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Nur der „Echte“ zählt: Zwei bayerische Kinder mit dem unverfälschten Nikolaus.

Weihnachtsmann in Bayern unerwünscht

Nikolaus, die einzig wahre Versuchung

München - Dick, freundlich und rotbäckig: Der Weihnachtsmann hat die vorweihnachtliche Zeit fest im Griff. Sein christlicher Kontrahent, der heilige Nikolaus, gerät immer mehr in Vergessenheit.

Update vom 5. Dezember 2016: Am Nikolaustag am 6. Dezember 2016 beschenkt der Heilige Nikolaus die Kinder. Wir haben zusammengefasst, was Sie zum Heiligen Nikolaus und den Bräuchen wissen müssen.

Kirche und Trachtler in Bayern kämpfen für die Präsenz des Nikolaus' – als Schokofigur im Supermarktregal. 

Der bayerische Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) will dem heiligen Nikolaus den Rücken stärken: Denn der wird von seinem amerikanischen Gegenstück immer weiter in den Schatten gedrängt – Europa ist im Weihnachtsmannfieber.

Um diese Entwicklung einzudämmen, will der KDFB das Übel an der Wurzel anpacken. Die süße Ausgabe des heiligen Bischofs soll in den Supermarktregalen wieder die Vorherrschaft erlangen: Mit Mitra und Bischofsstab gegen Bommel an der Mütze und weißen Fellbesatz am roten Mantel.

Der Schoko-Nikolaus tritt gegen den Schoko-Weihnachtsmann an. Der KDFB hat dazu eine Postkartenaktion zur Rettung des Nikolaus gestartet. Denn als Sinnbild der katholischen Adventszeit war der Nikolaus besonders im Mittelalter der zentrale Heilige in der katholischen Kirche. Damals brachte er den Kindern Geschenke.

Erst seit der Reformation kommt das Christkind am 25. Dezember zu den Kindern. Der Weihnachtsmann taucht im 19. Jahrhundert in den USA auf. Auf den Karten, die an die Süßwarenindustrie adressiert sind, steht die Bitte, den Bischof von Myra in das Sortiment aufzunehmen. Jeder Nikolaus-Fan kann die Karten unterschreiben und abschicken.

85 000 Karten wurden bisher beim KDFB bestellt. Im Grunde genommen aber sei die Industrie hier der falsche Ansprechpartner – meint Rüdiger Funke vom „Infozentrum Schokolade“ des Bundesverbands der deutschen Süßwarenindustrie: „Alle namhaften Hersteller von Saisonartikeln haben den heiligen Nikolaus bereits in ihrem Sortiment.“

Bei einer Vorstandssitzung hat Funke den Herstellern von der Aktion erzählt: „Die Süßwarenindustrie sagt, dass die Nachfrage allein vom Handel bestimmt werde.“ Heißt: Nur wenn die Geschäfte die Nikoläuse bestellen, können die Hersteller diese liefern. „Wir müssen also das Bewusstsein der Verbraucher schärfen, dass in den Geschäften auch nach dem Nikolaus nachgefragt wird“, sagt die Sprecherin des KDFB, Ulrike Müller-Münch.

„Ganz verschiedene Organisationen sind da schon am Ball.“ Auch vom bayerischen Trachtenverband bekommt der KDFB Schützenhilfe. Die Trachtler haben schon vor zwei Jahren begonnen, den Nikolaus etwa mit Malaktionen zu fördern. „Nichts gegen den Weihnachtsmann – aber der Nikolaus sollte nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Trachtler Walter Sirch.

Auf der Suche nach Schoko-Nikoläusen sind die bayerischen Trachtler auch fündig geworden: Der Lebensmitteldiscounter Norma etwa hat den Bischof in seinen Regalen stehen. Und sogar ganz in lila gibt es einen Nikolo, und einen Krampus – allerdings nur in Österreich.

„Die Firma Milka haben wir schon des öfteren angesprochen, warum es in Deutschland nur den Weihnachtsmann im Sortiment gibt“, berichtet Walter Sirch. „Aber Milka meinte, den Bedarf an Nikoläusen gebe es nur in Österreich – nicht aber in Bayern.“

Echte Schokonikoläuse gibt es bei verschiedenen Firmen - z.B. im Internet bei www.vivat.de.

Mehr Informationen gibt es unter www.bischof-nikolaus.net und www.weihnachtsmannfreie-zone.de.

Die Postkarten des KDFB können bei Ingrid Krist unter krist@frauenbund-bayern.de oder 0 89/28 62 37 17 bestellt werden.

Nina Praun

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