+
So soll es aussehen: Bis 2020 werden in Brannenburg 800 Menschen jeden Alters auf einem 15 Hektar großen Areal zusammen leben.

Dahoam im Inntal

Neues Wohnen in Brannenburg: Das Generationen-Dorf

  • schließen

Brannenburg – Familien, Alleinstehende und Senioren sollen ab 2020 in einem großen Wohnprojekt in Brannenburg zusammenleben und voneinander profitieren. Der Bauträger verschenkt Rabatte an Familien mit Kindern und Menschen mit geringerem Einkommen. Ein bislang einzigartiges Projekt – das allerdings nicht einmalig bleiben muss.

Sein Lieblingsstück wird die Uhr auf dem Zwiebelturm. Das weiß Rupert Voß seit er mit den Planungen begonnen hat. Sie wird von überall aus zu sehen sein. Genau wie die Turmuhr, die jahrzehntelang auf dem großen Kasernengebäude thronte. Es wird eine originalgetreue Nachbildung. Weil die Uhr ein so wunderbar passendes Symbol ist. Für Lebenszeit. Für den Wandel der Zeit. Und für die InnZeit Bau GmbH – die verwirklicht gerade rund um das Gebäude mit dem Uhrenturm ein bundesweit einzigartiges Wohnprojekt im Inntal.

Initiator ist der Modeunternehmer Wolfgang Endler. Er erwarb vor fünf Jahren das rund 15 Hektar große Areal in Brannenburg (Kreis Rosenheim), auf dem bis 2010 noch die Gebirgspioniere der Bundeswehr untergebracht waren. Endler hatte eine Idee im Kopf – und einen langjährigen Freund, der sehr talentiert darin ist, große Träume zu träumen. Rupert Voß ist Sozialunternehmer – und Endlers Geschäftsführer. Langzeit-Projekte reizen ihn. Wenn es Projekte sind, an die er glaubt. Das, was da gerade in Brannenburg entsteht, könnte vielleicht das Projekt seines Lebens werden.

Eine Art Relaunch der dörflichen Gemeinschaft

Seit fünf Jahren bauen und planen Endler und Voß eine Art Dorf im Dorf. Ein riesiges Wohnquartier, in dem Menschen generationenübergreifend zusammenleben können. Bis 2020 sollen in die rund 300 Wohnungen etwa 800 Menschen eingezogen sein – Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Senioren, Singles. Und sie alle sollen voneinander profitieren können. Es soll eine Art Relaunch der dörflichen Gemeinschaft sein, erklärt Voß. „Früher hat jeder seinen Nachbarn gekannt“, sagt er. „Heute ist das meist dem Zufall überlassen. Die Welt ist sehr anonym geworden.“

Das Projekt heißt: Dahoam im Inntal. Das Ziel heißt: Lebensraum mit Herz schaffen. Das Konzept sieht so aus: Familien, Alleinstehende und Senioren leben Tür an Tür, in Wohnungen oder Häusern. Jeder Käufer oder Mieter kann der Hausverwaltung mitteilen, was er braucht oder was er anbieten möchte. Nachhilfe, Fahrgemeinschaften, Grill-Sharing, Schafkopfrunden. Die Hausverwaltung vermittelt die Menschen untereinander. Jeder kann von der Gemeinschaft profitieren. Jeder soll selbst entscheiden, wie weit er sich einbringen möchte.

Mehr Kinder, eine lebendige Nachbarschaft

Die InnZeit arbeitet mit örtlichen Unternehmen und Kooperationspartnern zusammen. Ein Montessori-Kinderhaus ist auf dem Gelände bereits entstanden. Krippe, Hort, Kindergarten und Tagesmütter betreuen von 6.30 bis 22 Uhr – auch samstags. Davon sollen besonders Alleinerziehende, Selbstständige oder Eltern im Schichtdienst profitieren, erklärt Voß. Für Senioren entsteht Betreutes Wohnen und eine Altenpflegeeinrichtung mit Demenz- und Palliativplätzen. „Das ist besonders für Paare wichtig“, sagt Voß. „Viele leiden sehr darunter, von ihrem erkrankten Partner kilometerweit entfernt leben zu müssen.“

