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Für die Betreuung von Patienten, die gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurden, bekommen Hausärzte künftig mehr Geld. Dies sieht ein neuer Vertrag mit den Betriebskrankenkassen in Bayern vor

Mehr Geld für Bayerns Hausärzte

München - Mehr als ein Jahr haben Bayerns Hausärzte und die Betriebskrankenkassen verhandelt. Anfang April startet der neue Vertrag. Beide Seiten sehen sich als Gewinner.

Dieter Geis ist erleichtert. „Der neue Vertrag ist ein Meilenstein“, sagt Geis bei der Vorstellung des Abschlusses in München. Man spürt, wie beim Vorsitzenden des bayerischen Hausärzteverbandes die Anspannung langsam nachlässt. Seit Herbst steht Geis massiv unter Druck. Immer mehr Mitglieder kritisierten den Vertrag mit der Techniker Krankenkasse (TK), den Geis als großen Erfolg verkauft hatte. Aus Protest trat Mitte Dezember sogar Wolfgang Hoppenthaller, über Jahre Vorkämpfer für Bayerns Hausärzte, aus dem Verband aus. Ob der neue Abschluss lukrativer sei als der TK-Vertrag – darauf will sich Geis nicht festlegen. Allein die Einigung mit den Betriebskrankenkassen ist für ihn allerdings ein Erfolg.

Rückblick: Nach dem gescheiterten Ausstieg der Hausärzte aus dem Kassensystem lud Anfang 2011 der damalige Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) Mediziner und Krankenkassen in den Landtag, um den Konflikt zu beenden. Beide Seiten versprachen, rasch Verhandlungen aufzunehmen. Mit unterschiedlichem Erfolg: Als eine der ersten Versicherungen schloss die Techniker Krankenkasse Anfang Juli einen neuen Vertrag ab. Die AOK Bayern und die Ersatzkassen – dazu gehören etwa Barmer und DAK – konnten sich dagegen mit den Hausärzten nicht einigen. Derzeit läuft ein Schiedsverfahren.

Mit dem Abschluss gehen Hausärzte und Betriebskrankenkassen neue Wege. Statt ausschließlich feste Pauschalen gibt es auch wieder Geld für einzelne Leistungen. „Das schafft Transparenz“, sagt Horst Killer, Verhandlungsführer der BKK Vertragsgemeinschaft. Bisher bekamen die Mediziner für eingeschriebene Versicherte teils auch Geld, obwohl die Patienten nicht beim Arzt waren. „Es gibt keine kontaktunabhängigen Pauschalen mehr“, betont Killer.

Doch auch die Hausärzte profitieren von der Neuregelung. So werden Hausbesuche deutlich besser bezahlt. Künftig gibt es für jeden Besuch 30 Euro plus Fahrtkosten. Bisher waren es lediglich 17 Euro. Auch für die Betreuung von Versicherten, die gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurden, zahlen die Kassen extra. Hinzu kommen Zuschläge für Patienten, die gleich unter mehreren Krankheiten leiden – also etwa Diabetes und Bluthochdruck.

Und was ändert sich für die Versicherten? Durch die neue Honorar-Verteilung könnten sich die Allgemeinmediziner wieder stärker um die Versorgung der chronisch Kranken kümmern, betont Hausärzte-Chef Geis. Da die Kassen auch wieder mehr Geld für Vorsorgeuntersuchungen bereitstellen, werde auch die Prävention gestärkt. Alle teilnehmenden Ärzte müssen einmal pro Woche eine Abendsprechstunde bis 20 Uhr anbieten. Die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal ist allerdings weiterhin zu bezahlen.

Rund 250 000 BKK-Versicherte in Bayern sind bereits im Hausarzt-Vertrag eingeschrieben. Für sie ändert sich nichts. Denn der neue Vertrag – er gilt ab 1. April – knüpft nahtlos an die seit einem Jahr geltende Übergangslösung an. Alle anderen Versicherten können sich nach Rücksprache mit ihrem Hausarzt ab Anfang April neu einschreiben. Der neue Vertrag steht rund zwei Millionen BKK-Versicherten in Bayern offen. Geis betonte jedoch, dass auch nicht eingeschriebene Patienten weiterhin gleichermaßen behandelt werden.

Im Gegensatz zur bisherigen Vergütung enthält der neue Vertrag keine Deckelung. Sigrid König, Chefin des BKK Landesverbandes Bayern, befürchtet dennoch keine Kostenexplosion für die Kassen. So erhoffe sie sich von der Stärkung der Prävention auch Einspareffekte.

Mehrfach betonen Kassen und Hausärzte die neue vertrauensvolle Zusammenarbeit. Allzu groß scheint das Vertrauen aber noch nicht zu sein. Bereits nach einem Jahr wird der Vertrag überprüft – und notfalls nachgebessert.

Von Steffen Habit

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