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„Wir machen es den Tätern noch viel schwerer, unentdeckt zu bleiben“: Innenminister Joachim Herrmann präsentiert einen Live-Scanner, der über das Programm „ED-Di“ mit einer riesigen Spuren-Datenbank verbunden ist.

Mit neuer Technologie auf Verbrecherjagd

München - Die Polizei in Bayern kommt Tätern künftig einfacher auf die Spur. Mit neuen Computerprogrammen werden Verdächtige schneller und umfassender registriert – und der Abgleich mit einer riesigen Datenbank ist in wenigen Minuten abgeschlossen.

Polizeiarbeit ist eine schmutzige Angelegenheit. Aus einer verpappten, weißen Tube quillt ein Klecks pechiger Druckerschwärze. Der Beamte wälzt den Dreck mit einer Rolle hauchdünn aus, dann nimmt er den bösen Buben an die Hand. Finger für Finger muss der Tatverdächtige in das klebrige Schwarz drücken – daneben liegt ein weißes Papier, auf das der Fingerabdruck übertragen wird. Klingt wie eine Szene aus einem Schwarz-Weiß-Krimi? So wird in vielen kleinen Polizeiinspektionen noch gearbeitet. Doch da tut sich einiges.

Die Experten der bayerischen Polizei und des Landeskriminalamts arbeiten ständig daran, die Technologie des Erkennungsdiensts zu verbessern. Gestern präsentierte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) einige Neuerungen – und spielte Versuchsverbrecher.

Der Minister steht vor „ED-Di“. Das ist ein weißer Kasten mit schwarzem Breitbildschirm und Kamera, heißt ausgeschrieben „Erkennungsdienst Digital“ und ist eine der Erfindungen, die Verbrecherjagd präziser und schneller machen. Zuerst das Foto. Herrmann lächelt in die Kamera, automatisch wird er fotografiert. Dann der Fingerabdruck: Herrmann legt seinen Zeigefinger auf ein leuchtendes Feld, er wird gescannt. Jetzt öffnet sich eine Art digitale Dateikarte auf dem Bildschirm. Stünde der Minister unter Tatverdacht, würde ein Beamter zig Informationen über ihn eintragen. Augenfarbe, Sprache, Tätowierungen, Daten vom Ausweis zum Beispiel. Für die Präsentation wurde das Minister-Profil schon mal angelegt: „Statur kräftig“, liest der 1,90-Meter-Herrmann vor. Und lacht. Gewicht 95 Kilo. „Untertrieben.“

Verbrecher dürften „ED-Di“ weniger lustig finden. Denn das System erfasst seit seiner Einführung im Juli alle Personendaten, einen qualitativ hochwertigen Fingerabdruck, Handabdruck und Fotos gebündelt. Früher waren dazu verschiedene Systeme notwendig, die zudem nicht zusammenpassten. Der Abgleich war deshalb recht aufwändig und bürokratisch. Jetzt wird eine fertige digitale Karteikarte innerhalb von wenigen Minuten an die Datenbank des Bundeskriminalamts übermittelt. Dort liegen Infos zu 3,2 Millionen Personen – die Chance, bei einem Abgleich einen Treffer zu erzielen, wird immer größer. In Bayern wurden im vergangenen Jahr mehr als 42 000 sogenannte erkennungsdienstliche Behandlungen durchgeführt, 750 der stationären oder mobilen Finger-Scan-Geräte sind bereits im Einsatz – es sollen noch mehr werden.

Eine der wichtigsten Grundlagen der Ermittlerarbeit ist und bleibt der Fingerabdruck. Sein Beweiswert ist außerordentlich hoch. Deshalb wird auch die Technologie, mit der die Daktyloskopen arbeiten, verbessert. Früher ruinierten sich die Fingerabdruck-Experten ihre Augen mit Lupe und Zählnadel. Heute bekommen sie aus den Scannern hochwertige Spuren, die sie am Computer vergrößern oder bearbeiten können. Passt die Spur nicht zu dem aktuellen Fall, werden alte Verbrechen abgefragt: 1650 solcher Altfälle wurden bislang in Bayern überprüft – 71 mal war ein Treffer dabei.

Von Carina Lechner

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