Wer wird Deutschlands erste Frau im Weltall?

Astronautin gesucht: Zwei Frauen aus München und Heidelberg wollen ins All

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Nicola Baumann aus München oder Insa Thiele-Eich aus Heidelberg könnte die erste deutsche Frau im Weltraum werden. Doch zunächst muss die Privat-Initiative auf dem Weg ins All ein finanzielles Husarenstück stemmen.

München/Berlin – Keine Frage: Diese beiden Frauen haben’s drauf. Nicola Baumann aus München, Jahrgang 1985, und die zwei Jahre ältere Insa Thiele-Eich aus Heidelberg (Baden-Württemberg) bringen alles an Eigenqualifikationen mit, was eine Astronautin braucht. 

Die beiden haben sich gegen 400 Bewerberinnen aus ganz Deutschland durchgesetzt, die alle als erste deutsche Frau auf Forschungsmission zu einer Raumstation fliegen wollten. Ins Finale schafften es sechs von ihnen, vier davon aus Bayern.

Bevor am Mittwoch die endgültige Entscheidung der Jury fiel, durchliefen die Kandidatinnen das strikte medizinisch-psychologische Auswahlverfahren des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt – nach den gleichen Kriterien, nach denen auch die Europäischen Raumfahrtorganisation ESA bei der Suche nach ihren Astronauten urteilt.

Nicola Baumann und Insa Thiele-Eich wollen nach den Sternen greifen

Nicola Baumann fliegt beruflich Kampfjets für die Bundeswehr, mit Dienstrang Major und hat nebenher Maschinenbau studiert. Ihre Kollegin Insa Thiele-Eich ist die Tochter des ESA-Astronauten Gerhard Thiele. Die beiden wollen ein Rollenmodell für Frauen in den Naturwissenschaften sein.

Nicola Baumann aus München ist Kampfjet-Pilotin bei der Bundeswehr.

Zwei Siegerinnen gibt es deshalb, weil für jede Weltraummission ein „Reserveastronaut“ gebraucht wird. Wer wirklich startet, entscheidet sich erst ein knappes Jahr vor dem Start ins All. Der soll nach dem Willen der Privat-Initiative „Die Astronautin“ im Jahr 2020 stattfinden.

Das erwartet Nicola Baumann und Insa Thiele-Eich

Zeit genug, damit die beiden „Astronauten-Trainees“ -  Baumann und Thiele-Eich - sich auf ihre Mission vorbereiten können. Bei einer solchen Ausbildung stehen Programmpunkte wie Überlebens- und Belastbarkeitstrainings an, aber auch technische Schulungen sowie ein Russisch-und ein Tauchkurs.

Das kostet die Mission 

Das alles kostet eine Menge Geld. Gut 300.000 Euro allein der erste Ausbildungsabschnitt für die zwei Siegerinnen. Die Schätzungen für die Gesamtkosten eines Weltraumflugs reichen von 30 bis 100 Millionen Euro. Die Finanzierung ist damit das Haupthindernis auf dem Weg in den Weltraum. Denn hinter den beiden potenziellen Astronautinnen steht keine Weltraumorganisation oder Regierung, sondern eine private Initiative, die vor allem online um Privatspenden wirbt. Die Kampagne dafür hat seit März gut 27.000 Euro eingespielt. Kommen bis Ende April nicht wenigstens 50.000 zusammen, ist schon die erste Hürde gerissen.

Insa Thiele-Eich aus Heidelberg ist Meteorologin. Bereits ihr Vater flog mit dem Space-Shuttle ins All.

Vor allem hofft die Hauptinitiatorin Claudia Kessler, Chefin eines Unternehmens, das auf Personalvermittlung in der Raumfahrtbranche spezialisiert ist, darum auf potente Groß-Sponsoren. Die haben derzeit allerdings statt Geld vor allem warme Worte für die Aktion übrig. Bundeswirtschaftsministerin Zypries (SPD) sprach bei der Verkündung der Siegerinnen am Mittwoch in Berlin von einem „großen Moment“, schränkte aber ein, dass sie nur „ideelle Unterstützung“ leisten werde. Auch ein Vertreter des Flugzeug- und Raketenbauers Airbus, der als Hauptsponsor auftrat, sprach wolkig von Expertenwissen und Trainingsausrüstung, die das Unternehmen zur Verfügung stellen könne. Der Schuhhersteller Nike wird immerhin konkreter: Er hat Turnschuhe für die Astronautinnen geschickt.

Trotzdem: „Ich bin vollkommen überzeugt, dass wir das schaffen“, sagt die Organisatorin Claudia Kessler über das ambitionierte Vorhaben. Sie will gemeinsam mit Nicola Baumann und Insa Thiele-Eich nach den Sternen greifen. Ob das gelingt, steht in denselben.

Übrigens: Ein Konkurrenzkampf zwischen den beiden letzten Kandidatinnen scheint jedenfalls nicht zu befürchten. Baumann betont: „Wir sind ein Team und sind wirklich gemeinsam für diese Sache da.“

Rubriklistenbild: © Juliana Sochner

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