Ein Zug in Frontalansicht.
+
Der „Astoro“ ist eine Art Schweizer ICE. Er fährt künftig auf der Strecke zwischen München und Zürich.

Zugverbindung in die Schweiz

Neue Eurocity-Express: Verpatzte Premierenfahrt des „Astoro“

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
    schließen

Die Premierenfahrt des „Astoro“ stellte die Fahrgäste direkt auf eine Belastungsprobe. Wegen einer falsch gestellten Weiche bei Lindau ist der neue Eurocity-Express auf seiner ersten Fahrt von Zürich nach München beschädigt worden. Er musste abgeschleppt werden – und 100 Reisende mussten Geduld beweisen. 

  • Ab sofort gibt es eine neue Eurocity-Express-Verbindung in die Schweiz: Auf der Strecke zwischen München und Zürich fährt künftig der „Astoro“ der Schweizerischen Bundesbahn.
  • Doch die Premierenfahrt nach München ist missglückt: Wegen einer falsch gestellten Weiche wurde der Zug beschädigt und musste abgeschleppt werden.
  • Die Fahrgäste erreichten den Münchner Hauptbahnhof erst mit drei Stunden Verspätung und Zugverkehr in die Schweiz war unterbrochen.

München – Verpatzte Premiere bei der neuen Eurocity-Express-Verbindung in die Schweiz: Wegen einer falsch gestellten Weiche im Bahnhof Hergatz, Landkreis Lindau, wurde der „Astoro“ der Schweizerischen Bundesbahn (SBB) beschädigt und musste abgeschleppt werden. Rund 100 Reisende erreichten den Münchner Hauptbahnhof nach mehrmaligem Umsteigen in Regionalzüge mit drei Stunden Verspätung, der Zugverkehr in die Schweiz war gestern bis zum späten Nachmittag unterbrochen.

Jahrzehntelang ging auf der Strecke in die Schweiz ohne Dieselantrieb nichts. Das sollte sich mit der Elekrifizierung der Strecke München–Memmingen–Lindau mit dem Fahrplanwechsel ändern. Die Fahrgäste des allersten Zuges, der Zürich gestern um 7.03 Uhr Richtung München verließ, mussten feststellen, dass ohne Elektroantrieb aber auch nichts geht. Der Schweizer Paradezug – wegen seiner langen Nase auch Pinocchio genannt – blieb wegen der fehlenden elektrischen Oberleitung im Bahnhof Hergatz, 15 Kilometer nordwestlich von Lindau liegen. Der Fahrdienstleiter des Bahnhofs war mit dem neuen, seit gestern geltenden Fahrplan noch nicht vertraut und leitete den Schweizer Eurocity routinemäßig wie in den vergangenen zwei Jahren auf die Strecke nach Kempten. Für rund 500 Millionen aufwändig saniert und vor allem elektrifiziert wurde aber nur die eingleisige Strecke über Memmingen. Als die beiden österreichischen Lokführer die falsch gestellte Weiche erkannten, versuchten sie noch, den Stromabnehmer zu senken. Ein Schaden an diesem wie auch an der Oberleitung war aber dennoch nicht mehr zu verhindern. „Glücklicherweise konnten die Lokführer die SBB-Zugkomposition ausrollen lassen und brachten sie erst im Bahnhof zum stehen“, sagte ein Bahnsprecher. Dort konnten die Fahrgäste am Bahnsteig aussteigen und mussten nicht auf freier Strecke evakuiert werden.

Beidseitige Sperrung der Strecke nach Lindau

Wegen der beschädigten Oberleitung wurde die Strecke nach Lindau beidseitig gesperrt, die Eurocitys aus der Schweiz endeten im neuen Bahnhof Lindau-Reutin, die aus München bereits in Memmingen. Der Turmtriebwagen aus Augsburg wurde angefordert, um den kaputten Stromabnehmer zu entfernen, eine Diesellok kam aus Kempten, um den Zug nach Bregenz, Österreich abzuschleppen. „Von dort sollte er aus eigner Kraft mit einem anderen Stromabnehmer in die Schweiz zurückkehren können“, sagte der Bahnsprecher weiter. Reibungslos verlief dagegen die erste Fahrt des „Astoro“ in anderer Richtung von München nach Zürich.

Der Zug fährt künftig mit bis zu 160 km/h (statt wie bisher die beiden Dieselloks mit 140 km/h). Darüber hinaus ermöglicht die neue Neigetechnik deutlich höhere Geschwindigkeiten in den Kurven. Die Fahrzeit München–Lindau verkürzt sich damit um über eine halbe Stunde auf knapp zwei Stunden.

Begleitet wurde die Premierenfahrt von zahlreichen Bahnmitarbeitern, die ihre Arbeit an der neuen Strecke als Lebenswerk bezeichneten. Das Zugpersonal hatte ein großes Schild lackieren lassen, auf dem der Traktionswechsel von Diesel zu elektrisch auf der Allgäubahn festgehalten wurde und posierte damit vor der Zugabfahrt. Der von Alstrom in Italien als Cisalpino gebaute Astoro-Zug bleibt aber mindestens noch ein weiteres Jahr die einzige elektrische Verbindung. Die Dieselloks und -triebzüge der Deutschen Bahn stellen weiterhin den Zugverkehr im Allgäu.

Kommentare