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Axel Sondermann (45), verheiratet, vier Kinder, ist seit kurzem neuer Chef der Bayerischen Oberlandbahn. Er löst Heino Seeger ab. Sondermann wohnt (noch) in Berlin, er kommt von Veolia Verkehr Süd-West. Neben der BOB soll er auch das E-Netz Rosenheim („Meridian“) zum Laufen bringen.

Neuer BOB-Chef im Interview

Warum musste Heino Seeger gehen?

München - Im Merkur-Interview spricht der neue Chef der Bayerischen Oberlandbahn, Axel Sondermann, über den Führungswechsel und seine Ziele.

Die Überraschung war groß, als vor gut eineinhalb Wochen der langjährige Chef der Bayerischen Oberlandbahn, Heino Seeger (58), abgelöst wurde. Über die Gründe wird viel gerätselt. Im Interview nimmt Seegers Nachfolger Axel Sondermann (45) auch dazu Stellung.

Sind Sie schon BOB gefahren?

Ja natürlich. Ich spreche so oft es geht mit unseren Mitarbeitern vor Ort. Das ist ja das Beste, um ein Gespür für den Betrieb zu bekommen. Nicht indem man Statistiken anschaut. Ich bin sehr herzlich empfangen worden. Ich spüre natürlich, dass eine hohe Verbundenheit mit Heino Seeger bestand und besteht. Dafür habe ich vollstes Verständnis. Gleichwohl wissen alle, wir müssen nach vorne blicken. Jeder weiß, dass die Entscheidung nicht rückgängig gemacht werden wird.

Sie sprechen es selbst an. Die Ablösung des bisherigen BOB-Chefs hat viele erstaunt, ja entsetzt. Es heißt, Herr Seeger sei zu kundenorientiert gewesen und habe zu wenig auf die Gewinne geachtet.

An der Kundenorientierung werden wir bestimmt nichts ändern. Und die BOB ist ein wirtschaftliches Unternehmen, sie steckt nicht in den roten Zahlen.

Was war denn nun der Grund für die Ablösung von Herrn Seeger?

Dazu kann ich Sie nur auf die Pressemitteilung verweisen.

Die ja in sich widersprüchlich ist. Einerseits ist von gesundheitlichen Gründen die Rede. Andererseits heißt es, Heino Seeger werde sich bei der BOB neuen Aufgaben zuwenden.

Zum letzteren kann ich folgendes sagen: Es herrscht Einvernehmen mit Herrn Seeger, dass er uns in einer beratenden Rolle erhalten bleibt. Ich persönlich würde mich darüber sehr freuen. Herr Seeger prüft derzeit den damit verbundenen Arbeitsaufwand. Wir kennen uns seit sieben Jahren. Herr Seeger ist hier verwurzelt, die Kontakte, die er hat, kann ich noch gar nicht haben.

So sieht der modernste Zug der Welt aus

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Sie waren in die Entscheidung nicht eingebunden?

Nein. Vor zwölf Tagen bin ich von der Geschäftsführung angesprochen worden. Das ging alles sehr schnell. Zu den Gesprächen zwischen Herrn Seeger und der Geschäftsführung von Veolia Verkehr Deutschland kann ich nichts sagen. Ich weiß aber, was hier ansteht. Insbesondere die Übernahme des E-Netzes Rosenheim. Das ist das größte Projekt, das unsere Verkehrssparte je gemacht hat. Ich kann und will nicht den Eisenbahner Heino Seeger ersetzen. Aber ich kann Erfahrung bei der Steuerung großer Projekte einbringen.

Was ist Ihr Ziel?

Ich komme in die beste Situation, die man sich denken kann. Ich soll nicht einsparen, sondern aufbauen. Es ist kein Strategiewechsel geplant. Natürlich müssen wir wirtschaftlich sein. Wir haben die BOB-Ausschreibung gewonnen, ab Dezember 2013 wird es ein unter dem Strich besseres Angebot für die Fahrgäste mit mehr Verbindungen geben.

Dafür benötigen Sie weitere Fahrzeuge.

Ja. Wir werden in der ersten Erweiterungsstufe drei weitere Talent-Fahrzeuge aus dem Konzern beschaffen. Sie bekommen ein BOB-Design und erhalten zum Beispiel Anzeigen mit Echtzeit-Fahrgastinformationen. Wir haben 15 000 Fahrgäste täglich und wollen das Fahrgastaufkommen weiter steigern.

Die Übernahme des Streckennetzes nach Rosenheim und Salzburg ist Ihre größte Herausforderung?

Ja. In einem Jahr ist es soweit. Vieles läuft im Plan. Beim Bau der Werkstatt im Münchner Südosten auf dem Gelände des Trambahn-Depots sind wir im engem Dialog mit den Anwohnern. Es wäre ein hervorragender Standort. Wir nehmen die Sorgen sehr ernst und gehen auf die Anwohner offensiv zu. Zum Beispiel gibt es einen Nachbarschaftsvertrag, in dem alle Fakten aufgelistet sind. Wir haben die Anwohner eingeladen, die BOB-Werkstatt in Lenggries zu besichtigen. Die FLIRT-Züge fahren aber mit Strom, sind also leiser als die BOB-Züge.

Münchens schönste U-Bahnhöfe

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Wird die Werkstatt in München 2013 fertig?

Leider nein. Es wird, so die Planung, für ein Jahr eine Übergangswerkstatt in Freilassing geben. Es wird dazu ein Zelt aufgebaut, das ist relativ aufwendig.

Werden Sie genügend Personal bekommen?

Wir haben dem bisher bei DB Regio auf den Rosenheimer Strecken beschäftigten Personal Angebote gemacht. Die Türen stehen ganz weit offen. Es gehen erstaunlich viele Bewerbungen ein. Wir benötigen ungefähr 80 Triebfahrzeugführer und 70 Kundenbetreuer.

Kommen die Züge rechtzeitig?

Wir haben 35 Fahrzeuge des Typs FLIRT des Schweizer Herstellers Stadler bestellt. Wir gehen davon aus, dass alle Züge rechtzeitig einsatzbereit sein werden. Das ist unser Ziel. Wir wissen aber alle, wie kompliziert derzeit Zulassungsverfahren sind. Jedes Eisenbahnunternehmen muss daher Ersatzkonzepte haben.

Wie sähe das aus?

Eventuell müssten andere Unternehmen eine zeitlang fahren oder Fahrzeuge ausgeliehen werden.

Herr Sondermann, es ist tiefster Winter. Ihre Leute müssen viel aushalten.

Das stimmt. Das ist schon manchmal ein Spießrutenlauf, wenn die Fahrgäste wegen Verspätungen verärgert sind. Jüngst sprach ich mit einer Kundenbetreuerin, sie war früher Zahnarzthelferin und ist jetzt zur Eisenbahnerin mit Herz gewählt worden. Unsere Leute steigen im Zweifelsfall auch mal mit dem Gummihammer ins Gleis und hacken die Leitung frei. Das zeigen Sie mir einmal anderswo, diese ungeheure Einsatzbereitschaft, die nicht selbstverständlich ist.

Interview: Dirk Walter und Stephen Hank

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