Neustadt an der Waldnaab
+
Neustadt an der Waldnaab

Kreisstadt in der Oberpfalz

Neustadt an der Waldnaab

Neustadt an der Waldnaab feierte 2018 ihr 800-jähriges Bestehen. Die Geschichte der Stadt ist durch wechselnde Herrscher geprägt.

  • Neustadt an der Waldnaab ist die kleinste Kreisstadt in Bayern.
  • Die Stadt übernimmt die Funktion eines Verwaltungs- und Schulzentrums für den Landkreis.
  • Neustadt an der Waldnaab hat zwei historische Schlösser, die bedeutende Baudenkmäler darstellen.

Neustadt an der Waldnaab – Am 27. Januar 1951 erfolgte die Gründung des Landkreissiedlungswerkes Neustadt an der Waldnaab eG. Diese Genossenschaft sollte in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Mietwohnungen und Einfamilienhäuser bauen. Deren Errichtung war dringend erforderlich, da sich die Anzahl der Einwohner der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Zuzug von Heimatvertriebenen stark erhöht hatte.

Neustadt an der Waldnaab: Lage, Geografie und Verkehr

Neustadt an der Waldnaab liegt auf einer Höhe von 419 Metern zentral im Oberpfälzer Wald. Die Floß mündet auf dem Stadtgebiet in die Waldnaab. Die beiden Flussläufe teilen das Stadtgebiet in zwei Hälften. Die Stadt erstreckt sich auf einer Fläche von knapp zehn Quadratkilometern. Damit ist Neustadt an der Waldnaab die flächenmäßig kleinste Kreisstadt in Bayern. Der gleichnamige Kreis bildet einen Bestandteil der Metropolregion Nürnberg.

Neustadt ist über die Ausfahrten Altenstadt und Neustadt an die Bundesautobahn A93 angebunden. Außerdem hat die Kreisstadt einen Eisenbahnhaltepunkt an der Bahnstrecke Weiden-Oberkotzau.

Neustadt an der Waldnaab: Von den Anfängen der Geschichte bis ins 19. Jahrhundert

Im Rahmen von archäologischen Untersuchungen wurden Belege für erste Siedlungen in der Region Neustadt an der Waldnaab für die Frühzeit ab 12000 v. Chr. gefunden.

Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt ist für das Jahr 1218 überliefert. Damals wurde die spätere Kreisstadt in einer Urkunde genannt, mit der sie an den Ortenburger Herrscher Heinrich I verpfändet wurde. In der Folgezeit wurde Neustadt an der Waldnaab zunächst den Wittelsbacher Pfalzgrafen und anschließend Karl IV, König von Böhmen und römisch-deutscher Kaiser übereignet. Als Lehen wurde die Stadt von verschiedenen Lehensnehmern verwaltet, bis sie 1575 an das böhmische Adelsgeschlecht Lobkowitz verkauft wurde. Diese Herrscher errichteten eine Residenz, „Das Neue Schloss“ im Zentrum der Stadt. Im 17. Jahrhundert ging Neustadt an der Waldnaab in der Grafschaft Störnstein auf, die den Status der Reichsunmittelbarkeit innehatte. 1807 wurden diese Grafschaft und damit auch Neustadt ins Königreich Bayern integriert. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierten sich mehrere Glashütten in Neustadt an der Waldnaab. In dieser Zeit erfolgte zudem die Anbindung der Stadt ans Eisenbahnnetz, sodass der überregionale Handel mit Glasprodukten erleichtert wurde.

Im Laufe der Geschichte war Neustadt an der Waldnaab unter mehreren Namensformen bekannt, so zum Beispiel „Nova Civitas“ (1232), „Neustädten“ (1463) oder „Neustedt“ (1575).

Neustadt an der Waldnaab: Die Geschichte bis zur Gegenwart

Um 1900 lebten rund 1.800 Bürger in Neustadt an der Waldnaab. Die Bevölkerungszahl wuchs in den 20er- und 30er- Jahren kontinuierlich an, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte sie sich annähernd verdoppelt. Nach Kriegsende ließen sich viele Heimatvertriebene in der Stadt nieder, insbesondere aus Schlesien und dem ehemaligen Sudetendeutschland. Um den neuen Bürgern bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wurde das Landkreissiedlungswerk Neustadt an Waldnaab e.G. gegründet. Die Genossenschaft errichtete zahlreiche Neubauten, zum größten Teil in Form von Mietwohnungen, teilweise aber auch als kleinere Einfamilienhäuser. Diese Bauten prägen Teile des Stadtbildes bis heute. Zu Beginn der 60er-Jahre lag die Einwohnerzahl bei knapp 5.500.

Durch die deutsche Teilung beziehungsweise die Etablierung des Eisernen Vorhangs geriet Neustadt an der Waldnaab in eine Zonenrandlage. Diese behinderte den wirtschaftlichen Aufschwung. Erst nach der Deutschen Wiedervereinigung verbesserte sich die Lage grundlegend. Auch die Aufnahme mehrerer osteuropäischer Staaten in die EU, insbesondere von Tschechien am 1. Mai 2004, schuf bessere Voraussetzung für die ökonomische Entwicklung der Region.

