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Sihong und Xiaoxia Chen verschwanden am Schloss Neuschwanstein.

Das Mysterium vom Märchenschloss

Neuschwanstein: Chinesisches Ehepaar weiter spurlos verschwunden

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München - Ein chinesisches Ehepaar steigt unterhalb von Schloss Neuschwanstein aus dem Bus und verschwindet plötzlich spurlos. Die Polizei ist ratlos und stochert im Nebel.

Es ist 16 Uhr am einem Samstag, als ein Bus mit chinesischen Touristen unterhalb des Schloss Neuschwanstein anhält, Parkplatz P1. Das Märchenschloss gilt für Urlauber aus dem asiatischen Raum als ein Muss, wenn man schon mal in Europa ist. Die Gruppe zählt 28 Leute, unter ihnen das Ehepaar Xiaoxia Chen (39) und ihr Ehemann Sihong (37). Die Frau trägt weißen Pulli, ihr Mann lieber Blau: Jeans und Jacke. Sie entfernen sich von ihrer Gruppe – und sind für immer weg, verschollen. Mitten im Touristentrubel.

Dies trug sich am Samstag, dem 2. Juli zu. Zweieinhalb Stunden später, um 18.30 Uhr, alarmierte der Reiseleiter die Polizei. Die suchte unter anderem mit Hubschrauber samt Wärmebildkamera, Hunden und alpinen Einsatzgruppen. Zuletzt schnorchelten Taucher durch die Pöllatschlucht. Nun heißt es: „Wir haben die Suche eingestellt“, sagt der Sprecher der Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, Sebastian Adam. In dem alpinen Gelände sei alles abgesucht worden.

Doch wie lässt es sich einfach so am Schloss Neuschwanstein verschwinden? Wie kann man sich auf den Serpentinen verlaufen? Zumal als chinesischer Bustourist, der in der Regel bei der Gruppe bleibt, und nur Stunden in der Gemeinde Schwangau verbringt?

Ein rätselhafter Fall, der auf dem Flugplatz der Hafenstadt Xiamen beginnt. Dort hebt die Maschine am 27. Juni Richtung Europa ab, die Gruppe freut sich auf eine Woche voller Eindrücke, Wahrzeichen, Städte und Ansichten, wie sie immer auf dem Bildschirm zu sehen sind. Und nun in echt! Als der Bus vor Neuschwanstein hält, wird ein chinesischer Traum wahr. Immer wieder kommt es vor, dass Asiaten am Schloss heiraten, sich von der Marienbrücke aus in Festkleidern ablichten lassen. Doch diese Brücke ist den Monat noch wegen Sanierung gesperrt, wie auch die Pöllatschlucht. Warnschilder blockieren Pfade: Steinschlag.

Wo also sind sie hin, die Xiaoxia und der Sihong? Die Polizei geht von mehreren Ansätzen aus, ein Unfall etwa, Verbrechen, absichtliches Untertauchen. „Deswegen wird jetzt im gesamten Schengenraum gesucht“, sagt Polizeisprecher Adam. Informationen zu den Vermissten laufen nur über das chinesische Generalkonsulat in München. Dort liegen die Pässe der beiden inzwischen. „Der Informationsfluss ist eher schwierig“, sagt Adam. Immerhin gibt es zwei schwarzweiß-Kopien mit den Gesichtern. Ihre Mitreisenden sind aber nicht mehr greifbar. Nach einer Wartezeit am Schloss ging es weiter nach Tirol, von dort nach Rom und über Amsterdam zurück. Alle sind wieder daheim in Xiamen. Zwei fehlen jedoch, die beiden Chens.

Markus Christandl

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