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Rentner in Bayern

Neue Zahlen zeigen: Vielen Frauen droht Altersarmut

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München - 123.000 Bayern sind im vergangenen Jahr altersbedingt in Rente gegangen. Aktuelle Zahlen zeigen: Die Hälfte von ihnen bekommt weniger als 800 Euro im Monat. Besonders benachteiligt sind Frauen.

Seit kurzem geht Katharina Martin, 68, zur Tafel. Das hat ihr eine Freundin empfohlen und Martin hielt es gleich für eine gute Sache. Sie spart auch auf andere Weise, kocht möglichst günstig, kauft T-Shirts für 2,99 Euro und geht nur sehr selten mal einen Kaffee trinken. „Es darf aber nichts kaputt gehen“, sagt sie. Denn auf die Seite legen kann sie nichts.

Martin lebt in Fürstenfeldbruck und heißt eigentlich anders. Aber in einem Artikel über Altersarmut möchte sie lieber nicht mit richtigem Namen auftauchen. Sie fühlt sich auch nicht wirklich arm. „Ich zähle mich immer noch zum Mittelstand“, sagt sie. Mit einer gesetzlichen Rente von 969 Euro liegt sie allerdings deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle, die in Bayern bei 1025 Euro liegt. Martin ist stolz und genügsam, aber sie glaubt trotzdem, dass in der Rentenfrage irgend etwas schief läuft.

Frau, Rentnerin, arm – das ist auch in Bayern keine untypische Kombination, wie aktuelle Zahlen zeigen. Von den 122 728 Männern und Frauen, die 2015 altersbedingt in Rente gingen, bekommen gut 63 000 weniger als das Grundsicherungsniveau von 800 Euro im Monat. Der Großteil davon, nämlich gut 45 000, sind Frauen, die restlichen 18 000 Männer. In Oberbayern spiegelt sich dieses Verhältnis mit 14 000 Frauen und 6500 Männern in etwa wider.

„Die Zahlen offenbaren ein erschreckendes Maß an Geschlechterungerechtigkeit“, sagt die Germeringer Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer (Grüne). Sie hat die Zahlen von der Bundesregierung angefordert. Frauen, sagt sie, müssten ihre Berufstätigkeit häufiger unterbrechen, um Kinder zu erziehen oder Angehörige zu pflegen. Diese Lücken führten dazu, dass Frauen im Alter kaum genug Geld zum Leben bleibt.

Die Zahlen, die sie liefert, haben allerdings einen Haken, wie die Bundesregierung in ihrer Antwort betont: Sie berücksichtigen „weder weitere Alterseinkommen noch den Kontext des Gesamthaushalts“, in dem die Rentnerinnen leben. In vielen Haushalten gibt es eben zwei Renten, die in der Summe reichen.

Bis 2010 war das auch bei Katharina Martin so. Aber damals starb plötzlich ihr Partner und mit einem Mal fiel die höhere Rente weg. Die beiden waren nicht verheiratet, darum hat sie auch keinen Anspruch auf Witwenrente. Sie dachte auch schon daran, sich mit einem Minijob etwas dazuzuverdienen. Sie hatte Vorstellungsgespräche, ging aber stets leer aus. „Die haben lieber 20-Jährige genommen.“

Bei der Vorstellung seines Rentenreports warnte auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vor kurzem vor der steigenden Gefahr von Altersarmut, vor allem bei Frauen. Danach bekommen Männer, die 2015 im Freistaat in Rente gegangen sind, durchschnittlich 1049 Euro Rente pro Monat, Frauen 616 Euro – und damit 40 Prozent weniger. Der DGB gab sogar an, dass mehr als die Hälfte der Frauen mit weniger als 600 Euro im Monat leben müssen.

Katharina Martin hat kürzlich einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geschrieben, in dem steht, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen könne. Mit dieser Meinung ist sie nicht alleine. Beate Walter-Rosenheimer fordert etwa eine Garantierente von 850 Euro im Monat für jeden, der 30 Versicherungsjahre vorweisen kann. Der Sozialverband VdK möchte, genau wie der DGB, ans Rentenniveau ran. Das müsse stabil gehalten und langfristig auf 50 Prozent angehoben werden, sagte eine VdK-Sprecherin. „Man kann das tun, ohne gleich wieder auf den Versicherungsbeitrag zu schauen.“ Ihr Verband will bald Vorschläge machen, wie das zu bewerkstelligen ist.

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