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Eine Drohne (Archivbild).

Profi-Piloten klagen

Neue Drohnen-Verordnung: „Grenzt an Berufsverbot für gewerbliche Piloten“

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Seit einem guten Monat gilt die neue Drohnen-Verordnung – zum Unmut vieler gewerblicher Drohnen-Flieger. Sie sagen, wegen der neuen Regelung könne ein Großteil der Aufträge nicht mehr umgesetzt werden. Doch das Verkehrsministerium sieht keinen Änderungsbedarf.

München – Vor knapp zwei Jahren hat sich Marinus Vogl selbstständig gemacht. Air-Bavarian heißt das Start-Up des 21-jährigen Wolfratshausers. Sein Job: filmen und fotografieren aus der Vogelperspektive. Marinus Vogl ist professioneller Drohnen-Pilot. Er dreht Werbe-Filme, erstellt Luftbilder, inspiziert Immobilien und Solaranlagen. Bislang lief das Geschäft gut, Vogl flog und filmte mit Unterstützung seines Bruders für Auftraggeber wie Siemens, MAN oder Tesla. Doch mit der neuen Drohnen-Verordnung, die seit fünf Wochen in Kraft ist, hat sich viel verändert. „Die Neuordnung ist gut für Private, denn die privaten Piloten haben Probleme gemacht“, sagt Vogl, „aber für uns gewerbliche Piloten grenzt sie an ein Berufsverbot.“

„Unser größtes Problem ist die Genehmigung der Grundstückseigentümer“, sagt er. Mit der geänderten Verordnung muss der Besitzer eines Wohngrundstücks ausdrücklich zustimmen, bevor die Drohne über seinem Grund fliegen darf. „Bei Aufträgen in München, wo wir etwa Baustellen filmen, ist es unmöglich, alle Genehmigungen für die Nachbargrundstücke einzuholen.“ Oft lasse sich nicht einmal herausfinden, wer der Grundstückseigentümer ist.

„Wie ein Berufsverbot“ sei die neue Verordnung für gewerbliche Drohnenpiloten, sagt Marinus Volg (vorne). Er ist professioneller Drohenpilot – doch wegen der strengen Vorschriften kann er seit fünf Wochen kaum noch Aufträge umsetzen.

Zweites Problem: Die Abstandsregelung. „Wir inspizieren für unsere Auftraggeber Solarfelder und suchen aus der Luft per Wärmekamera nach defekten Zellen“, sagt Vogl. Diese Solaranlagen stehen oft in der Nähe von Bundesstraßen und Industriegebieten. Dort gilt aber seit der Neuregelung ein Mindestabstand von 100 Metern. Um die Drohne trotzdem steigen zu lassen, braucht Vogl eine Ausnahmegenehmigung. „Die zu bekommen, kann aber dauern. Und bei einer defekten Zelle muss es schnell gehen.“ Ganz ähnlich sei das beim Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft. Mit der Wärmebildkamera fliegt Vogl für Bauern über Felder und Wiesen, um nach Rehkitzen und Frischlingen Ausschau zu halten, bevor die Mahd ansteht. „Weil die Bauern auf gutes Wetter angewiesen sind, müssen wir auch hier kurzfristig ausrücken.“ Und auch hier befinden sich die Felder immer wieder im 100-Meter-Einzugsbereich von Autobahnen oder Bundesstraßen.

Marinus Vogl hat diese Probleme in einem Brief an Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zusammengefasst – mit der Bitte, eine Lösung zu finden. Vogl ist nicht der einzige, der die neuen Regeln kritisch sieht. Auch Holger Hirsch vom Rosenheimer Unternehmen AirV8, das vor allem für Werbung, Kino und Fernsehen filmt, sagt, die 100-Meter-Begrenzung „schränkt uns ein“. Er plädiert für ein geringeres, „vernünftiges Maß“. Christoph Bach, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Copter-Piloten, hat sogar eine Online-Petition ins Leben gerufen, die sich an Verkehrsminister richtet. Bach fordert längerfristige Ausnahmegenehmigungen für gewerbliche Drohnen-Steuerer. Über 2300 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet.

Die Ausnahmegenehmigungen erteilen in Bayern das Luftamt Süd- oder Nordbayern. Auf Nachfrage teilen beide Behörden mit, dass seit der neuen Regelung bereits eine Reihe von Schreiben, E-Mails und Anrufen eingegangen seien, in denen gewerbliche Drohnenbetreiber die neuen Einschränkungen kritisieren. Die Luftämter erklärten auch, dass sich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe gerade mit der Frage beschäftige, unter welchen Voraussetzungen Ausnahmegenehmigungen erteilt werden können. Ein Ergebnis werde aber nicht vor der zweiten Jahreshälfte erwartet. Bis dahin würden nur sehr wenige Ausnahmegenehmigungen erteilt – auch wenn es derzeit viele Anfragen gebe.

Holger Hirsch versteht, dass manche Menschen skeptisch gegenüber Drohnen sind. „Ich hätte auch keine Lust, dass jemand im Tiefflug über meinen Garten fliegt.“ Er spricht sich deshalb für einen europaweit gültigen Drohnenführerschein für gewerbliche Anbieter aus. „Es wird zum Teil vogelwild geflogen da draußen. 90 Prozent der Zwischenfälle liegen in der Verantwortung der Piloten.“ Mit einer einheitlichen Lizenz ließen sich Sicherheit und Privatsphäre am besten gewährleisten.

Das Bundesverkehrsministerium sieht jedoch keinen Nachbesserungsbedarf. „Die Neuregelung bringt klare Vorteile für die gewerblichen Nutzer“, heißt es auf Anfrage. Bisher hätten diese grundsätzlich eine Erlaubnis gebraucht, jetzt nur mehr ab einem Gerät von mehr als fünf Kilogramm. Derzeit werde die einheitliche Verwaltungspraxis an die Neuregelung angepasst. Diese „Gemeinsamen Grundsätze“ sollen „zeitnah“ veröffentlicht werden.

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