Neue Schrift, weniger Stoff

München - Was sollen Grundschulkinder lernen - und was nicht? Der Lehrplan für die bayerischen Grundschulen wird grundlegend überarbeitet. Zur Diskussion stehen unter anderem Stofffülle, die Schrift und auch Zehn-Finger-Tastschreiben.

Von Dirk Walter

An Experten ist kein Mangel: Mehrere Fachkommissionen, ein Landesschulbeirat, mindestens drei Lehrerverbände, diverse Seminarleiter, Schulleiter und ganz normale Lehrer - sie alle sind daran beteiligt, den Lehrplan für die bayerischen Grundschulen zu reformieren. Der alte Lehrplan stammt aus dem Jahr 2000. Ziel ist es, alle Betroffenen „bei der Neukonzeption des Lehrplans einzubinden“, betonte Kultusminister Ludwig Spaenle. Motto: lieber ein Experte zu viel als dass sich jemand vergessen fühlt.

So viel Expertentum braucht seine Zeit: Zwei Jahre soll die Lehrplan-Überarbeitung dauern. Vorab gab es eine Online-Befragung unter 3500 Lehrern, die eine erste Orientierung über die Themenfelder gab. Demnach werden vor allem folgende Punkte kontrovers beurteilt:

-Stofffülle: 60 Prozent der befragten Lehrer halten die Lehrplan von Heimat- und Sachunterricht (HSU) für überfrachtet. Sie fordern mehr Eigenverantwortung in der Themenwahl. Simone Fleischmann, Expertin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands und Poinger Rektorin, fordert hier wie in den anderen Fächern auch einen neuen Lern- und Leistungsbegriff. Es gehe darum, mehr auf Kompetenzen statt auf Detailwissen zu setzen. Auch das Kultusministerium erklärt: „Im neuen Lehrplan wird die Kompetenzorientierung stärker im Mittelpunkt stehen als beim bisherigen.“

-Schrift: In Bayerns Grundschulen wird seit 2003 die Vereinfachte Ausgangsschrift (VA) gelehrt. Nun gibt es, angestoßen durch eine Umstellung in Hamburg, Überlegungen für eine neue Grundschrift, die fast ohne Häkchen auskommt. Eine starke Minderheit von 40 Prozent der befragten Lehrer hält die VA für wenig geeignet. Sogar 60 Prozent meinen, dass aus dieser Schrift keine gute Handschrift hervorgeht. Begleitet von der Münchner Uni finden an fünf Grundschulen im Allgäu und Franken Versuche mit der neuen Grundschrift statt - da deutet sich eine weitreichende Änderung ab. Entschieden ist aber noch nichts, betont ein Sprecher des Kultusministeriums.

-In Mathematik steht ein erst vor wenigen Jahren eingeführtes neues Substraktionsverfahren, das die Drittklässler lernen, schon wieder auf der Streichliste. Viele ältere Lehrer lehnen die Neuerung ab, ergab die Online-Stichprobe. BLLV-Expertin Fleischmann warnt vor schnellen Entscheidungen. Die Frage, wie Kinder eigentlich rechnen, sei noch nicht geklärt.

-Englisch: Hier wird vor allem die Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen von den via Internet befragten Lehrern als nicht ausreichend eingeschätzt. Den größten Bruch gebe es im Übergang zum Gymnasium - 60 Prozent der Lehrer sehen hier große Mängel.

Darüberhinaus gibt es viele Anregungen zu Detailfragen. So bemängeln Grundschullehrer im Fach Musik den hohen Theorieanteil; es gebe zu wenig Zeit für Singen und Instrumentalspiel. In Werken/Textiles Gestalten wird ein eigener Bereich „Ernährung“ angeregt. Im einstündigen Fach Kunst plädieren viele Lehrer für eine weitere Stunde. 40 Prozent der befragten Lehrer hält es zudem für sinnvoll, ab der 3. Klasse das 10-Finger-Tastschreiben an Computer-Tastaturen zu üben. Bislang gibt es hier an einigen Schulen nur Arbeitsgruppen, an denen Schüler freiwillig teilnehmen können.

Im Sommer 2013 sollen die Vorlagen der Fachkommissionen für den neuen Grundschullehrplan vorliegen. Nach Zustimmung des Kultusministers und des Landtags plant das Ministerium, den Lehrplan dann im Schuljahr 2014/15 in zwei Schritten einzuführen.

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