Findelkind

Neugeborenes in Krippe ausgesetzt

Pöttmes - Ein neugeborenes Findelkind ist in Pöttmes in der katholischen Pfarrkirche gefunden worden. Der Bub lag in der Krippe – entdeckt wurde der Säugling vom Pfarrer.

„Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln eingehüllt und in einer Krippe liegend!“ Das haben die Engel nach den Ausführungen des Evangelisten Lukas den Hirten auf dem Felde prophezeit. Das Kind in der Krippe vor über 2000 Jahren, von der die Bibel erzählt, war das Jesuskind.

Pfarrer Thomas Rein hat gestern auch ein Kind in einer Krippe gefunden – einen kleinen neugeborenen Buben in der Futterkrippe, die in seiner Pfarrkirche St. Peter und Paul zum Beginn der Adventszeit aufgestellt worden ist. „Bei uns hat das Weihnachtsfest schon begonnen“, sagte der 39-jährige Geistliche gestern in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Und dann erzählte er, wie er das hilflose Bündel entdeckte hatte. Rein war gegen 13.45 Uhr vom Pfarrhaus in die benachbarte Kirche gegangen, um zu beten. Dort steht bereits eine große Futterkrippe im Altarraum für das Jesuskind in der Heiligen Nacht. „Unsere Kinder können bis Weihnachten jeden Tag einen Strohhalm hineinlegen“, erzählt er.

Doch gestern war etwas anders: „Ich habe gleich gesehen, dass der rote Teppich, auf dem sonst die Messdiener vor der Krippe knien, auf der Krippe lag.“ Als Rein den Teppich lüftet, sieht er ein kleines Baby. „Es hat sofort angefangen zu schreien. Gott sei Dank, habe ich gedacht, es lebt“, berichtete der Pfarrer. Das Kind war in Kleidung gewickelt, der Seelsorge hat das weinende Kind sofort aus der Krippe genommen und ins Pfarrhaus getragen. Dann alarmierte er den Notarzt. „Der Rettungswagen war gleich da, der ist hier in Pöttmes stationiert“, so der Pfarrer. Inzwischen ist der Bub in einer Kinderklinik – und es geht ihm soweit gut.

Schon in der Kirche hatte der Priester sofort an die Mutter gedacht: „Was für eine große Not steckt dahinter, wenn man sein Kind in diese Krippe legt.“ Nur wenige Stunden danach hat die eingeschaltete Kripo, die gleich mit mehreren Streifenwagen vor Ort war, die Mutter ermittelt. Eine 38-jährige rumänische Staatsbürgerin, die im Bereich des Landkreises wohnt, hatte den kleinen Buben knapp zwei Stunden, bevor der Pfarrer ihn entdeckt hatte, geboren. Über die Beweggründe für die Aussetzung liegen der Kripo noch keine Anhaltspunkte vor.

Pfarrer Rein jedenfalls ist froh, dass die Mutter so schnell gefunden wurde. „Jetzt kann sie auch versorgt werden.“ Die Kirche will Mutter und Kind helfen – das versicherte auch Christoph Goldt, Pressesprecher der Diözese Augsburg. Es gebe einen entsprechenden Hilfsfonds, aus dem man Mittel bereitstellen könnte. „Wir sind heilfroh, dass das Kind lebt“, sagte er.

Bei einem so außergewöhnlichen Fall erscheine doch die Adventszeit in einem ganz besonderen Licht: „Das ist Weihnachten pur.“ Goldt bezeichnete es als göttliche Fügung, dass der kleine Bub so schnell in der kalten Kirche gefunden wurde. „Das grenzt an ein Wunder.“

Pfarrer Rein will schon wissen, was aus dem kleinen Findelkind aus seiner Pfarrkirche wird. Er hat den Buben in den Armen gehalten – „mit dieser Geschichte bin ich schon verbunden“.

Claudia Möllers

Rubriklistenbild: © E. Rammelsberger

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