Das Konzept kommt an. Schon jetzt. 50 Grundstücke sind bereits an private Bauherren verkauft, einige Familien leben bereits auf dem Areal. Aktuell entstehen im ersten Bauabschnitt 50 Eigentumswohnungen – etwa 80 Prozent davon sind bereits verkauft. Eines davon an Peter und Sylvia Töpfer. Bisher leben die beiden in einer Doppelhaushälfte in Großkarolinenfeld. „Die Kinder sind aus dem Haus“, erzählt die 54-Jährige. „Unsere Enkel leben in Schweden.“ Ihnen gefällt die Vorstellung, wieder mehr Kinder um sich zu haben – vielleicht sogar gelegentlich helfen zu können. Und wieder eine lebendige Nachbarschaft zu haben. „Das gab es bei uns früher, als die Kinder noch klein waren“, erzählt Sylvia Töpfer. Inzwischen gibt es nur noch zufällige Begegnungen. Auf dem Fragebogen der Hausverwaltung hat sie angegeben, dass sie sich eine Boccia-Bahn wünschen würde. Wenn alles gut geht, können die Töpfers Ende Juni einziehen. Genau wie weitere 49 Wohnungsbesitzer.

Wohnungspreise ab 390.000 Euro

Die große Nachfrage hat nicht nur mit dem Konzept des Wohnprojekts zu tun. Sondern auch mit einem Rabattsystem, dass die InnZeit ausgearbeitet hat. Käufer mit geringem Netto-Einkommen, Alleinerziehende, Familien mit behinderten Kindern und Einheimische bekommen Punkte, die als Rabatt auf den Wohnungspreis umgerechnet werden. Das können bei den Wohnungspreisen ab 390 000 bis zu 30 000 Euro sein. Den Rabatt zahlt der Investor aus eigener Tasche. Genau wie den Nachlass für Familien – 15 000 Euro pro Kind. „So etwas kann man nur tun, wenn man nicht gewinnorientiert denkt“, sagt Voß. Wenn das „Lebensraum mit Herz“ ehrlich gemeint ist, nicht nur ein Slogan. „Wir wollen keine exklusive Einrichtung, sondern ein buntes Miteinander.“

Er selbst ist gespannt, wie sich das „Dorf“ bis 2020 entwickelt. Und ob das Wohn-Modell irgendwann an anderen Orten in Deutschland kopiert wird. Dann wäre es wohl tatsächlich das Projekt seines Lebens.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Weiße Weihnachten: So stehen die Chancen für Bayern
Am Wochenende hat Bayern sein „weißes Wunder“ erlebt. Wie stehen die Chancen, dass wir das auch am Heiligabend erleben dürfen?
Weiße Weihnachten: So stehen die Chancen für Bayern
Schulbus-Unfall am Montagmorgen verläuft glimpflich 
Schreck in der Morgenstunde: Ein voll besetzter Schulbus kommt von der Straße ab. Doch schnell folgt die Erleichterung, niemand ist verletzt. Und für die Insassen fällt …
Schulbus-Unfall am Montagmorgen verläuft glimpflich 
Lawinen-Ticker: Erhebliche Gefahrenlage in den Allgäuer Alpen
Lawinen sind der absolute Alptraum für Wintersportler. In unserem Ticker verraten wir Ihnen, wie sich die Lage an den bayerischen Ausflugszielen aktuell darstellt.
Lawinen-Ticker: Erhebliche Gefahrenlage in den Allgäuer Alpen
Kurz nach Beginn: Prozess gegen Ex-Priester wegen sexuellen Missbrauchs vertagt
Eigentlich sollte einem 53-jährigen Ex-Priester ab Montag der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs gemacht werden. Nur wenige Minuten nach Beginn wurde der Prozess aber …
Kurz nach Beginn: Prozess gegen Ex-Priester wegen sexuellen Missbrauchs vertagt

Kommentare