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Die Oettinger Brauerei bringt eine neue Biersorte in den Handel - und sorgt damit für mächtig Furore (Symbolbild).

Spezielle Sorte sorgt für Furore

Experte warnt vor neuer Zutat in bayerischem Bier: „Könnte Jugendliche verführen“

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Oettinger bringt im Juli ein neues Bier auf den Markt, über das viele sprechen: Es ist nämlich mit Hanf und enthält sogar die teils verbotene Substanz THC. Das steckt hinter dem Gebräu.

Oettingen - Die bis heute als Familienunternehmen geführte Oettinger-Brauerei gehört mit einem Ausstoß von über 8,48 Millionen Hektoliter allein im Jahr 2018 zu den umtriebigsten Brauereien Deutschlands.

Nun nimmt ausgerechnet Oettinger ab Juli ein äußerst umstrittenes Produkt in ihr Sortiment auf: Die Billig-Brauerei vertreibt ab sofort Bier aus Hanf - mit THC. Damit will der Familienbetrieb aus dem schwäbischen Oettingen von dem großen Comeback der Biermischgetränke profitieren. „Ja, das Thema polarisiert in der Öffentlichkeit, das ist völlig richtig. Aber daran sind wir als Marke ohnehin gewöhnt. Aus diesem Grund steht uns das neue Biermischgetränk also besonders gut zu Gesicht“, sagt Gesellschafterin der Oettinger Brauerei Pia Kollmar augenzwinkernd in einem Interview mit der Fachzeitschrift Getränkefachgrosshandel. Sie macht sich über die Akzeptanz in der Gesamtbevölkerung also keine Sorgen. Doch was steckt hinter dem Hanfbier?

Hanfbier der Brauerei Oettinger: „Hanfkiss“ enthält tatsächlich 0,2 Prozent THC

Das Gebräu wird „Hanfkiss“ heißen - ein Biermischgetränk mit ausgesuchten Hanf-, Grüntee und Kräuter-Extrakten, das zusätzlich zum Alkoholgehalt von 2,5 Prozent auch noch 0,2 Prozent THC enthält, also die psychoaktive Substanz der Hanfpflanze, der eine berauschende Wirkung zugeschrieben wird. Eine Menge, die hierzulande noch nicht verboten ist. 

Erstmals ausgeschenkt wird das Hanfbier in Kürze direkt beim Zielpublikum: Beim Wuzdog Open Air (20. bis 23. Juni), einem kleinen alternativen Musikfestival im bayerischen Dornstadt. Die Flasche ziert der Spruch „Relax. Take it easy“, auf Deutsch: „Entspann dich. Bleib locker.“ Ein Effekt, der bekanntermaßen dem Cannabis-Konsum zugeschrieben wird.

Cannabis ist auch in München immer wieder Thema. So kämpft momentan der Oberbürgermeister Dieter Reiter für Hanf-Anbau in seiner Stadt.

Hanfbier der Brauerei Oettinger: Macht das Gebräu tatsächlich high?

Doch macht das Hanfbier wirklich high? Gegenüber der Bild  erklärt Professor Rainer Thomasius vom Deutschen Zentrum für Suchtfragen am Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf: „Bei dieser Menge THC sind keine psychotrophen Effekte zu erwarten. Die entstehen aber durch den Alkohol.“ Ein normales Bier sei es trotzdem nicht: „Die beigefügten Geschmacksstoffe aus Hanfsamen sorgen für einen Cannabis-Geschmack. Das kann Jugendliche zum Cannabis-Gebrauch verführen“, sagt der Professor gegenüber dem Boulevardblatt. Er kritisiert den Drink als mögliche Verharmlosung, da die „gesellschaftliche Akzeptanz von Cannabis so gezielt gefördert“ werde. „Die Gefahr liegt hier nicht im Cannabis-Rausch, sondern im psychologischen Effekt, der entsteht.“ 

Hanf gibt es mittlerweile auch in anderen Lebensmitteln. So hat die Polizei kürzlich in einem dm in Garmisch-Partenkirchen einen Cannabis-Kaugummi beschlagnahmt, berichtet merkur.de*. Hanf soll auch eine Alternative für Kunstrasenplätze sein, um das Problem mit Mikroplastik einzudämmen - die Gemeinde Gröbenzell hat das jetzt überprüfen lassen.

Hanfbier der Brauerei Oettinger: Getränke aus Hanf älter als das Reinheitsgebot

Laut dem Hersteller handelt es sich bei dem Hanfbier um ein „aromatisches Biermischgetränk“. Denn als Bier darf es laut Paragraph 9 des deutschen Biergesetzes nicht bezeichnet werden. Derweil sind Getränke aus und mit Hanf sogar älter als das Reinheitsgebot. Hanf ist eine Kulturpflanze, die in der Nahrungsmittelindustrie als wieder entdeckt bezeichnet werden darf. Bereits in der Antike wurde damit Bier gebraut. Auch das heute verwendete Hopfen zählt zu den Hanfgewächsen. Erst ab dem 8. Jahrhundert wurde der heute gängige Hopfen kultiviert und zählt mit Gerste und Wasser zu den Grundstoffen für Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot.

Drogen gegen den Schmerz: Wer bekommt Cannabis auf Rezept? Doch nicht bei allen Patienten haben Hanfprodukte die erwünschte Wirkung gebracht: Diese Nebenwirkungen quälten sie, als sie medizinisches Cannabis einnahmen.

Hanfbier der Brauerei Oettinger: Testtrinker waren begeistert

Ob sich die neue Mischung aus Hanf und Gerstensaft wirklich durchsetzt, wird sich erst ab Juli zeigen. „Die Testtrinker waren sofort überzeugt“, sagt Oettinger-Vertriebsgeschäftsführer Peter Böck. „Diese Idee hat Potenzial, da bleiben wir dran.“ Die Brauerei gibt sich aber noch vorsichtig: So kommt das neue Hanfbier vorerst „testweise“ auf den Markt.

Hanfbier der Brauerei Oettinger: Auch ein Vollbier mit Hanf ist in der Entwicklung

Obwohl das Hanfkiss noch nicht mal offiziell auf dem Markt ist, entwickelt Oettinger bereits das nächste Hanfgetränk im Sortiment: Eine „herbere Vollbier-Variante mit einem höheren Alkoholgehalt“, sagt Böck. „Hanfkiss hat das Potenzial, zu einer ganzen Produktfamilie zu wachsen.“ 

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