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„Badeseen sind total gefährlich“: Schwimmtrainerin Brigitte Hinz übt mit jungen Flüchtlingen lieber im Nichtschwimmerbecken des Fürstenfeldbrucker Bads.

Nichtschwimmer in Gefahr

Tödliche Badeunfälle: Bruckerin bringt Flüchtlingen das Schwimmen bei

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München - Die hohen Temperaturen locken auch viele Asylbewerber an die Badeseen. Mehrmals schon mit fatalen Folgen: Denn viele Flüchtlinge können nicht schwimmen. Schwimmkurse wären eine Lösung – aber das ist schwer zu organisieren.

Brigitte Hinz, 68, trainiert normalerweise jugendliche Leistungsschwimmer bei den „Wasserratten“ in Fürstenfeldbruck. Da geht es um Wettkampfzeiten, Leistungsabzeichen und Vereinsrekorde. Neuerdings aber kümmert sich Brigitte Hinz auch um jugendliche Asylbewerber. In Fürstenfeldbruck gibt es ein Heim für minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern dastehen. Ihnen will sie Schwimmen beibringen. Möglichst schnell und unkompliziert. Auf die richtige Kraultechnik kommt es nicht an. Hauptsache sei, so Brigitte Hinz, dass sie sich irgendwie über Wasser halten können.

Dass Nicht-Schwimmer unter den Flüchtlingen ein großes Problem sind, zeigt sich dieser Tage auf erschreckende Weise. An Fronleichnam ertranken gleich drei Asylbewerber: Ein 26-jähriger Palästinenser trat im Weinzierlweiher bei Großmehring (Kreis Eichstätt) über eine Abbruchkante, wo das Gewässer vier Meter tief abfällt. Er ertrank ebenso wie ein 20 Jahre alter Asylbewerber aus Eritrea, der im Auensee südlich von Königsbrunn unter ging und trotz verzweifelter Rettungsversuche von Augenzeugen verstarb. Auch am Staffelsee bei Murnau ertrank unweit der Halbinsel „Lindenbichl“ ein 27-jähriger Asylbewerber aus Syrien. Ein 29-jähriger Senegalese, ebenfalls Flüchtling, konnte noch aus dem Weitsee (Kreis Traunstein) geborgen und reanimiert werden – sein Zustand ist kritisch.

Schrecklich sei das, sagt Brigitte Hinz. „Badeseen sind total gefährlich.“ Auch mit Luftmatratzen, Schwimmnudeln oder -brettern könne die Erfrischung in Badeseen für Nichtschwimmer tödlich enden. Auch der Bayerische Flüchtlingsrat ist besorgt. „Wir werden eine Rund-E-Mail an alle Helferkreise schicken und vor dem Baden in Badeseen warnen“, kündigt ein Sprecher ein. Viel mehr Möglichkeiten gebe es nicht.

Doch, meint Hinz, eine Lösung gebe es: Schwimmtraining für Flüchtlinge. Erste Versuche stimmen hoffnungsvoll. „Die haben echt eine Gaudi.“ Nach nur fünf, je einstündigen Kurstagen konnten drei Asylbewerber schwimmen. Immerhin ein Anfang. Eigentlich seien zehn Kurstage Pflicht, meint Hinz. Als Schwimmer gilt bei der Trainerin nur jemand, der zwei 25-Meter-Bahnen durchhält. „Dann kann er auch mal in den See reingehen.“ Nicht jeder Flüchtling hat die Disziplin, zu zehn Kurstagen zu kommen. Manche werden auch durch Behörden einfach in andere Unterkünfte verschickt – und kommen nicht wieder. Andere sind traumatisiert. Ein junger Mann aus Eritrea traute sich im Fürstenfeldbrucker Hallenbad nicht einmal knöcheltief ins Wasser. „Hast Du Angst?“, fragte ihn Hinz. Ja, gestand der junge Mann. Nach zwei Unterrichtsstunden kam er nicht mehr. Brigitte Hinz wundert sich noch immer: „Ein so großer kräftiger Mann. Aber wer weiß, was er für ein Schicksal hatte.“

Sie wünscht, dass auch in anderen Schwimmbädern Kurse für Flüchtlinge stattfinden. „Jeder Verein sollte sich da engagieren.“ Im Fürstenfeldbrucker Hallenbad geht das allerdings derzeit nicht mehr – es wird gerade saniert.

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