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Endlagerstätten: Die von Greenpeace veröffentlichte Karte basiert auf Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, wie die Behörde bestätigt.

Neun potenzielle CO2-Endlager in Oberbayern

Waldkraiburg/Puchheim - Eine von Greenpeace veröffentlichte Karte mit möglichen Standorten von CO2-Endlagern sorgt in Oberbayern für Verunsicherung. Bürgermeister kündigen vorsorglich Widerstand an.

408 potenzielle Orte für die sogenannte Verpressung von Kohlendioxid (CO2) nennt Greenpeace. Neun Stätten liegen in Oberbayern: so der Parsberg bei Puchheim (Kreis Fürstenfeldbruck), Fürmoosen und Buch (Kreis Ebersberg), Geisenhausen (Kreis Traunstein) und Aschau am Inn (Kreis Rosenheim). Die größte potenzielle Lagerstätte in Süddeutschland wäre bei Waldkraiburg (Kreis Mühldorf) – etwa 800 bis 1000 Meter unter der Erde gibt es laut Greenpeace einen Speicher mit 21 Kubikkilometern Volumen und einer Flächenausdehnung von 70 Quadratkilometern. Die mögliche Lagerkapazität kann nur geschätzt werden: Sie liegt zwischen 21 und 260 Millionen Tonnen CO2.

All das sind vage Pläne für ein bislang nur vages Großprojekt. Das Bundesumweltministerium bereitet derzeit ein sogenanntes Demonstrationsgesetz vor, um die Verpressung des Klimakillers CO2 unter der Erde zu erkunden. Maximal drei Versuchsstandorte sieht das Gesetz in Deutschland vor – „und die werden sicher nicht in Süd-deutschland sein“, wie Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sagt. Bei der CO2-Verpressung wird das Gas beispielsweise an einem Kohlekraftwerk aufgefangen, verflüssigt und mit großem Druck unter die Erde in stark salzwasserhaltige Schichten gepresst – entweder direkt am Standort des Kraftwerks oder auch, falls eine Pipeline existiert, weit weg vom Erzeugungsort. Bislang gibt es in Deutschland keine Anlage. Allerdings will der Energiekonzern Vattenfall in Beeskow und Neutrebbin (Brandenburg) CO2 versuchsweise endlagern – das Bundesgesetz soll den Weg dafür ebnen. Der Widerstand vor Ort ist allerdings groß – erst am Sonntagabend gab es in Beeskow eine Demo mit 2500 Teilnehmern.

Soweit ist es in Oberbayern noch nicht. Die Bürgermeister potenziell betroffener Orte haben noch keine offiziellen Informationen erhalten, bauen aber schon einmal vor: „Wir würden auf die Barrikaden gehen“, sagt Waldkraiburgs Bürgermeister Siegfried Klika. Die Technologie sei noch nicht erprobt, mögliche Langzeitschäden nicht abschätzbar. „Wenn es riskant ist, dann würde ich mich dagegen stellen“, sagt auch Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel, auf dessen Flur das Lager Buch liegen würde. Buch wäre laut Greenpeace mit einer Fläche von knapp sieben Quadratkilometern und einem Volumen von 0,17 Kubikkilometern allerdings eine sehr kleine Lagerstätte. Die größten Endlager-Potenziale, sagt Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften, wären in Norddeutschland sowie unter der Nordsee (siehe Karte). Er betont, dass es sich bislang nur um eine „theoretische“ Möglichkeit handele. Die Bundesanstalt suche auch gar keine konkreten Standorte – dies wäre Sache der Konzerne, erklärt er.

Greenpeace lehnt (wie auch der Bund Naturschutz) das ganze Verfahren ohnehin als Augenwischerei ab. Die Bundesregierung versuche, Kohlekraftwerke „grün zu waschen“, heißt es. Außerdem verbrauche die Verpressung zusätzlich Energie. Und die Risiken seien unkalkulierbar, weil endgelagertes CO2 Salzwasser und Schwermetalle in höher liegende Trinkwasserschichten spülen könne. Außerdem sei wohl die Kapazität potenzieller Lagerstätten begrenzt. Deutsche Kohlekraftwerke stoßen laut Greenpeace derzeit rund 350 Millionen Tonnen CO2 jährlich aus – damit wären die Speicher nach 18 Jahren gefüllt.

Hinzu kommt, dass zumindest ein Teil der Standorte in Oberbayern schon für die Geothermie-Nutzung reserviert ist – zum Beispiel auch in Puchheim-Parsberg. Dies habe, „solange Bergrecht besteht, Vorrang vor den CO2-Deponien“, betont die örtliche Umweltbeauftragte, Katharina Dietel.

dw/hg/mar

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