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Prominentes Hochzeitspaar: Prinz Charles und Camilla heirateten im Standesamt und in der  Kirche (Archivfoto vom 9. April 2004).

Gesetzesänderung:

Die neue, halbe Ehe

München - Ab dem 1. Januar führt der Weg zum Traualtar in der Kirche nicht mehr zwangsläufig über das Standesamt. Die Neuregelung hat Fallstricke. Sogar die Kirche warnt.

"Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen" - mit diesem Satz vermählt der Priester Braut und Bräutigam vor dem Traualtar. Damit diese Ehe auch rechtskräftig ist, musste das Paar vor der kirchlichen Trauung bisher zum Standesbeamten. Doch das ist ab dem 1. Januar 2009 nicht mehr nötig. Eine Änderung des Personenstandsrechts ermöglicht bundesweit eine kirchliche Trauung ohne vorherige zivile Eheschließung.

Diese Regelung gibt es in Österreich schon seit mehr als 50 Jahren - ebenso lang existiert der Mythos vom Ehe-Tourismus ins Nachbarland, vor allem aus Bayern. 1603 Deutsche haben 2007 in Österreich geheiratet - wie viele davon extra für das Ja-Wort eingereist sind, wird nicht erfasst. "Das sind nicht allzu viele", sagt eine Ministeriumssprecherin. Der Bedarf für die reine kirchliche Trauung scheint also nicht übermäßig groß zu sein. Steigt er mit der Neuregelung an? Bei der Erzdiözese München und Freising glaubt man das nicht, Sprecher Winfried Röhmel erwartet "Ausnahmefälle". Denn die Neuregelung hat einige Fußangeln, vor allem finanzieller Art.

"Eine alleinige kirchliche Trauung hat keinerlei rechtliche Folgen", warnt Caroline Kistler, eine Münchner Fachanwältin für Familienrecht. Das Paar hat keine Steuervorteile, der einzelne Partner kein Erbrecht und keinen Anspruch auf Witwenrente. Ist ein Partner schwer krank, hat der andere weder ein Recht auf Auskunft durch den Arzt noch ein Besuchsrecht.

Auch bei einer Scheidung wird die halbe Ehe zum Problem. Beispiel Unterhaltszahlungen. Ohne standesamtliche Hochzeit hat die Ex-Frau nur dann Anspruch auf Unterhalt, wenn sie ein minderjähriges Kind (bis drei Jahre) betreut - die Summe allerdings ist begrenzt auf das Einkommen der Mutter vor der Geburt des Kindes. Im Gegensatz dazu kann eine geschiedene Ehefrau, die vorher auch standesamtlich verheiratet war, Unterhalt fordern, wenn sie krank ist, keine Anstellung findet oder zu alt ist für eine Erwerbstätigkeit. Außerdem bekommt die Frau keinen Versorgungsausgleich in Form einer Rente. "Nur einen gewissen Teil kann man regeln, in einem Ehevertrag oder einem Testament", sagt Familienrechtlerin Vera Templer von der Kanzlei Templer&Leikam in München.

Damit die Brautleute von den Fallstricken nicht überrascht werden, müssen sie vor der katholischen Trauung beim Priester eine Erklärung unterschreiben. Damit bittet das Paar den Ortsbischof um eine Unbedenklichkeitserklärung, das sogenannte Nihil Obstat (lateinisch: "es steht nichts entgegen"). Für Mitglieder der evangelischen Kirche bringt die Gesetzesänderung keine Neuerungen mit sich. Der Trauungsgottesdienst ist schon jetzt eine Art Segnung für die Ehe, die beim Standesamt geschlossen wurde - dabei bleibt es.

Für manche Paare birgt die Neuregelung auch Vorteile: Wollen sich zwei verwitwete Menschen das Ja-Wort geben, können sie weiterhin die Witwen-Rente aus erster Ehe beziehen. Auch Studenten können so ihren Anspruch auf BAföG aufrechterhalten. Bistumssprecher Röhmel rät aber dazu, nach wie vor vor der kirchlichen Hochzeit den staatlichen Bund fürs Leben einzugehen: "Nur dieser bietet Rechtssicherheit."

Carina Lechner

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