Versorgungsengpässe im ländlichen Raum

Neuer Bereitschaftsdienst soll Ärzte locken

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Mit einer Praxis übernimmt ein Arzt Verpflichtungen, die viele abschrecken. Um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, setzt die Kassenärztliche Vereinigung auf Entlastung beim Bereitschaftsdienst – und zieht nun eine positive Zwischenbilanz.

München – Den Teufel will Pedro Schmelz nicht an die Wand malen. „Wir haben in Bayern noch eine gute ambulante Versorgung“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB). Dennoch, in einigen Regionen, gebe es „punktuelle Engpässe“. So sind zwölf Planungsbereiche mit Hausärzten unterversorgt oder davon bedroht. In Oberbayern sind Ingolstadt Süd und Moosburg an der Isar (Kreis Freising) betroffen. An Fachärzten mangelt es zudem in sieben Planungsbereichen.

Um dieses Problem anzugehen, seien in die betroffenen Gebiete bereits knapp sechs Millionen Euro aus dem Strukturfonds geflossen, in den die KVB und die Krankenkassen einzahlen. Zudem will der Gesetzgeber die Bedarfsplanung überarbeiten lassen, die festlegt, wie viele Ärzte sich in welchen Regionen niederlassen dürfen. Laut Schmelz eine dringend notwendige Maßnahme.

Von großer Bedeutung im Kampf gegen Versorgungsengpässe sei aber auch die laufende Weiterentwicklung des Bereitschaftsdienstes. „Ein dickes Brett“, nennt KVB-Chef Wolfgang Krombholz die Umsetzung. „Wir sind dabei, den Bereitschaftsdienst in Bayern auf ein völlig neues Fundament zu stellen.“

Der Plan: Die KVB will ärztlichen Nachwuchs gewinnen, besonders für Praxen im ländlichen Raum. Doch in Extremfällen seien für Ärzte in der Vergangenheit teils viele hundert Stunden jährlich an Bereitschaftsdienst angefallen. Eine belastende Verpflichtung, die Mediziner oft davon abhalte, sich niederzulassen. Bisher. Denn künftig, so Schmelz, werde man sich bei einer jährlichen Belastung von 70 bis 80 Stunden einpendeln.

Erreicht werden soll das mithilfe von „Poolärzten“. Das sind nicht niedergelassene Vertragsärzte, die Bereitschaftsdienste freiwillig übernehmen. In den Pilotregionen, in denen sie bereits zum Einsatz kommen, leisten sie laut KVB bereits 39 Prozent der Dienststunden.

Zudem sollen in ganz Bayern weitere zentral gelegene Bereitschaftspraxen eingerichtet werden. Im Laufe des nächsten Jahres will die KVB die Zahl der Bereitschaftspraxen um 29 auf dann rund 110 erhöhen. Ende 2018 sollen dann 99,3 Prozent der Bayern eine solche Praxis innerhalb von 25 Minuten erreichen können, kündigt Krombholz an. Die Praxen liegen in der Regel an Krankenhäusern. Mit ihnen soll auch Druck von den oft überlasteten Notaufnahmen genommen werden. Kritik von Kommunalpolitikern, die lange Anfahrtszeiten fürchten, kontert die KVB mit einer Umfrage. In zehn Bereitschaftspraxen habe man über 600 Menschen befragt. Rund 90 Prozent seien zufrieden gewesen mit Behandlung und Erreichbarkeit.

Sind im Bereitschaftsdienst dennoch Hausbesuche nötig, sollen Ärzte künftig auch dabei unterstützt werden. „Wir wissen, dass es insbesondere für unsere weiblichen Kollegen nicht immer angenehm ist, sich nachts zu einem unbekannten Patienten allein auf den Weg zu machen“, sagt Krombholz. Deshalb soll den Ärzten ein begleitender Fahrdienst zur Seite stehen, nicht nur auf der Straße: Die Fahrer, die die Ärzte begleiten, „haben alle eine medizinische Grundausbildung und können dem Arzt beim Patienten notfalls auch assistieren“, sagt Krombholz. Auch das soll 2018 in ganz Bayern umgesetzt werden.

Einheitliche Telefonnummer: 116117

116117 ist die bundesweit einheitliche und kostenfreie Telefonnummer des Bereitschaftsdienstes.

Rubriklistenbild: © dpa

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