+
Ein neues Amok-Konzept der Polizei habe sich in Ansbach bewährt, so Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Gespräch mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann

Neues Amok-Konzept: Nicht warten - handeln!

München - Bei der schnellen Überwältigung des Amokläufers von Ansbach ist die Polizei nach Angaben von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nach einem neuen Konzept vorgegangen.

Zum Thema:

Georg R.: In den Kalender schrieb er „Apocalypse today“

Die Zahl der Opfer hat sich auf zehn erhöht

Früher habe es die Auffassung gegeben, “bei Amokläufen zunächst das Schulgelände abzusichern und zu warten, bis ein Sondereinsatzkommando eintrifft“, sagte Herrmann.

 Weil sich aber gezeigt habe, dass Amokläufer versuchen, immer mehr Opfer zu finden, habe man die Taktik geändert und schnellst “möglich versucht, die Amoklage zu beenden.“ Die neue Konzeption habe sich “hervorragend bewährt“. “Die ersten Beamten, die eintreffen, gehen sofort rein und warten nicht, bis zehn andere da sind. Das ist für die Beamten mit einem erheblichen Risiko verbunden“, erläuterte Herrmann.

Bilder: Ansbach am Tag nach dem Amoklauf

Ansbach: Der Tag nach dem Amoklauf

In Ansbach sei der Dienstgruppenleiter nach dem Notruf mit einer Kollegin zur Schule aufgebrochen, wo sie die Verletzten und die blutüberströmten Kinder sahen. “Weil es zwei, drei Minuten gedauert hätte, bis die nächsten Kollegen eingetroffen wären, sind sie sofort in die Schule gegangen“, sagte Herrmann.

Lesen Sie dazu:

Amokläufer war ein „ganz normales Kind“
Aktionsbündnis von Winnenden will Konsequenzen aus der Bluttat

Klinik: Opfer des Amoklaufs außer Lebensgefahr

Georg R.: In seinem Zimmer lag das Testament

Polizei fordert Schul-Frühwarnsystem

Mädchen nach Amoklauf in Lebensgefahr

Amok-Täter mit fünf Schüssen niedergestreckt

Abiturient stürmte Schule mit Axt und Molotow-Cocktail

Schüler verbarrikadierten sich in Klassenzimmer

Lehrer für mehr Sicherheit an Schulen

Von den Schülern, die wegen des Feueralarms aus der Schule strömten, erfuhren die Polizisten, dass die Taten im dritten Stock verübt worden waren. “Sie haben ihn aufgefordert, sich zu ergeben und die Waffen niederzulegen. Sie haben auch den Schusswaffengebrauch angedroht und einen Warnschuss abgegeben“, sagte Herrmann.

“Weil er darauf nicht reagiert hat, hat der Dienstgruppenleiter aufgrund der besonderen Amoklage einige Schüsse abgegeben. Ohne dieses schnelle Eingreifen hätte es womöglich weitere Opfer gegeben.“ Ansbach sei der erste Fall seit langer Zeit, dass ein Amokläufer die Tat überlebt habe.

“Das Typische bei Amokläufen ist, dass die Täter das vor dem Hintergrund einer Selbstmordabsicht tun und andere mit in den Tod nehmen wollen“, sagte Herrmann. “Dass hier aufgrund des umsichtigen Vorgehens der Polizei der Suizid nicht stattgefunden hat, wird es ermöglichen, überhaupt einmal dem nachzugehen, was in dem jungen Mann vorgegangen ist. Wie ist er auf solche grausigen Gedanken gekommen?“

Es sei ganz klar, das der Täter intensivst vernommen werden wird - auch, um psychologische Erkenntnisse über die Motive von Amoktätern zu gewinnen. Bei der Festnahme half nach Angaben Herrmanns ein weiterer Umstand den beiden Beamten: “Vor den Sommerferien hatte es eine gemeinsame Besprechung der Polizei mit der Schule über das Vorgehen in solchen Fällen gegeben.

Nach dem Amoklauf von Winnenden haben wir die Polizeidienststellen beauftragt, sich mit ihren örtlichen Schulen in Verbindung zu setzen, um die Konzeption für solche Fälle zu besprechen“, sagte der Innenminister. “Daher war die Polizei in Ansbach mit der Situation in der Schule vertraut.“

Gespräch: Carsten Hoefer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Dich hätte der Baum erschlagen sollen!“ - Söllner antwortet auf bösartigen Todeswunsch
Auf Tour in Sachsen wurde Hans Söllners Van fast von Sturm „Friederike“ geschrottet. Im Netz sorgt das für gehässige Kommentare. 
„Dich hätte der Baum erschlagen sollen!“ - Söllner antwortet auf bösartigen Todeswunsch
„Friederike“: Pausenlose Einsätze für Feuerwehr und Polizei in Bayern
Sturmtief Friederike erreichte Bayern - genau zum Jahrestag von Orkan Kyrill aus dem Jahr 2007. In unserem Newsblog halten wir Sie auf dem Laufenden.
„Friederike“: Pausenlose Einsätze für Feuerwehr und Polizei in Bayern
Arbeiten mit Gegenwind: Diese Bayern trotzten „Friederike“
Wer am Donnerstag draußen schuften musste, war nicht zu beneiden. Vier Menschen haben uns verraten, wie sie ihren Arbeitstag mit Gegenwind erlebt haben.
Arbeiten mit Gegenwind: Diese Bayern trotzten „Friederike“
Rauschgiftfahnder nehmen neun Tatverdächtige fest
Nach einer Razzia im Drogenmilieu in Unterfranken haben Rauschgiftfahnder neun Tatverdächtige festgenommen. Bei der Aktion wurden zwölf Wohnungen durchsucht.
Rauschgiftfahnder nehmen neun Tatverdächtige fest

Kommentare