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Premiere vor vollem Haus: Ilse Aigner (3.v.r.) mit (v.l) Lisa Loch, Robert Franken, Gülseren Demirel, Ursula Münch, Renate Schmidt und Nicole Schindelar.

Austausch zu „100 Jahre Frauenwahlrecht“

Neue Gesprächsrunde mit Ilse Aigner: Ein Kessel Buntes im „LandTalk“

  • Kathrin Brack
    VonKathrin Brack
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Ilse Aigner hat möglicherweise ihren Beruf verfehlt. Die CSU-Politikerin musste erst Präsidentin des Bayerischen Landtags werden, um die Öffentlichkeit mit einem ganz neuen Talent überraschen zu können.

München – Als souveräne Gastgeberin führte sie an der Seite von Gülseren Demirel (Grüne) durch ihren ersten „LandTalk“. Das neue Diskussionsformat, das als unterhaltsame Ergänzung zu den akademischen Veranstaltungsreihen gedacht ist, feierte am Dienstagabend Premiere im Landtag.

Der Termin war bewusst gewählt: Am Dienstag vor 100 Jahren hielt Marie Juchacz als erste Frau eine Rede in einem deutschen Parlament, vor der Nationalversammlung in Weimar. Das Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ war aber nur der Ausgangspunkt für ein Gespräch, das sich um die Frage der Gleichstellung von Mann und Frau drehte. Auf dem Podium eine bunte Gäste-Mischung: Sky-Moderatorin Lisa Loch, die als minderjähriges Mobbing-Opfer von Stefan Raab berühmt wurde. Der ProSieben-Moderator machte vor Jahren anzügliche Witze über die damals 16-Jährige. Neben ihr Unternehmensberater und Feminist Robert Franken. Die Direktorin der Politischen Akademie Tutzing, Professor Ursula Münch. Sowie die ehemalige Bundesministerin Renate Schmidt (SPD) und Nicole Schindelar, die in einem frauenuntypischen Beruf Erfolg hat: als Chefin eines Münchner Schrottplatzes.

Ilse Aigner sorgte für Aufregung durch ein modisches Accessoire

„Stoiber“ muss für Mama Bavaria einspringen 

Zur Einstimmung trat „die bessere Feministin“ auf die Bühne: Edmund Stoiber, dargestellt von Kabarettist Wolfgang Krebs, der das Publikum gendergerecht mit „liebe Schwesterinnen und Schwestern, liebe Bienen“ begrüßte. Eigentlich hätte Luise Kinseher mit einem „Impulsreferat“ eröffnen sollen. „Leider“, sagte Ilse Aigner, „ist sie erkrankt. Und ausgerechnet ein Mann hat sich als äußerst flexibel erwiesen.“ Stoiber statt der zurückgetretenen Mama Bavaria. Das Publikum nahm’s mit Gelächter und Applaus für Krebs.

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Die „Sacharbeit“, wie Aigner die folgende Diskussion nannte, bestand vorwiegend aus Einzelantworten der Gäste. Sehr unterhaltsam die Ausführungen von Renate Schmidt zu ihrer Zeit als Programmiererin in den 1960ern. Bedrückend die Schilderung von Lisa Loch, die erzählte, wie sie ihre Erfahrung nutzt, um Mobbingopfern zu helfen. Ermutigend die Geschichte von Nicole Schindelar, der „Schrottplatzprinzessin“, die den Betrieb ihres verstorbenen Vaters übernahm und sich in diesem Männerjob Respekt verschaffen musste. Klug die Gedanken von Robert Franken und Ursula Münch, die fürchtet, dass kommende Generationen von Frauen viel weniger Gleichberechtigung erfahren werden.

Wolfgang Krebs sprang als Edmund Stoiber spontan für die erkrankte Luise Kinseher ein.

Bei fünf Gästen und nur eineinhalb Stunden Zeit ist es schwer, in der Diskussion in die Tiefe zu gehen, wie eine Besucherin am Ende bedauerte. Einige hätten sich noch mehr „Sacharbeit“ gewünscht. Das Format fand dennoch Gefallen – schon im Vorfeld. Bei 500 Zusagen stieß der Landtag an seine Kapazitätsgrenzen. „Wir wurden von der großen Resonanz etwas überrascht“, sagte Aigner. Tatsächlich passten nicht alle Zuhörer in den Senatssaal, die Runde wurde nach draußen übertragen. Zwei- bis viermal im Jahr will sie die „LandTalks“ künftig anbieten, erklärte Ilse Aigner. 

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