Neustadt an der Waldnaab: Einwohner und Verwaltung

Am 31. Dezember 2019 hatte Neustadt an der Waldnaab 5.685 Einwohner. Im gleichnamigen Landkreis lebten zum selben Zeitpunkt 94.450 Einwohner.

Die Stadt besteht aus vier Gemeindeteilen, im Einzelnen handelt es sich um:

  • Mühlberg
  • Bergmühle
  • Radschinmühle
  • Neustadt an der Waldnaab

Dabei kam der Ortsteil Mühlberg am 1. April 1972 zu Neustadt. Dieser Eingemeindung war eine Entscheidung der Oberpfälzer Regierung vom 30. Januar 1972 vorangegangen, die sich am erklärten Willen der Bürger von Mühlberg orientierte. Während viele bayerische Landkreise und Kreisstädte durch die große kommunale Verwaltungsreform (1972 bis 1981) eine Erweiterung erfuhren, war dies bei Neustadt an der Waldnaab nicht der Fall. Auch aus diesem Grund ist sie heute die kleinste Kreisstadt im Freistaat Bayern.

Als Kreisstadt ist Neustadt an der Waldnaab für 38 Gemeinden zuständig. Darunter sind die folgenden Städte:

  • Eschenbach in der Oberpfalz
  • Grafenwöhr
  • Neustadt an der Kulm
  • Pleystein
  • Pressath
  • Vohenstrauß
  • Windischeschenbach

Neustadt an der Waldnaab: Politik und Wirtschaft

Die Politik in Neustadt an der Waldnaab wird vom Stadtrat bestimmt. Er setzt sich aus dem Ersten Bürgermeister und den 20 weiteren Mitgliedern des Stadtrats zusammen. Die letzten Kommunalwahlen fanden am 20. März 2020 statt. Aus ihnen war die Partei CSU als Sieger hervorgegangen und hatte sich acht Sitze im Stadtrat gesichert. Die SPD erreichte als zweistärkste politische Kraft sieben Sitze und die Freien Wähler als drittplatzierte Partei fünf. Seit dem 1. Mai 2020 hat Sebastian Dippold das Amt des Ersten Bürgermeisters inne. Er gehört der SPD an.

Die Wirtschaft in Neustadt an der Waldnaab ist von Handwerksbetrieben und mittelständischen Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie Dienstleistern gekennzeichnet. Aufgrund der Funktion als Kreisstadt sind in Neustadt an der Waldnaab zahlreiche öffentliche Einrichtungen ansässig. So stellen zum Beispiel die folgenden Institutionen bedeutende Arbeitgeber dar:

  • Landratsamt
  • Caritas Senioren- und Altenheim
  • Polizeiinspektion

Darüber hinaus bildet die Stadt ein Schulzentrum für den gesamten Landkreis. Neben einer Grund- und Mittelschule haben auch eine Realschule, ein Gymnasium sowie ein berufliches Schulzentrum ihren Sitz in der Kreisstadt.

Neustadt an der Waldnaab: Kultur und Sehenswürdigkeiten

In der Kreisstadt und dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab finden Besucher zahlreiche kulturelle Sehenswürdigkeiten. Dazu gehört das Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr. Es zeigt in einer Dauerausstellung die Geschichte des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr. Er wurde 1910 in Betrieb genommen. Im Dritten Reich wurde er erweitert, für diesen Zweck mussten 3.500 Bürger ihre Heimat in 57 Dörfern aufgeben. Darüber hinaus präsentiert dieses Museum Dokumente und andere Exponate im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und dem allgemeinen Soldatenleben. Das Stadtmuseum informiert über die lange und wechselvolle Geschichte von Neustadt an der Waldnaab.

Mehrere historische Gebäude auf dem Stadtgebiet gelten als interessante Sehenswürdigkeiten: Das Alte Schloss, für das auch die Bezeichnung „ehemalige Burg“ verwendet wird, wurde im 15. Jahrhundert im spätgotischen Stil als Giebelbau errichtet. In unmittelbare Nähe steht das Neue Schloss, das Ende des 17. Jahrhunderts nach Plänen des Baumeisters Antonio Porta für die Lobkowitzer Herrscher gebaut wurde. Außerdem sind unter anderem die folgenden historischen Gebäude sehenswert:

  • Stadtpfarrkirche St. Georg
  • Wallfahrtskirche St. Felix
  • Friedhofskirche Zur Heiligen Dreifaltigkeit

Zwischen Falkenberg und Windischeschenbach liegt das Naturschutzgebiet Waldnaabtal. Es hat ein dichtes Netz an Rad- und Wanderwegen.

Neustadt an der Waldnaab: Weitere Sehenswürdigkeiten

Zu den beliebten Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Neustadt an der Waldnaab zählt das Wurzelmuseum in Tremmersdorf. Es zeigt eine einzigartige Sammlung von Tierfiguren, die aus verschiedenen Wurzeln hergestellt wurden. Der Tierpark Gleitsbachtal beherbergt zahlreiche heimische wild lebende Tiere und Nutztiere in einem großzügigen Parkgelände (40.000 Quadratkilometer). Große und kleine Besucher können viele der Tiere mit der Hand selbst füttern.

Mehr zum Thema

Kommentare