Eine Grafik von Oberbayern.
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Das wäre das Gebiet des künftigen MVV, wenn es nach den Grünen geht. Es soll Überlappungszonen etwa nach Landshut, Salzburg oder Kempten geben.

Vorstoß der Grünen im Landtag

Revolutionäre Idee für den MVV: Ausdehnung über ganz Oberbayern

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Die Grünen-Landtagsfraktion macht einen Vorstoß, um ganz Bayern in Verkehrsverbünde nach dem Vorbild des MVV zu integrieren. Der „lückenhafte Flickerlteppich“ müsse durch fünf flächendeckende Verbünde ersetzt werden, sagt der Verkehrspolitiker Markus Büchler.

  • Bayern hat zu wenig Verkehrsverbünde, sagt der Grünen-Verkehrspolitiker Markus Büchler.
  • Er schlägt vor, mit fünf großen Verbünden ganz Bayern abzudecken.
  • Der Münchner MVV würde sich dann über ganz Oberbayern erstrecken.

München – Wer heute von Pfaffenhofen zum Spitzingsee will, benötigt drei Fahrkarten: Eine für die Deutsche Bahn, eine für die Regiobahn (BOB), eine für den Bus. Denn weder Pfaffenhofen noch der Landkreis Miesbach sind in einem Verkehrsverbund. Das macht Bahnfahren kompliziert und teuer, sagt Markus Büchler. Bayern sei „rückständige ÖPNV-Diaspora“. Der Oberschleißheimer ist seit der letzten Landtagswahl Sprecher für Mobilität in der Grünen-Landtagsfraktion. Soeben hat er unter der Überschrift „Bus und Bahn einfach machen“ ein Verkehrskonzept entworfen, das Bewegung in die festgefahrene Diskussion um die Gründung größerer und ganz Bayern umfassender Verkehrsverbünde bringen will.

Der Ist-Stand: In Bayern gibt es derzeit zwölf vollwertige Verbünde, die aber recht kleinteilig sind. Daneben existieren 25 Verkehrsverbünde, die nur den Busverkehr regeln – also ohne Bahn. Und mindestens 20 Landkreise, schätzt Büchler, sind nur zum Teil oder gar nicht in einen Verkehrsverbund integriert. Insgesamt sei das ein „lückenhafter Flickerlteppich“.

Nach den aktuellen Planungen bleiben Lücken - etwa in Traunstein oder Altötting

Vor der Kommunalwahl 2020 machte die damalige CSU-Staatsregierung die Ankündigung, das Angebot zu verbessern. Heraus kam ein 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende. Und auch der MVV macht Anstrengungen, sein Gebiet zu vergrößern (wir berichteten). 2023 könnten die ersten Landkreise beitreten. Doch es bleiben Lücken. Für Traunstein oder Altötting etwa ist bisher kein Weg in einen Verbund erkennbar.

Die fünf Verkehrsverbünde hätten diese Abgrenzungen.

Markus Büchler schlägt vor, ganz Bayern in fünf Verbünden zu strukturieren: der MVV würde sich nach seinem Modell auf ganz Oberbayern ausdehnen, ferner soll es Verbünde für Schwaben, Oberpfalz/Niederbayern, Ober-/Mittelfranken und Unterfranken geben. Büchler spricht von einer „Vision“. Über genaue Abgrenzungen könne gerne diskutiert werden. „Wir wollen aber aufzeigen, wo es hingehen könnte.“ Die vielen kleinen bestehenden Verbünde sollen in Überleitungsverträgen in größere Einheiten überführt werden. „Wir wollen nichts kaputt machen.“ Die Verbünde müssten auch demokratischer werden – sprich Kreis- und Stadträte Mitspracherechte bekommen. Heute entscheidet im MVV zum Beispiel nur eine (stets nicht-öffentlich tagende) Gesellschafterversammlung. Wichtig bei Markus Büchlers Vorstoß: Alle Verkehrsverbünde sollen Überlappungszonen bekommen – für Pendler, die zum Beispiel von Garmisch-Partenkirchen nach Innsbruck müssen, oder von Freising nach Landshut. Solche Überlappungszonen gibt es heute schon im MVV, um Sprünge zwischen den Tarifzonen abzumildern.

Bis jetzt scheitert die Vergrößerung des MVV auch am Geld – die Beitrittskandidaten, also die Landkreise, müssen Millionenbeträge zuschießen. Nicht alle Landkreise sind dazu bereit, sagt Büchler. er nennt das Beispiel Altötting, wo die Busbetriebe weitgehend eigenwirtschaftlich arbeiten und der Landkreis nur jährlich 50 000 Euro für den öffentlichen Personennahverkehr zuschieße. Zum Vergleich: Im Landkreis München sind es 56 Millionen Euro.

Ohne eine finanzielle Beteiligung des Freistaats werde die Gründung großer Verkehrsverbünde nicht gelingen, sagt Büchler.

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