Rathaus in Neumarkt in der Oberpfalz
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Rathaus in Neumarkt in der Oberpfalz

Große Kreisstadt und alte Residenz

Neumarkt in der Oberpfalz

Neumarkt in der Oberpfalz stellt heute einen wichtigen Industriestandort dar. Die Stadt hat eine lange Geschichte und war Residenz der Pfalzgrafen.

  • Neumarkt in der Oberpfalz ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises.
  • Die Stadt war in ihrer Geschichte zeitweise reichsfrei und Residenzstadt.
  • Heute ist Neumarkt in der Oberpfalz ein wichtiges Industriezentrum in der Region.

Neumarkt in der Oberpfalz – Am 15. Juni 1531 beendete Kaiser Karl V die Reichsfreiheit der Stadt Neumarkt in der Oberpfalz. Der Herrscher verfügte, dass die Residenzstadt in der Folgezeit an die Pfalzgrafen übereignet werde. Der Verlust der Reichsunmittelbarkeit bewirkte einen erheblichen Verlust an autonomen Verwaltungsrechten der Stadt.

Neumarkt in der Oberpfalz: Lage und geografische Verhältnisse

Neumarkt in der Oberpfalz liegt in einem Talkessel im Westen der Fränkischen Alb, der vom Dillberg, dem Buchberg und Staufer Berg gebildet wird. Durch das Stadtgebiet fließt der Ludwig-Main-Donau-Kanal, der in der Geschichte als Wasserstraße nur eine untergeordnete Bedeutung für die Region hatte. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 79 Quadratkilometern und liegt auf einer Höhe von 424 Metern. Die Gesamtfläche der Gemeinde wird zu knapp 40 Prozent landwirtschaftlich genutzt. Der Anteil bewaldeter Fläche beträgt knapp 35 Prozent. Die Stadt Neumarkt an der Oberpfalz wird vom gleichnamigen Landkreis umschlossen.

Neumarkt in der Oberpfalz: Geschichte von der Frühzeit bis zum 14. Jahrhundert

Das Gebiet von Neumarkt in der Oberpfalz war bereits während der Jungsteinzeit besiedelt. Keltische Wallanlagen und Grabhügel belegen als archäologische Zeugnisse diese Ansiedlungen. Nach dem Ende der Römerzeit nahmen Bajuwaren große Gebiete des heutigen Bayern ein. In der oberpfälzischen Region gründeten sie verschiedene Orte, unter anderem auch eine Siedlung im Gebiet von Neumarkt in der Oberpfalz. Im 12. Jahrhundert etablierte sich hier eine kleine Stadt an der Handelsstraße zwischen Regensburg und Nürnberg. Die ersten urkundlichen Erwähnungen der Stadt stammen aus diesem Jahrhundert.

Der Stauferkaiser Friedrich II herrschte unmittelbar über Neumarkt in der Oberpfalz, die Stadt genoss das Privileg der Reichsfreiheit. Nach dem Ende der Staufer-Herrschaft geriet die Stadt 1268 in den Einflussbereich der Wittelsbacher. 1301 gelang es Albrecht I, Neumarkt in der Oberpfalz wieder für das Reich zu gewinnen. Er verlieh der Reichsstadt die entsprechenden Privilegien. Nur sieben Jahre später fiel die Stadt erneut in die Hände der Wittelsbacher. Offiziell wurde Neumarkt in der Oberpfalz im „Hausvertrag von Pavia“ (1329) diesem Adelsgeschlecht zugesprochen.

Neumarkt in der Oberpfalz: Die Geschichte vom 15. Jahrhundert bis zum Dreißigjährigen Krieg

Nach dem Tod des rheinischen Kurfürsten Ruprecht III aus dem Hause der Wittelsbacher 1410 erfolgte die Aufteilung der von ihm vererbten pfälzischen Besitztümer unter seinen vier Söhnen. Der zweitälteste Sohn Johann übernahm Neumarkt in der Oberpfalz und machte die Stadt zu seiner Residenz. Er ließ ein Residenzschloss und zahlreiche weitere sakrale und profane Gebäude errichten. Die Stadt erlebte eine kurze wirtschaftliche und kulturelle Blüte, die 1448 endete, nachdem der Erbe Johanns, sein Sohn Christoph, kinderlos starb. In der Folge fiel die Stadt zunächst an Otto II und wurde danach wiederum Teil des rheinischen Kurfürstentums.

Im 16. Jahrhundert machte Pfalzgraf Friedrich II Neumarkt in der Oberpfalz erneut zu einer Residenzstadt. Diese Epoche der Geschichte war von der Abkehr vom katholischen Glauben und den folgenden Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des calvinistischen und lutherischen Bekenntnisses gekennzeichnet. Zunächst setze sich der Calvinismus durch.

Neumarkt in der Oberpfalz: Die Geschichte vom 17. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg

Nach der Niederlage von Friedrich V im Dreißigjährigen Krieg, der zum Verlust der Kurwürde und der Oberpfalz führte, erhielt 1628 Maximilian I von Bayern diese Region einschließlich Neumarkt in der Oberpfalz. Er setzte die Rekatholisierung der Bevölkerung durch. Darüber hinaus wurde die Stadt mehrfach von schwedischen Truppen besetzt und geplündert.

