Neue Vorwürfe gegen Nürnberger Jugendheim

Nürnberg - Das wegen Missbrauchsvorwürfen in die Schlagzeilen geratene Nürnberger Martin-Luther-Heim sieht sich mit immer neuen Anschuldigungen konfrontiert.

Seit den ersten Medien- Berichten in der vergangenen Woche hätten sich rund 35 frühere Heimbewohner bei der Nürnberger Stadtmission gemeldet, berichtete ein Sprecher des zur Diakonie gehörenden Trägers am Dienstag.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Zwei Drittel der Anrufer gaben an, sie hätten während ihres oft jahrelangen Aufenthalts “keine so guten Erfahrungen“ mit dem Jugendheim gemacht, berichtete der Sprecher. Es sei zu “Vorfällen“ gekommen. Ob es sich dabei um Misshandlungen oder sexuelle Missbrauchsfälle handele, wollte er nicht sagen. Ein Drittel der Anrufer habe hingegen von positiven Erfahrungen berichtet.

Unterdessen räumte der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich ein, mit einem früheren mutmaßlichen Missbrauchsopfer Kontakt gehabt zu haben. Die Frau behauptet, Friedrich damals von den Missbrauchs-Vorwürfen informiert zu haben. Der Landesbischof hatte sich zunächst nicht daran erinnern können. Die präzise Schilderung der Frau und ein Blick in seinen damaligen Terminkalender hätten ihn aber überzeugt, dass es 1996 ein solches Treffen gegeben habe, heißt in einer Mitteilung der evangelischen Landeskirche vom Dienstag.

Friedrich gab zu bedenken, zu diesem Zeitpunkt habe der Stadtmissions-Vorstand bereits auf sein Drängen hin den früheren Heimchef überprüfen lassen. Dieser war nach einer Zeltfreizeit ins Zwielicht geraten. Eine junge Mitarbeiterin hatte berichtet, er habe mit einem Mädchen in einem Zelt übernachtet. Der Mann war daraufhin vom pädagogischen Dienst suspendiert worden.

Ausgelöst hatte die Welle der Anschuldigungen eine heute 42 Jahre alte Frau. In Medienberichten hatte sie dem früheren Leiter des Martin-Luther-Hauses vorgeworfen, er habe sie in den 1970er Jahren wiederholt ins Raucherzimmer des Heims gesperrt, dort geküsst und unsittlich berührt. Beim pädagogischen Reiten habe er ihr zwischen die Beine gefasst. Zudem habe er hin und wieder den Mädchen beim Duschen zugeschaut. Der frühere Heimleiter streitet die Vorwürfe ab.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Doppelmord in Traunreut: Hier schaut der Verdächtige einfach zu
Während Samstagnacht ein Großaufgebot in Traunreut nach einem Unbekannten suchte, der in der Kneipe Hex-Hex ein Blutbad angerichtet hatte, stand der mutmaßliche Täter …
Doppelmord in Traunreut: Hier schaut der Verdächtige einfach zu
Zug-Kollision nahe Augsburg Hauptbahnhof: Strecke wieder frei
In der Nähe des Augsburger Hauptbahnhofes sind am Montagmittag zwei Züge zusammengestoßen. Ein Lokführer wurde verletzt, die Ursache für den Unfall steht nun fest. Die …
Zug-Kollision nahe Augsburg Hauptbahnhof: Strecke wieder frei
Prozess: Ehestreit wegen Küsschen-Mail eskaliert - Frau tot
Eine zu Wutausbrüchen neigende Frau ist vollkommen ausgerastet, als ihr Ehemann sie mit einer Küsschen-Mail eines fremden Mannes konfrontiert hat. Der Streit endete in …
Prozess: Ehestreit wegen Küsschen-Mail eskaliert - Frau tot
Mädchenrealschule in Rosenheim evakuiert
Großeinsatz an der Mädchenrealschule in Rosenheim: Am Vormittag musste die Schule evakuiert werden, weil 20 Schülerinnen über Atemwegsprobleme klagten. 
Mädchenrealschule in Rosenheim evakuiert

Kommentare