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Heroin: Todesursache Nummer eins unter den Rauschgiften.

Anti-Drogen-Kampf

Neue Strategie: Mit einem Spray gegen Bayerns Drogenprobleme

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Mit einem Modellprojekt will die CSU-Landtagsfraktion gegen die hohe Zahl der Drogentoten im Freistaat ankämpfen. Künftig sollen Abhängige das Heroin-Gegenmittel Naloxon bekommen können.

München – Mit einem Nasenspray will die CSU-Landtagsfraktion die Zahl der Drogentoten in Bayern senken. 325 Menschen im Freistaat starben im vergangenen Jahr an den Folgen von Drogenkonsum – so viele wie in keinem anderen Bundesland. Auch in diesem Jahr geht der Trend nach oben. Laut Landeskriminalamt waren es bis Mitte Juni 144 Todesopfer, 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Unter den Rauschmitteln gilt Heroin als Todesursache Nummer eins. Mit einem Modellversuch will die CSU-Landtagsfraktion nun gegensteuern.

Zum Jahreswechsel startet ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt zur Anwendung des bundesregierung-und-bka-geben-zahl-der-drogentoten-bekannt-Heroin-Gegenmittels Naloxon. Der Arzneistoff sorgt bei einer Überdosis dafür, dass der Abhängige wieder atmen kann und stoppt die Wirkung der Droge. Bislang durften nur Ärzte Naloxon anwenden. Mit dem Modellversuch soll das Mittel – verbunden mit einer Schulung – auch Drogenabhängigen und deren Angehörigen ausgehändigt werden können – eben jenen, die im Ernstfall nach einem sonst tödlichen „goldenen Schuss“ eingreifen können.

Kosten für das Programm will der Freistaat tragen

„Der Versuch wird wissenschaftlich begleitet“, sagt Bernhard Seidenath, Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises Gesundheit und Pflege im Landtag. Federführend wird das die Universität Regensburg übernehmen. Rund 400 Abhängige in den Städten München, Regensburg, Augsburg und Nürnberg sollen sich für den Versuch anmelden können. Weil das Mittel aus den USA importiert werden muss, kostet ein Nasenspray 200 Euro. Die Kosten des Programms von 330 000 Euro übernimmt der Freistaat.

Als zweiten Schritt will die CSU-Fraktion mehr Ärzte dazu bewegen, die sogenannte Drogensubstitution anzubieten. Bei dieser Therapie werden statt der Droge legale Medikamente als Ersatz verabreicht – mit dem Ziel, in absehbarer Zeit zur Abstinenz zu kommen. Hier sei mit der Novellierung der Betäubungsmittel-Verschreibeordnung Rechtssicherheit geschaffen worden, sagt der CSU-Abgeordnete Klaus Holetschek. Ärzte müssten nun keine Angst mehr um ihre Approbation haben, wenn sie diese Behandlung anbieten. Zudem sei eine repräsentative Befragung unter bayerischen Schülern – unter anderem im Landkreis Weilheim-Schongau – geplant, um die Konsumgewohnheiten der 14- bis 17-Jährigen zu ergründen.

Suchtstellen begrüßen den Schritt

Bei den Suchtstellen kommt der neue Modellversuch gut an. „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Bertram Wehner, Geschäftsführer der Nürnberger Drogenhilfe Mudra. In der Praxis sei Naloxon ohnehin immer wieder angewendet worden. Dass das Mittel bei dem Versuch per Nasenspray und nicht intravenös verabreicht wird, sei gut, denn so setze der Entzug nicht unmittelbar ein. Außerdem sei die Anwendung einfacher, sagt Klaus Fuhrmann von der Münchner Suchtberatung Condrobs.

Wehner wie Fuhrmann betonen aber, dass dieses Modellprojekt nur ein Schritt sein könne. Beide sprechen sich weiterhin für die Errichtung von Drogenkonsumräumen aus. Argumente, wie Fixerstuben würden Erstkonsumenten oder eine Dealerszene anlocken, hätten sich in anderen Bundesländern nicht bestätigt. In sechs Bundesländern gibt es die Stuben bereits. Die Opposition um SPD und Grüne fordert Drogenkonsumräume seit Jahren, die Staatsregierung lehnt sie strikt ab. Doch sogar innerhalb der Christsozialen wurden zuletzt Stimmen laut, die ein Umdenken forderten. So sprach sich Bezirketagschef Josef Mederer für die geschützten Konsumräume aus.

Die Opposition jedenfalls ist sich einig: Solange die CSU auf Kriminalisierung der Betroffenen setze, würden sich diese nur widerstrebend Hilfe suchen. Ulli Leiner (Grüne) ist sich sicher: Die derzeitige Strategie der CSU werde im Kampf gegen die Drogentoten nicht tragen.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Merkur-Redakteur Dominik Göttler: „Strafen allein helfen nicht“

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