1806 wurde Neumarkt in der Oberpfalz von Napoleon I der Status als Königlich Bayerische Stadt zuerkannt. Wie in den meisten ländlich geprägten Regionen Bayerns verlief die Industrialisierung in Neumarkt in der Oberpfalz im Gegensatz zu den Metropolen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eher langsam. Auch die mit der Eröffnung des Ludwig-Main-Donau-Kanals 1846 verknüpften Hoffnungen auf ein Erstarken der Wirtschaft erfüllten sich nicht. Dagegen förderte die 1871 erfolgte Anbindung an das bayerische Eisenbahnnetz die wirtschaftliche Entwicklung. In der Folge ließen sich zahlreiche Industriebetriebe, insbesondere des holz- und metallverarbeitenden Gewerbes in der Stadt nieder. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen weitere Industriebetriebe, unter anderem die Bleistiftfabrik Eberhard Faber hinzu.

Neumarkt in der Oberpfalz: Die Geschichte vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden in zunehmendem Maße Zwangsarbeiter in den Fabriken der Stadt eingesetzt. Im Zweiten Weltkrieg erfolgten am 23. Februar und am 11. April 1945 Bombenangriffe auf die Stadt. Durch die Weigerung der SS, die Stadt den vorrückenden US-amerikanischen Truppen widerstandslos zu übergeben, kam es zu umfangreichen Kampfhandlungen Ende April 1945. Diese führten zur nahezu kompletten Zerstörung des historischen Ortskerns.

In der Nachkriegszeit wurde die Altstadt zum Teil nach historischen Vorbildern wieder aufgebaut. Neumarkt in der Oberpfalz veranstaltete 1998 die bayerische Landesgartenschau.

Neumarkt in der Oberpfalz: Einwohner und Verwaltung

In der Stadt Neumarkt in der Oberpfalz leben rund 40.000 Einwohner (Stand 2019). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 510 Einwohnern je Quadratkilometer.

Durch die Bayerische Gebietsreform wurde das Stadtgebiet von Neumarkt in der Oberpfalz durch Eingemeindungen mit Wirkung zum 1. Juli 1972 in erheblichem Umfang erweitert. Dabei handelt es sich um die folgenden Gemeinden:

  • Holzheim
  • Labersricht
  • Lippertshofen
  • Mühlen
  • Peichenhofen
  • Pölling
  • Stauf
  • Woffenbach

Heute gliedert sich die Stadt in 45 Gemeindeteile, unter anderem in die folgenden:

  • Altenhof
  • Bodenhof
  • Bodenmühle
  • Fuchsbeg
  • Großwiesendorf
  • Helena
  • Labersricht
  • Ottosau
  • Rittershof
  • Schönmühle
  • Steinberg
  • Wolfstein

Neumarkt in der Oberpfalz: Politik und Wirtschaft

Die Politik der Stadt Neumarkt in der Oberpfalz wird maßgeblich von den beiden Parteien CSU und UPW/Freie Wähler bestimmt. In den letzten Wahlen zum Stadtrat (2020) erreichte die CSU knapp 34 Prozent der abgegebenen Stimmen, die UPW/Freie Wähler knapp 33 Prozent. Mit diesem Ergebnis sicherten sich beide Parteien jeweils 13 der insgesamt 40 Sitze des Stadtrats. Seit 2005 hat Thomas Thumann (UPW/Freie Wähler) das Amt des Oberbürgermeisters inne. Davor bekleideten CSU-Mitglieder ununterbrochen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs diesen Posten.

Für die Wirtschaft spielen mittelständische und große Industriebetriebe eine wichtige Rolle. Der Pfeiderer-Konzern gilt als ein international führender Produzent von Holzwerkstoffen und ist bereits seit 1984 in der Stadt ansässig. Darüber hinaus gehören unter anderem die folgenden Unternehmen zu den größten Arbeitgebern in der Region:

  • Dehn (Elektrotechnik)
  • Staedtler Mars (Stifte und Bürobedarf)
  • Bionorica (Pharma)

Traditionell stellt Neumarkt in der Oberpfalz einen bedeutenden Brauerei-Standort dar. Heute existieren noch drei Brauereibetriebe:

  • Gansbrauerei
  • Neumarkter Lammsbräu
  • Brauerei Glossner

Neumarkt in der Oberpfalz: Sehenswürdigkeiten

Die Burgruine Wolfenstein liegt ungefähr 150 Meter oberhalb von Neumarkt in der Oberpfalz. Die Anlage kann ganzjährig besichtigt werden. Auch das historische Schreiberhaus gehört zu den beliebten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es gilt als ältestes Bürgerhaus und wurde um 1430 errichtet. In den letzten Jahrzehnten wurde es aufwendig saniert und vermittelt einen hervorragenden Eindruck vom Alltagsleben in früheren Zeiten.

Die Neumarkter Residenz beziehungsweise das ehemalige Pfalzgrafenschloss stellt die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt dar. Das im Renaissance-Stil errichtete Schloss wird heute als Amtsgericht genutzt. Jeden Sommer finden im Schlosshof verschiedene Freilichtaufführungen im Rahmen der „Neumarkter Schlossspiele“ statt.

Fans der rustikalen Küche besuchen das erste bayerische Metzgerei- und Weißwurstmuseum. Es befindet sich in einem Nebengebäude einer alteingesessenen Metzgerei und zeigt, wie im 19. Jahrhundert Wurst und Fleisch produziert wurden. Das Stadtmuseum präsentiert zahlreiche Exponate aus der Geschichte Neumarkts in der Oberpfalz. Seit 2004 können Kunstfreunde das Museum Lothar Fischer besuchen. Es stellt Werke des bedeutenden Bildhauers aus und zeigt darüber hinaus Wechselausstellungen.

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