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Letzter Schliff: Albert Greis arbeitet mit dem Airbrush an seinen ausdrucksstarken Gesichtern. 

Nikolaus und Weihnachtsmann

Bodypainter greift zum Holz

Pöttmes-Aindling – Eigentlich verziert er Körper. Aber in der Vorweihnachtszeit hat Bodypainter Albert Greis aus Aindling kurzzeitig umgesattelt und Holzstämme mit Nikolausgesichtern bemalt. Die sind so ausdrucksstark, dass sie den Betrachter fesseln.

Plötzlich stand Albert Greis vor einem knapp drei Meter hohen Holzstamm. Und wie nun da hochkommen? Der 58-Jährige ist gerade mal 1,70 Meter groß, strecken half da nichts. Warum musste das Ding auch so verdammt groß sein?

Greis ist ein entspannter Typ. Aber vielleicht merkte er in diesem Moment, was er sich eingebrockt hatte. Eigentlich wollte er ja gar keine Nikolausgesichter mehr malen. Aber Elmar Winkler ließ einfach nicht locker. Der 43-Jährige aus Königsmoos (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) hatte sich schon vor Jahren in Greis’ erste Nikolaus-Generation verguckt. „Elmar ist ein Untergrundkämpfer, sowas von penetrant und nervig“, sagt Greis und lacht. Er ließ sich von Winkler überreden – und stand mit einem Mal tagelang in einer Scheune nahe Pöttmes (Kreis Aichach-Friedberg). Um zu malen.

Nikolaus oder Weihnachtsmann - eigentlich nicht Albert Greis‘ Metier

Greis sagt Nikoläuse, dabei ähneln die Gesichter eher denen von Weihnachtsmännern, so ohne Bischofsmütze. Aber egal, denn eigentlich sind beide Herren nicht sein Metier. Greis ist Bodypainter, bemalt also menschliche Körper und macht aus ihnen herrliche Kunstwerke. Als Winkler ihn fragte, ob er ihm trotzdem einen Nikolaus bemalen könnte, versuchte es Greis mit einer List. Geht in Ordnung, sagt er. Aber nicht nur einen, sondern 30, damit es sich lohnt. Der Abschreckungseffekt trat nicht ein. Denn kurze Zeit später rief Winkler an und sagte: „Dein Material ist da, Du kannst anfangen.“

Aus 30 sind nun 100 Nikoläuse geworden, und so ganz nebenbei erklärte Winkler dem Künstler, dass er ein größeres Exemplar für sein eigenes Anwesen haben wolle. Mit größer meinte er 2,80 Meter. Umlegen ließ sich das Trumm nicht so ohne Weiteres, eine Leiter musste her, um im ersten Schritt Risse im Baumstamm zuzuspachteln und die hautfarbene Grundierung aufzutragen, ehe es an die Feinheiten des Gesichts gehen konnte. Dessen Rundung ist – neben dem künstlerischen Können des international bekannten Bodypainters – das Geheimnis der ausdrucksstarken Gesichter, deren Augen den Betrachter verfolgen, ähnlich wie es barocke Künstler wie die Gebrüder Asam perfektioniert hatten. „3-D Effekt“, nennt Winkler den lebensnahen Eindruck, den die kleinen Kunstwerke beim Betrachter hinterlassen.

Jeder Nikolaus ist ein Unikat

Die meisten Nikoläuse sind zwischen 30 und 50 Zentimeter hoch, der kleinste misst 20 Zentimeter, die Größen variieren. Es gibt dicke und dünne, manche haben längliche, andere runde Gesichter, je nachdem, wie das Ausgangsmaterial es dem Künstler vorgibt. Mal zeigt die Zipfelmütze nach rechts, mal nach links, die einen haben runde Brillen, andere eckige, manch einer trägt einen lockigen Bart, beim nächsten spitzen die Haare unter der roten Zipfelmütze hervor, bei anderen verschwinden sie ganz.

Greis’ Nikoläuse sind Unikate, und ganz bezaubernde dazu. Den letzten Schliff erhalten sie mit einer Airbrush-Pistole. Das Team, zu dem neben Winkler auch Herbert Stöckl, der Besitzer der Scheune, und Günter Gietzel (34) aus Schrobenhausen gehören, hat größtenteils Buchen- und Birken- sowie einige Fichtenstämme in verschiedenen Dicken besorgt. Das meiste Holz bekamen sie geschenkt, auf die richtige Länge gesägt haben sie es selbst. Nur Winklers 2,80 Meter hohes Sonderexemplar stammt aus einem Sägewerk, weil das eigene Equipment dafür nicht gereicht hätte.

Es gibt auch Osterhasen

Die erste Generation entstand vor zwölf Jahren. Damals brauchten Bekannte von Greis Nikoläuse für einen Weihnachtsmarkt und baten ihn um Hilfe. Die ersten 25 Exemplare entstanden bei einem Kasten Bier. Irgendwann waren es rund 500 Nikoläuse – und ein paar Osterhasen. „Nach zwei Jahren konnte ich kein Bier mehr trinken“, erinnert sich Greis. So etwa 1000 oder 2000 Stück dürfte er gemalt haben, mehr oder weniger ehrenamtlich, bis er die Reißleine zog.

Mit Winkler hat er nun die Vereinbarung getroffen, dass die Nikoläuse zwischen ihm und dem Helferteam aufgeteilt werden. Einige wird er verkaufen, so viele Nikoläuse braucht schließlich kein Mensch.

Andrea Hammerl

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