Neuer Ansatz gegen Angstattacken

München/Washington - Ein Münchner Forscherteam hat einen neuen Weg gefunden, Angst- und Panikattacken zu bekämpfen.

Der Clou dabei: die Substanzen sollen keine Nebenwirkungen haben. "Bisher gibt es zwei Wege, Angst beim Menschen zu bekämpfen", sagte am Donnerstag Rainer Rupprecht vom Max-Planck Institut für Psychiatrie in München.

Früher hätten Ärzte bei Angstzuständen Beruhigungsmittel verschrieben, diese aber führten bei Patienten zu dauerhafter Müdigkeit und machten außerdem schnell abhängig.

"Erste Wahl sind daher inzwischen die Antidepressiva", so Rupprecht weiter. Deren Wirkung aber trete erst nach Wochen und Monaten ein.

Die neuen Medikamente hingegen wirkten rasch und ohne Nebenwirkungen: "Darauf zielt unsere ganze Entwicklung." Sie berichten darüber im US-Fachjournal "Science" (online vorab).

Nach Angaben des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, an dem Rupprecht und sein Team forschen, entwickelt jeder siebte Bundesbürger eine Angsterkrankung, die therapiert werden muss. Im Versuch mit Laborratten sei die neue Substanz XBD173 erfolgreich gewesen. Um die Wirkung ihrer neuen Therapie an Menschen zu testen, wichen die Forscher erstmals vom bewährten Mechanismus ab. Statt das Mittel Angstpatienten zu geben, täuschten die Mediziner bei gesunden Probanden künstliche Angstzustände vor. Diese wurden dann mit Hilfe von XBD173 gelindert, ohne dass nach ersten Erkenntnissen dabei die üblichen Nebenwirkungen auftraten.

Rupprecht betonte, dass die Pharmaindustrie die Entwicklung zwar unterstütze, "bis zur Marktreife wird es aber noch Jahre dauern." Die Anti-Panik-Substanz moduliert über mehrere Zwischenschritte den menschlichen GABA-A-Rezeptor, der an Nervenzellen sitzt. Das hemme das Weiterleiten bestimmter Nervensignale und habe eine angstlösende Wirkung. Der Rezeptor kommt in großer Zahl im menschlichen Gehirn und Rückenmark vor. Im Zwischenhirn wirkt der Rezeptor zur Einleitung und Aufrechterhaltung des Schlafs. Hier setzen die bisher verwendeten Beruhigungsmittel an.

dpa

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