Denkbare Ausweichroute: eine Güterzugstrecke Rosenheim-Mühldorf-Regensburg.

Bahn plant die Brenner-Zulaufstrecke

Eine neue Trasse für Güterzüge

Ebersberg - Die Bahn sucht im südostbayerischen Raum nach einer neuen Trasse für den internationalen Güterzugverkehr. Ziel ist es, das Nadelöhr München weiträumig zu umfahren. Ein möglicher Weg führt über den „Knoten Mühldorf“.

2028, vielleicht erst 2030 – irgendwann wird er fertig sein, der fast 60 Kilometer lange Brenner-Basistunnel. Er ist das Scharnier in der Verbindung zwischen den Häfen der Adria und der Nord-/Ostsee. Bis zu 480 Züge sollen durch den Tunnel pro Tag fahren. Auch wenn das hoch gegriffen erscheint, gehen alle Fachleute davon aus, dass der Zugverkehr auch auf den Zulaufstrecken zunehmen wird. Daher plant die Bahn den Bau neuer Gleise zwischen Kiefersfelden und Rosenheim – die Brenner-Zulaufstrecke hat vor Ort viel Unruhe ausgelöst.

Doch auch weiter nördlich sind die Bürger besorgt. Denn die Frage steht im Raum, wie die Züge ab Rosenheim weiter Richtung Norden geführt werden könnten. Der Ebersberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer hat dazu morgen in Zorneding-Pöring ein Fachgespräch organisiert (19 Uhr/Trattoria Limone). Er fordert von der Bahn mehr Informationen. „Der Fernverkehr muss auf die Schiene“, sagt Schurer. „Aber ohne konsequenten Lärmschutz wird das nicht gehen.“ Zudem müsse die Bahn klarstellen, an welche Fahrwege sie denkt – das so genannte Routing. Hier gebe es viele Gerüchte.

Eine Möglichkeit wäre, die bestehende Bahnstrecke über Aßling, Grafing, Kirchseeon, Zorneding und Baldham um zwei weitere Gleise zu ergänzen. Doch es fehlt schlicht der Platz, die Bebauung ist dicht an die bestehende Bahnstrecke herangewachsen. Ein vage angedachter 20 Kilometer lange Tunnel ist gestrichen – zu teuer.

Die Alternative nennt Michael Schmidt, Sprecher der DB für Großprojekte in Bayern. „Wir prüfen, wie die Güterzüge weiterfahren könnten, ohne München zu durchfahren.“ Schmidt wird morgen in Zorneding berichten. Unserer Zeitung sagte er vorab: Der Bahnknoten München sei heute schon überlastet, es mache wohl keine Sinn, hier auch noch Überlandverkehr durchzuschleusen. Nun soll eine Korridorstudie durch die DB Klarheit bringen. Zwei Varianten sind denkbar:

-Die Route Rosenheim-Freilassing, von dort Richtung Nordwest nach Mühldorf. Ab dem Knoten Mühldorf würden die Güterzüge über Landshut und Regensburg weitergeführt und an einen „Ostkorridor“ Hof, Halle/Leipzig, Magdeburg, Uelzen, Hamburg angeschlossen. Der Ausbau des Ostkorridors ist von der Bahn zur Entlastung der bestehenden Nord-Süd-Achse Hamburg-Würzburg für den neuen Bundesverkehrswegeplan angemeldet worden. Matthias Uhlmann vom Kapazitätsmanagement der DB Netz nannte den Korridor in der „Eisenbahntechnischen Rundschau“ eine „attraktive Alternativroute im Güterverkehr“.

-Statt über Freilassing könnten die Züge direkt über die Verbindung Rosenheim-Mühldorf geführt werden. „Auch das prüfen wir in der Korridorstudie“, so Schmidt.

Hemmschuh in allen Fällen ist freilich, dass die Strecken zum Teil nicht elektrifiziert, zum Teil auch nur eingleisig sind. Allein um die Strecke Regensburg-Hof mit ihrer „Elektrifizierungslücke“ von 173 Kilometern flott zu machen, wären 413 Millionen Euro nötig. Generell aber sei ein Ausbau immer billiger als ein Neubau von Gleisen, erklärt Schmidt. Er sicherte dem Landkreis Ebersberg eine großzügige „Lärmsanierung“ zu. „Das ist unsere Botschaft.“ Details zu einzelnen Orten will er am Donnerstag nennen. Obwohl derzeit nur 240 Züge täglich (S-Bahnen eingerechnet) zwischen Grafing und Zorneding fahren, werde der Lärmschutz so gebaut, als wären es täglich 350 Züge.

Dirk Walter

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