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Auf der Stammstrecke kommt es häufig zu Störungen. 

 Aber Vorfahrt für die zweite Stammstrecke

Neues 4-Phasen-Programm für Nahverkehrsausbau

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S4-Ausbau, Verlängerung der S7, eine neue U9 quer durch München – die Wunschliste der Landkreise und der Stadt München zum Ausbau des Nahverkehrs ist lang, aber unfinanzierbar. Außerdem hat die Stammstrecke Vorrang.

München - Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) will die ins Kraut schießenden Vorstellungen jetzt sammeln und neu bündeln. Er werde in den kommenden Wochen mit Landräten der S-Bahn-Region sowie mit Münchens OB Dieter Reiter (SPD) sprechen und „eine neue und klare Strukturierung des Bahnausbaus in der Region München“ herbeiführen, sagte Herrmann im Landtag. Das bisherige Bahnknoten-Konzept sei „veraltet“. Der Minister sprach von einem neuen „4-Phasen-Programm“. Welche Projekte darin enthalten sein könnten und welche nicht, wollte er nicht sagen.

Die Korrektur ist notwendig, weil der teurer gewordene Bau der zweiten S-Bahn-Röhre – Spatenstich ist am 5. April – alle bisherigen Vorstellungen über den Haufen geworfen hat. Noch 2014 hatte die Staatsregierung von einem 13-Punkte-Sofortprogramm gesprochen, das parallel zum Tunnelbau verwirklicht werden sollte. Weil die Röhre aber – Stand gestern – bis zu 3,849 Milliarden Euro teuer wird, ist dieses Sofortprogramm geschrumpft. Herrmann sprach im Landtag von nunmehr sieben (schon länger bekannten) kleineren Maßnahmen, beispielsweise Wendegleisen in Weßling oder eine Erhöhung der Fahrtgeschwindigkeit von 120 auf 140 km/h auf der S8-Flughafenstrecke.

Einige größere Vorhaben werden indes nun ausgeklammert, zum Beispiel die Verlängerung der S7 von Wolfratshausen bis Geretsried sowie der Ausbau des Südrings in München mit einem Halt an der Poccistraße. 2014 hieß es noch, dies solle wie auch zum Beispiel der Erdinger Ringschluss „noch vor der 2. Stammstrecke realisiert werden“. Davon war gestern nicht mehr die Rede. Realistische Zeitangaben zu diesen Projekten liegen derzeit nicht vor, abgesagt sind sie aber auch nicht.

Herrmann verteidigte die zweite Röhre erneut als wichtig und notwendig. Es sei auch richtig, dass der Freistaat die Mittel des Bundes zu einem guten Teil vorfinanziere. Dieser Meinung sei fast jeder. „Ich bin froh über den breiten Konsens zwischen CSU und SPD.“ Das hinderte Grüne und Freie Wähler nicht daran, Herrmanns Auftritt zur Generalabrechnung mit der von ihnen ungeliebten zweiten Stammstrecke zu nutzen. Thorsten Glauber (Freie Wähler) bezweifelte, dass die von Herrmann genannte Maximalsumme von 3,849 Milliarden Euro als Obergrenze eingehalten werden könne. Die zweite S-Bahn-Röhre werde andere Projekte „kannibalisieren“, so etwa den Ausbau der S4 im Westen.

Markus Ganserer (Grüne) sprach von einem „Riesen-Prestigeprojekt“. Herrmann verschweige „bittere Wahrheiten“, etwa dass die zweite Stammstrecke nicht zu Verbesserungen, sondern zu Verschlechterungen führe – etwa weil der S-Bahn-Takt am Abend auf 30 Minuten ausgedünnt werde. Diese Befürchtung gebe es bei der S3 und der S4 im West-Ast. Herrmann ging auf diese Details nicht ein. Zu den Grünen gewandt bemerkte er lediglich: Die Partei sei in der Theorie immer für den Ausbau der Schiene – „aber immer, wenn’s konkret wird, sind die Grünen dagegen“. 

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