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Das Schloss Neuschwanstein ist auf einer Zwei-Euro-Gedenkmünze verewigt worden.

Neuschwanstein ist auf den Euro gekommen

Berlin - Dreißig Millionen mal wird Neuschwanstein unters Volk gebracht – auf Zwei-Euro-Münzen. Kanzleramt wurde das Stück gestern vorgestellt. Entworfen hat es der Münchner Erich Ott, der es aber vorzog, zu Hause zu bleiben.

Den Trubel in Berlin braucht Erich Ott nicht. Merkel die Hand schütteln, Seehofer die Hand schütteln, anderen die Hand schütteln, Reden hören, für den Fotografen posieren. Und 600 Kilometer Strecke sind es auch. Nein, da bleibt der 67-Jährige lieber in seinem gemütlichen Atelier in München-Schwabing. Gestern Nachmittag wurde im Bundeskanzleramt in Berlin offiziell die Zwei-Euro-Gedenkmünze Bayern vorgestellt. Motiv: Neuschwanstein. Auflage: 30 Millionen Stück. Entwurf: Münzgestalter Erich Ott. Trotz Einladung nicht dabei: Erich Ott.

Es ist nicht so, dass es ihn nicht freut, dass sein Entwurf sich gegen vier andere Bewerber durchgesetzt hat und sein Neuschwanstein jetzt auf Millionen von Münzen zu sehen ist. „Der erste Preis ist immer eine tolle Sache“, sagt er. Er mag halt solche Empfänge im Allgemeinen nicht.

Um in Otts Atelier zu kommen, muss man durch zwei wunderschöne Schwabinger Hinterhöfe, eine geschwungene Eisentreppe hinunter ins Souterrain, vorbei an mehreren säuberlich aufgeschichteten Ster Holz. Für Otts selbstgebauten Kachelofen. Seit den 70er Jahren arbeitet der gebürtige Oberammergauer dort in seiner Werkstatt an Münzen und Medaillen. Franz Josef Strauß hat er auf das Zwei-Mark-Stück gepackt, den Hamburger Michel auf die Zwei-Euro-Münze, genauso wie die Hildesheimer Michaeliskirche auf einen Zwickl. Ein ziemliche Fieselarbeit. „Bei Umlaufmünzen, in diesem Fall auch bei der Neuschwansteinmünze, hat das Motiv eine Höhe von 0,8 Millimetern. Da Plastizität reinzubekommen, ist schwierig.“ Ott hat dafür immer mehrere Fotos von den Motiven, die Details muss er übersetzen. „Beim Schloss Neuschwanstein konnte ich zum Beispiel nicht jedes Fenster mit auf den Entwurf packen.“ Um die Proportionen richtig hinzubekommen, legte er ein Raster mit kleinen Quadraten auf die Bilder vom Schloss und auf das Modell. So weiß Ott, in welchem Quadrat welches Detail stehen muss. „Vier bis sechs Wochen habe ich gebraucht, bis es fertig war“, sagt er. Plastilin auf eine Gipsplatte, umgießen, voilà ein Negativ, nachbearbeiten, wieder umgießen, ein Positiv, nachbearbeiten.... „Vier bis fünf Mal geht das so, bis das Modell fertig ist. Es ist mehr Handwerk als Kunst“, erzählt Ott, der nichts vom Begriff Münzsdesigner oder Medailleur hält. „Ich bin Münzgestalter, das trifft’s am besten und das versteht auch jeder.“

Erich Ott gilt als einer der Besten in der Branche. In diesem Jahr erst hat er eine 100-Euro-Gedenkmünze aus Gold entworfen. Ein Ehre, die nicht jedem der rund 30 Medailleure beziehungsweise Münzgestalter in Deutschland zu Teil wird. Der Materialwert der Münze liegt aber eigentlich viel höher. „Wenn man einen höheren Betrag auf die Münze drauf prägt, und der Goldpreis sinkt, dann hat trotzdem jeder das Recht, den geprägten Betrag ausbezahlt zu bekommen.“

Auch wenn Ott stolz auf seine Werke ist, lässt er sie sich nicht von den Prägeanstalten zuschicken, auch wenn er es könnte. Er sammelt sie, wenn er sie zum Beispiel im Supermarkt bekommt. Und freut sich dann.

Aus Berlin ließ Horst Seehofer gestern verlauten, dass Neuschwanstein auf dem Zwickl ein „gutes Omen“ für die Währung allgemein ist. Erich Ott meint in Schwabing, wenn der Seehofer das sagt, dann wird das schon so sein.

Patrick Wehner

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