Für Menschen nicht gesund

Nitrat im Grundwasser: Streit zwischen Grünen und Landwirten

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München - Die CSU wirbt gerne mit Bayerns intakter Natur. Unter der Erdoberfläche ist Bayerns Natur nicht ganz so intakt – vor allem in Unterfranken. Es gibt Streit über Nitrat, das über die Düngung ins Grundwasser gelangt. Die Staatsregierung aber lehnt strengere Vorgaben für die Landwirte ab.

Eigentlich hätte 2015 ein besonders gutes Jahr für Bayerns Grundwasser werden sollen. Denn nach der Wasserrahmenrichtlinie sollte 2015 ein „guter Zustand“ der europäischen Gewässer erreicht werden. Doch nicht nur Bayern, auch das restliche Deutschland, ist von einer Zielerreichung weit entfernt. Ein Hauptgrund: die Nitratbelastung des Grundwassers. Nitrat ist ein bekömmliches Grundnahrungsmittel für Pflanzen. Für Menschen dagegen ist Nitrat weit weniger gesund: Im Körper kann der Stoff in krebserregendes Nitrit umgewandelt werden. Bei Säuglingen kann eine Überdosis Nitrat Blausucht und Erstickungssymptome verursachen.

Hauptursache der Nitratbelastung des Grundwassers ist der Mineraliendünger, den die Bauern verwenden. Im Landtag nehmen sich insbesondere die Grünen des Themas an. „Nitrat wird eigentlich nicht abgebaut“, sagt Umweltexperte Christian Magerl. „Es verdünnt sich allenfalls.“ Die Wasserrahmenrichtlinie gilt seit dem Jahr 2000, der europaweite Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Doch getan hat sich wenig. In Bayern werde auf „rund 24 Prozent der Landesfläche der gute Zustand bezüglich Nitrat derzeit noch nicht erreicht“, heißt es beim Landesamt für Umwelt in Augsburg. Neue Zielmarke ist das Jahr 2021. Nach einer Risikoanalyse des Amts ist auf mehr als einem Drittel der Landesfläche die Erreichung „unwahrscheinlich“. „Für mich ist das Skandalöse, dass die Ziele eigentlich sogar heruntergeschraubt wurden“, sagt dazu Grünen-Politiker Magerl. „Vor zehn Jahren hieß es: 2015 erreichen wir bei 80 Prozent des Grundwassers einen guten Zustand. Und nach der neuen Risikoanalyse wird das Ziel bis 2021 nur bei etwas über 60 Prozent des Grundwassers erreicht.“

Bayerns Bauern wehren sich gegen pauschale Vorwürfe. Der stellvertretende Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Georg Wimmer, bemängelte, dass die Zahlen der Risikobewertung für das Jahr 2021 nicht mit der Zustandsbeurteilung 2015 vergleichbar seien, weil sie auf einer unterschiedlichen Datengrundlage entstanden seien. „Die Grünen sollten bitte zur Kenntnis nehmen, was die Bauern bereits alles tun“, so Wimmer. So habe es 2013 über 32 000 Hektar extensiven Grünlandumbruch entlang der Gewässer gegeben, 45 000 Hektar Winterbegrünung und auf 8000 Hektar sei an Gewässern Ackerland in Grünland umgewandelt worden. Diese Maßnahmen wirkten allerdings nicht von heute auf morgen. Das sei ein längerfristiger Prozess. Zudem: „93,5 Prozent des bayerischen Trinkwassers erfüllen ohne weitere Behandlung die strengen Normen der Trinkwasseraufbereitung.“ Die umfangreichen freiwilligen Leistungen hätten sich also bewährt: „Die Grünen wären gut beraten, den Landwirten dafür Anerkennung zu zollen“, ärgert sich der stellvertretende BBV-Generalsekretär.

Carsten Hoefer und Claudia Möllers

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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