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Ein Grundschüler bei der Arbeit.

Neues Gutachten: Wo Grundschule besser werden kann

München - Wie gut sind Kindergarten und Grundschule? Der Aktionsrat Bildung fordert dringend Reformen und eine auch finanzielle Aufwertung der Grundschullehrer.

Bislang ist die Grundschule in den öffentlichen, oft ritualisierten Debatten über das Bildungswesen ungeschoren davon gekommen, da sie bei Studien wie der Internationalen Grundschul-Leseuntersuchung (IGLU) gut abgeschnitten hat. Doch die Befunde, die der Aktionsrat Bildung in seinem jüngsten Bildungsgutachten trifft, zeigen auch hier großen Reformbedarf auf. Dabei will das vom Verband der bayerischen Wirtschaft finanzierte Gremium um den Rektor der Universität Hamburg, Prof. Dieter Lenzen, gewissermaßen keiner politischen Seite gefallen. Einerseits sprechen sich Lenzen und sein Team gegen eine Verlängerung der Grundschule auf sechs Jahre aus (was dem Philologenverband gefallen dürfte). Andererseits fordern sie eine auch finanzielle Aufwertung der Grundschullehrer (was der Volksschullehrerverband BLLV begeistert zur Kenntnis nehmen kann).

Reformbedarf gibt es, wie das Gutachten ausführt, vor allem wegen der andauernden sozialen Spaltung des Schulwesens, die schon in den ersten Schuljahren begründet werde. Diese „sozialen Asymmetrien“ könne die Grundschule zwar nie ganz aufheben, wohl aber abmildern. Darüber hinaus gebe es einzelne Missstände. So sei der Anteil von leseschwachen Grundschulkindern (2006 noch knapp die Hälfte eines Jahrgangs) viel zu hoch. Mädchen würden in Mathematik und Naturwissenschaften zu wenig gefördert. Das Forscherteam schlägt daher vor:

-die im internationalen Vergleich „relativ schlecht“ ausgestatteten Grundschulen materiell aufzuwerten.

-die Lehrerausbildung zu verändern und vor allem Praxisphasen auszubauen.

-die hierarchische Kategorisierung der unterschiedlichen Lehrämter nach Schulstufen aufzuheben „und letztendlich die Profession Grundschullehrkraft aufzuwerten“. In Bayern etwa verdient ein Grundschul-Junglehrer (A 12) rund 200 Euro monatlich weniger als ein Junglehrer am Gymnasium. Die Besoldung von Grundschulleitern müsse „jener der Kollegen anderer Schulstufen“ gleichgestellt werden, fordert der Aktionsrat weiter.

Darüber hinaus schlagen die Bildungsforscher den Einsatz von „Co-Teachern“ vor - Lehrkräfte, die den Klassenleiter unterstützen. Das sei sinnvoller, als die Klassengrößen weiter zu senken. Für eine vierjährige Grundschulzeit wiederum spreche vor allem, dass alle bisherigen Versuche mit einer sechsjährigen Grundschule fruchtlos gewesen seien. „Die vorliegenden Befunde sprechen eher dafür, dass Leistungsentwicklungen in Schulsystemen mit vier- oder sechsjährigen Grundschulen relativ ähnlich ausfallen.“

Doch eigentlich beginnt die Schieflage des Bildungssystems nach Ansicht des Aktionsrats schon im Kindergarten. So gebe es zwar, was löblich sei, in fast jedem Bundesland Sprachstands-Diagnosen, ohne die ein Kind nicht vom Kindergarten in die Grundschule wechseln könne. Jedoch seien bundesweit 17 unterschiedliche Diagnoseverfahren in Gebrauch und die Ergebnisse daher kaum vergleichbar. Auch fordert das Team von Lenzen bundesweite Mindeststandards für das Lehrpersonal, das Erzieherinnen ausbilde. Für das Personal an den Kindertagesstätten selbst müsse es mehr Fortbildungen geben.

Die Reaktion auf das differenzierte Gutachten fiel gestern eher reflexartig aus. BLLV-Chef Klaus Wenzel begrüßte die Ausführungen zur Aufwertung der Grundschullehrer, verschwieg aber das Votum gegen die sechsjährige Grundschule. Der Philologenverband nannte das Gutachten „erfreulich ausgewogen“, ohne die Passagen zur Grundschule überhaupt zu nennen. Und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) erkläre schlicht: „Die Studie des Aktionsrates bildet nicht die Situation in Bayern ab.“

Dirk Walter

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