Das Restaurant der Zukunft wie es die Bernauerin sieht. Fünf Monate lang hat sie an dem Konzept gearbeitet, in zwei Wochen das Modell gebaut. Die Spanholz-Elemente hat sie mit einem Laser ausgesägt. Die Schläuche gab´s im Baumarkt.

Neues Gastrokonzept: Das Restaurant der Zukunft

Bernau/Garmisch-Partenkirchen – Wie sieht das Restaurant der Zukunft aus? Eine Schreinermeisterin vom Chiemsee bringt die Welt an einem Tisch zusammen.

Mit dem Entwurf hat die 28 Jahre alte Veronika Wernsdörfer aus Bernau einen Wettbewerb gewonnen.

Sie hat die Jury einfach über den Haufen gedacht, sie beeindruckt, begeistert: Veronika Wernsdörfer, blondes Haar, glockenhelles Stimmchen, Schreinermeisterin, hat ein sensationelles Konzept für das Restaurant der Zukunft entwickelt – und damit einen Nachwuchswettbewerb gewonnen. „Passen’S auf, dass sie mir nicht abhebt“, sagt die Mama bei der telefonischen Interview-Anfrage und lacht. Frau Wernsdörfer – keine Sorge. Weil hochzufrieden ist die Tochter mit ihrem preisgekrönten Entwurf gar nicht.

Die Schreinermeisterin: Veronika Wernsdörfer.

Veronika Wernsdörfer, 28 Jahre alt, ist in Bernau am Chiemsee aufgewachsen, ihr Vater ist Bootsbauer. Nach dem Abitur probiert sie es mit einem Jura-Studium. Nach zwei Semestern wirft sie hin. Zu viel Theorie, die Leute zu verkopft. Am Ende des Tages bleibt nichts übrig außer theoretischer Konstruktionen, „die niemand versteht“, sagt sie. Sie wird Schreinerin, besucht die Meisterschule und schließt mit einem Einser vor dem Komma ab. Sie arbeitet gern mit Holz, mag es, dass sie mit der Kraft ihrer Hände Schränke, Kommoden, Stühle schaffen kann. Kunden schauen anfangs schon mal komisch, wenn vor ihnen anstatt eines gestandenen Schreiners eine hübsche Blondine steht. Aber Veronika setzt sich durch, überzeugt mit ihrer Arbeit.

Doch irgendwann stellt sie fest: Sie will mehr gestalten, auch andere Materialien ausprobieren. Die Bernauerin meldet sich an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign in Garmisch-Partenkirchen an. Dort ist sie mit ihrem Freund, elf jungen Männern und einer Frau in der Klasse. Sie alle haben an dem Wettbewerb, einer Initiative des Fachmagazins „Gastronomie-Report“, teilgenommen. Die Aufgabe: ein Konzept für das Restaurant der Zukunft, Motto „Back to the roots“ – „zurück zu den Wurzeln“. Wernsdörfer siegte bescheiden, spendet ihre gewonnene Magnum-Flasche Schampus der Klasse und sagt: „Die anderen waren auch alle super.“ Vor allem der Vorschlag von ihrem Freund, der sei auf den ersten Blick so schön einleuchtend gewesen.

Das ist ihr Modell nicht. Zunächst nicht. Acht Kokons, lichtdurchlässig, helles Holz, sie sind verbunden mit transparenten Schläuchen. „Nexus“ heißt es, lateinisch für „Verbindung“. Das soll ein Restaurant sein? Mit der Erklärung von Veronika Wernsdörfer wird es verständlich, genial.

„Im Wettbewerb ging es darum: Wo wollen wir in Zukunft hin?“, sagt sie. Die Schüler sollten so weit wie möglich denken, rumspinnen. Die Bernauerin wollte das immer globalere Leben verknüpfen mit ihren Wurzeln, ihrer Familie, ihrem Freund, ihren Freunden. Im Sommer, wenn die zweijährige Zusatzausbildung an der Fachakademie zu Ende ist, will sie für ein paar Monate ins Ausland, Sydney vielleicht – wie können sich Menschen über eine große Distanz räumlich nahe fühlen? Internet-Telefonie ist nichts für die Schreinermeisterin, zu unpersönlich. Deshalb setzte sie für ihr Konzept eine neue Technik ein, die es in Ansätzen schon gibt, die ihrer Meinung nach bald richtig funktionieren wird: die Holografie. Ein Mensch wird gefilmt und an einem anderen Ort dreidimensional dargestellt. Ein bisschen wie beamen, nur nicht ganz.

In den Großstädten dieser Welt sollen Veronikas Restaurants stehen. Ein Gast reserviert in Sydney einen Tisch, der andere in München. Virtuell trifft man sich, sitzt zusammen beim Essen. Wer es romantisch mag, in einer der kleinen, kuschligen Kugeln. Geschäftspartner an großen Tischen in den weitläufigen Kokons. Nicht nur die Restaurantgäste sind miteinander verknüpft, auch die Räume des Lokals – über transparente Schlauchgänge. Wie viele Kokons, Räume, Gänge ein Restaurant hat, ist flexibel.

Und was gibt es im Restaurant der Zukunft zu essen? Veronikas Idee: Vier Restaurants, vielleicht in New York, München, Paris und Tokio, liefern für jeweils eine Woche pro Monat die Speisekarte. Schweinsbraten in USA, Sushi in Frankreich, Burger in Asien. International eben, die ganze Welt ein Netzwerk.

Wenn es „Nexus“ schon gäbe: Veronika in Australien, am anderen Ende der Welt, ihr Freund daheim in Oberbayern, zum Essen treffen sie sich virtuell. Keine Sehnsucht? „Ein paar Monate würd ich’s aushalten“, sagt die 28-Jährige. Länger nicht. Anfassen funktioniert im Restaurant der Zukunft leider nicht.

Carina Lechner

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