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Der Traum von der Tram im Umland: Als Stadtbahn könnten sowohl im Norden (Grafik) als auch im Süden von München solche Trambahnen auf Tangentiallinien zwischen einzelnen U- und S-Bahn-Linien fahren, schlägt ein Raumplaner vor.

Zu spät, zu teuer

Neue S-Bahn, neuartige Stadtbahn: Kommen diese Ideen zu spät?

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Eine S-Bahn entlang der A 8 „von Pasing bis Dasing“, neuartige Stadtbahnen rings um München – an Ideen zur Verbesserung des Nahverkehrs ist kein Mangel. Doch den Planern läuft die Zeit davon.

München – Der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) will in großen Dimensionen denken: „Langfristig“, so sagte der Kreischef, müsse eine völlig neue S-Bahn aufgezogen werden. Die neue S-Bahn soll entlang der Stuttgarter Autobahn A8 führen, die Linienführung ist im Moment allerdings nicht mehr als ein Strich auf der Landkarte. Sinnlos sei es dennoch nicht, sich dem Projekt zu widmen. „Wenn wir das heute nicht denken, wird die Trasse zugebaut“, warnte Löwl am Dienstag im Planungsausschuss des Regionalen Planungsverbands. Mit der früher diskutierten Stadt-Umland-Bahn sei es so gewesen. Die neue S-Bahn sei freilich eine „Utopie für 2050“ – anfangen könne man ja bescheidener mit einem Expressbus.

Die A 8-S-Bahn ist nur eines von vielen Projekten, die der Regionale Planungsverband in die Diskussion einspeisen will. Die dort organisierten acht MVV-Landkreise haben im Februar ihre „Zukunftsperspektiven für die S-Bahn München“ in einer Art Forderungskatalog zusammengefasst. Neben dem Ausbau vieler bestehender S-Bahn-Linien – etwa der S4 im Westen bis Eichenau oder der S7 bis Geretsried – schlagen die Landräte auch einen 24-Stunden-Takt für die S-Bahn vor. Die Taktlücke zwischen 1 und 5 Uhr sei nicht mehr zeitgemäß. Zwar ist seit der Präsentation der Studie Ende März nichts mehr passiert, doch das Papier dürfe nicht in der Schublade verschwinden, mahnte Löwl. „Wir erwarten kurz- und mittelfristig spürbare Verbesserungen.“ Der Münchner Stadtrat Johann Sauerer (CSU) mahnte an, die genannten Zeiträume zu verkürzen: Bis ins Jahr 2050 zu denken, sei viel zu lang. Das müsse in 15 oder 20 Jahren passieren, „die Kommunen müssen Druck ausüben“.

Bevölkerungszahl soll laut Prognosen um 17 Prozent steigen

Deutlich wird: Die Landkreise wollen nicht mehr in Demut alles hinnehmen, was aus den Verkehrsministerien kommt, und künftig als eigenständiger Akteur in der Verkehrsplanung auftreten. Grund für diesen neuen Geltungsdrang sind nahezu bedrohlich klingende Prognosen. Bis 2035 soll die Zahl der Einwohner im Münchner Großraum um 400.000 wachsen.

Eine Stadtbahn und eine U-Bahn-Verlängerung sind im Münchner Norden angedacht.

Neben der MVV-Studie könnte in der Verkehrspolitik dabei auch ein Gutachten für den Landkreis München eine Rolle spielen. Der Raumplaner Michael Bentlage von der TU München hat darin interessante Ausbau-Ideen entwickelt, die wohl notwendig sind, denn gerade auch der Landkreis ist Boom-Region. In den nächsten 20 Jahren soll die Bevölkerungszahl laut Prognosen um 17 Prozent steigen – von heute 330.000 auf 390.000. Bentlage schlägt vor, die U6, die heute in Garching-Forschungszentrum endet, bis Neufahrn (Kreis Freising) weiterzuführen, sodass Anschluss an die S1 besteht. Weil rings um München Querverbindungen fehlen (oder nur mit Bussen abgedeckt werden), schlägt der Planer mehrere Stadtbahnen vor. Stadtbahnen sind baugleich mit den Trambahnen, überwinden aber längere Distanzen. Eine Linie könnte von Garching nach Ober- und Unterschleißheim führen, eine zweite im Münchner Süden von Martinsried über Planegg nach Germering.

Die Kosten sind allerdings enorm: bis zu 415 Millionen Euro im Norden, 225 Millionen Euro im Süden. Ein von Bentlage ebenfalls untersuchter S-Bahn-Nordring von Haar bis nach Dachau, der zum Teil auf einer schon bestehenden Güterbahntrasse verlaufen würde, wäre noch kostenträchtiger: bis zu 1,3 Milliarden Euro. Zudem haben die Projekte in der Regel nur sehr geringe Nutzen-Kosten-Faktoren, die Stadtbahn im Norden zum Beispiel nur 0,1. Um zuschussfähig zu sein, müsste es mindestens 1,0 sein.

Womöglich ist es aber schon zu spät – denn das Drei-Phasen-Papier, in dem Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) Ausbauideen nach Prioritäten ordnen will, ist schon in der Endabstimmung. Die Stadtbahnen spielen dabei keine Rolle.

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