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Agentur für Arbeit.

Immer mehr Flüchtlinge

Niedrigste August-Arbeitslosenquote in Bayern seit knapp 20 Jahren

Nürnberg - Immer mehr Flüchtlinge suchen in Bayern einen Job. Trotzdem verzeichnet der Freistaat die niedrigste August-Arbeitslosenquote seit fast 20 Jahren. Denn die Beschäftigung erreicht gleichzeitig ein neues Allzeithoch.

Trotz zunehmender Flüchtlings-Arbeitslosigkeit und Sommerpause hat die Arbeitslosenquote in Bayern ein Rekordtief für einen August erreicht. Mit 3,5 Prozent registrierte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit den niedrigsten je in diesem Monat gemessenen Wert seit dem Jahr 1997, wie die Behörde am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Im Vergleich zum Juli stieg die Quote zwar um 0,2 Punkte, im Vorjahresvergleich sank sie aber um 0,1 Zähler. Die Zahl der Jobsucher im Freistaat stieg auf knapp 250 000.

Das waren etwa 13 000 Erwerbslose mehr als im Juli, aber fast 4000 weniger als im Vorjahr. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat sei saisonüblich, sagte der Chef der Regionaldirektion, Markus Schmitz: „Dies ist vorwiegend durch den Anstieg der jungen Menschen begründet, die sich nach der Schulzeit oder der Ausbildung arbeitslos melden.“ Er sah daher „klare Signale für einen starken Arbeitsmarkt im August“. Davon profitieren auch Langzeitarbeitslose, Schwerbehinderte und ältere Arbeitslose.

Regionaldirektion zählt Ausbildungen und Praktika nicht mit

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit falle im Vergleich zum Juli etwas stärker aus als in den beiden Vorjahren, sagte Schmitz. Ursache dafür sei die zunehmende Zahl von Flüchtlingen, die allmählich auf dem Arbeitsmarkt ankommen. Knapp 15 900 Flüchtlinge sind aktuell arbeitslos gemeldet. Das sind etwa 1400 mehr als im Juli. Der Großteil der Geflüchteten absolviert derzeit jedoch noch Sprach- und Integrationskurse, Weiterbildungen oder eine Ausbildung. Dies sind aktuell etwa 28 000 Menschen, die damit als arbeitssuchend gelten.

Mit Hilfe eines speziellen Arbeitsmarktprogramms für Geflüchtete, das Regionaldirektion, Staatsregierung und Wirtschaft ins Leben gerufen haben, wurden seit Dezember 17 000 anerkannte Flüchtlinge, Asylbewerber und Geduldete in Arbeit gebracht. Hinzu kommen etwa 3000 Ausbildungen und rund 9000 Praktika. Ziel war, bis zum Jahresende 20 000 Geflüchtete in Arbeit, Ausbildung oder Praktika zu vermitteln.

Da die Regionaldirektion Ausbildungen und Praktika nicht mitzählt, sieht sie inzwischen „85 Prozent des Paktziels erreicht“. Für den Präsidenten der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Alfred Gaffal, ist das Ziel dagegen „bereits jetzt deutlich übertroffen“. Er rechnet bis zum Jahresende mit mehr als 35 000 Geflüchteten, die in Praktika, Ausbildung oder Arbeit gebracht werden.

110 000 Stellen im August ist Höchstwert

Bayerns DGB-Chef Matthias Jena zeigte sich hier jedoch skeptisch: „Was wir bisher oft bei dieser Initiative sehen, sind befristete Helferstellen. Ausbildung findet kaum statt, dafür gibt es jede Menge Praktika, bei denen sich erst zeigen muss, ob sie einen Übergang in Arbeit oder Ausbildung leisten können.“

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind noch knapp 11 000 junge Menschen in Bayern auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Gleichzeitig sind noch rund 27 000 Lehrstellen unbesetzt. Erfahrungsgemäß herrsche aber noch bis in den Herbst hinein viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt, sagte Schmitz.

Die Zahl der Menschen mit regulärem Job erreichte nach aktuellen Hochrechnungen ein neues Allzeithoch: Im Juni waren demnach 5,3 Millionen Menschen in Bayern sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Und die Firmen im Freistaat suchen weiter nach Mitarbeitern: Mehr als 34 000 offene Stellen wurden im August neu gemeldet. „Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist in Bayern weiterhin sehr hoch“, sagte Schmitz. Der Bestand erreichte mit mehr als 110 000 Stellen im August einen Höchstwert.

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