenbock gemacht: der ehemalige CSU- Chef Edmund Stoiber .

Neue Biographie macht Stoiber zum Sündenbock

München - Keine zwei Monate nach dem historischen Wahldebakel der CSU macht eine neue Biografie den ehemaligen Parteichef Edmund Stoiber zum Verantwortlichen für den Niedergang.

“Verlust der Bodenhaftung“, “verworfene Chancen“ - der langjährige Bayern-Regent schneidet nicht gut ab in dem 222 Seiten langen Buch “Edmund Stoiber - Aufstieg und Fall“ des Münchner Journalisten Rudolf Erhard, das am Donnerstag in München vorgestellt wurde.

Der Landtagskorrespondent des Bayerischen Rundfunks macht den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten zum Sündenbock für die tiefe Krise der CSU und das Scheitern des Nachfolgetandems mit Günther Beckstein und Erwin Huber. Die Buchvorstellung am Donnerstagabend verläuft turbulent. Für Zündstoff sorgt noch ein ganz anderes Thema: Gerüchte über eine angebliche Affäre Stoibers mit einer CSU-Bundestagsabgeordneten im Jahr 2005, die auch ein Grund für Stoibers Berliner Rückzug gewesen sein soll.

Das politische Urteil des Autors über Stoiber fällt harsch aus. Er zeichnet die Karriere des Politikers nach, die erst steil nach oben, dann steil nach unten ging. Stoiber habe nach dem Wahlfiasko am Sturz Becksteins und Hubers maßgeblich mitgewirkt, schreibt Erhard. Seinen Nachfolgern habe er jede Unterstützung und Hilfe verweigert, er habe sich an den “Putschisten“ rächen wollen für die “Schmach von Kreuth“. Stoiber habe Format und Größe vermissen lassen und “stillos nachgetreten, nicht offen, sondern hinter den Kulissen. Er hat damit seinem Ansehen und seinem Lebenswerk geschadet.“ Diese Einschätzung teilen auch viele in der CSU.

In der Passage über die angebliche Affäre Stoibers mit einer Frau, die “vom Aussehen her verblüffende Ähnlichkeit mit der jungen Karin Stoiber habe“, bleibt das Buch vage und beschränkt sich auf Andeutungen und die Wiedergabe von Gerüchten. Direkt gefragt habe er Stoiber auch nicht, räumt Erhard ein. “Meine Ehe war nach vierzig Jahren in Gefahr“, zitiert er den Politiker und lässt dieses Zitat im Raum stehen. Ein Sprecher Stoibers sagt, die Zitate seien Stoiber nicht zur Autorisierung vorgelegt worden. Das Vorabexemplar, um das Stoiber gebeten hatte, wurde verweigert.

Dafür nimmt der frühere Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) den Autor in die Zange. “Das trauen viele, die Edmund Stoiber kennen, ihm nicht zu“, sagt Goppel über die Affären-Gerüchte. Der Hintergrund: In der CSU gilt Stoiber als ausgesprochen unkörperlicher Politiker, das genaue Gegenteil der Mehrfach-Ehemänner Gerhard Schröder und Joschka Fischer.

Erhard selbst lässt Stoiber-Nachfolger Beckstein in seinem Buch mit dem Zitat “Wenn Stoiber die Wahl hätte zwischen einer schlanken Nackten und einer dicken Akte, würde er immer die Akte wählen“ zu Wort kommen. Goppel wirft dem Verlag vor, falsche Gerüchte aufgegriffen zu haben, um mehr Bücher zu verkaufen. Stoiber selbst nahm bislang nicht Stellung zu dem Buch, das mit einer vom ihm selbst oft erzählten Erinnerung, dem Siegtreffer Stoibers zum 1:0-Sieg des ASV Kiefersfelden gegen den hohen Favoriten 1860 im Jahr 1955, beginnt und ungnädig mit dem verlorenen “Mythos“ CSU endet.

dpa

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