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Vorbild Österreich oder Baden-Württemberg? Die Beamten, so heißt es, hoffen, dass ihre Uniformen blau werden. 

Bekanntgabe am Mittwoch

Neue Uniformen:  Bayerns Polizisten werden blau

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    Marcus Mäckler
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München - Blau oder grün, europäisch oder bayerisch-extrawurstig. Am Mittwoch gibt Innenminister Herrmann bekannt, welche Farbe Bayerns Polizisten künftig tragen. Die Beamten, sagt man, hoffen aufs österreichische Blau. Auch sonst ist der Gendarm Vorbild für die neue Uniform.

Als Gustl Bayrhammer, alias Kommissar Veigl, noch im Tatort ermittelte, war alles anders. Da hießen Gangster Ganoven und das Wirtshaus war sowas wie die Außenstelle der Wache. 40 Jahre ist das her, eine Ewigkeit, nur eins ist geblieben: Bayerns Polizisten stecken, als einzige bundesweit, noch immer in den grün-beigen Uniformen von damals – matte Erinnerungen an Veigls Zeiten.

Eine modetechnische Generalüberholung

Aber Änderung ist in Sicht, die Polizei steht modetechnisch vor einer Generalüberholung. Wie es aussieht, werden die musealen Uniformen nach österreichischem Vorbild umgestaltet. Das wird Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nach Informationen unserer Zeitung heute im Innenausschuss des Landtages bekannt geben.

Basis für die Entscheidung ist ein Trageversuch unter 500 Polizisten und 100 Justizbeamten im Freistaat. Acht Monate lang haben sie Uniform-Modelle aus Österreich und Baden-Württemberg probegetragen und auf ihre Tauglichkeit getestet. Über die Farb-Frage, Blau oder Grün-Beige, durften alle 27 500 uniformierten Polizisten in einer Umfrage abstimmen. Das Ergebnis gibt Herrmann heute bekannt – vieles deutet auf das Dunkelblau der Österreicher hin.

Veronika Lochner wäre damit durchaus einverstanden. Wichtiger als die Farbe sind der 28-jährigen Polizistin aus Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) aber Funktionalität und Passform. Lochner durfte die neue Uniform als eine von 500 bayerischen Beamten testen. Am liebsten würde sie sie gar nicht mehr hergeben.

Mehr Tragekomfort

Vor allem die Hosen seien um Welten besser als beim aktuellen Modell. „Man kann sich darin super bewegen“, sagt sie. „Nässe perlt ab, es bleibt warm und man merkt fast nicht, dass man eine Uniform trägt.“ Nichts zwickt oder kratzt mehr. Eine Erlösung, denn bisher waren die Damen kleidungstechnisch klar benachteiligt. Spezielle Frauenuniformen gab es nicht. Grund: Frauen dürfen in Bayern erst seit 1990 in den uniformierten Dienst eintreten – das Design der grün-beigen Kleidung ist aber 18 Jahre älter. Wegen des miesen Tragekomforts hagelte es Beschwerden. Immerhin sind in Bayern 5000 Polizei-Beamte Frauen.

Die hässlichsten Kleidungsstücke überhaupt

Hermann Benker fühlt mit. Gerade die Hosen gehören für den bayerischen Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft zu den „hässlichsten Kleidungsstücken, die man sich überhaupt vorstellen“ könne. „Ich hoffe sehr, dass sich für die Kollegen jetzt bald was ändert“, sagt er. Die Akzeptanz für die neuen Uniform-Modelle sei zwar unterschiedlich: Im Grenzgebiet herrsche Begeisterung, Richtung Franken eher Skepsis. Aber optisch müsse ohnehin noch nachgebessert werden. „Manche haben mit den Jacketts eher wie der Liftboy im Hotel Adlon ausgeschaut.“

Die Münchner Mode-Designerin Susanne Wiebe fühlt sich mehr an „eine Mischung aus Mao und Zirkus-Clown“ erinnert – was so ziemlich aufs Gleiche hinausläuft. Auch die funktionalen Jacken hält sie für unpassend und schlimmer: Die Kombination mit den gestreiften Hosen erscheint ihr „ohne Linie und Wiedererkennungswert“. Insgesamt sei die mögliche neue Uniform aber eine Verbesserung zur jetzigen. „Zeitgemäßer“, sagt Wiebe. Das Dunkelblau sei elegant, wenn auch bei Dunkelheit nur schwer als Polizeiuniform zu erkennen.

Ein bayrischer Feinschliff fehlt noch

Am Feinschliff muss noch gearbeitet werden. Vor allem in Details soll die Uniform bayerischer werden. Fraglich ist zum Beispiel, ob der Stehkragen am Diensthemd bleibt oder einem klassischen Kragen weicht. Die Wiener Designerin Barbara Mungenast, die die österreichische Uniform entworfen hat, ist schon in die Planung einbezogen.

Bis Bayerns Polizisten aber in neuer Uniform zu sehen sind, dauert es noch. Im Sommer diesen Jahres soll der Auftrag vergeben werden, die erste Auslieferung steht frühestens Ende 2016 an. Gut möglich, dass Veronika Lochner bis dahin nochmal ihre alte Uniform herauskramen muss.

von Marcus Mäckler, Til Huber und Mike Schier

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