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Das Kloster Altomünster ist jetzt im Besitz des Münchner Erzbistums. Es hat zwar einen erheblichen Wert, doch es müssen 40 Millionen Euro investiert werden.

In zehn Jahren wird deutlicher Einbruch befürchtet

Bilanz von 3,4 Milliarden: Noch sprudelt die Kirchensteuer für das Erzbistum

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Die Finanzsituation der Erzdiözese München und Freising kann sich sehen lassen. Der Generalvikar erklärt: Die Kirche müsse teure Wandlungsprozesse finanzieren.

München - Ein stolzes Ergebnis: 3,368 Milliarden Euro beträgt die Bilanzsumme des Erzbistums München und Freising, die Generalvikar Peter Beer gestern mit Finanzdirektor Markus Reif in München vorgestellt hat. Im Vergleich zum Vorjahr stieg sie um 106 Millionen Euro. Allein der Wert der bebauten und unbebauten Grundstücke wird mit 1,31 Milliarden Euro angegeben. Zu diesen Grundstücken gehört auch das Birgittenkloster in Altomünster (Kreis Dachau), das nach der Auflösung des Klosters in den Besitz des Erzbistums übergegangen ist.

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„Es gibt ja die Vermutung, das Erzbistum bereichere sich am Klostergut“, greift Beer die Kritik in Altomünster oder auch in Reutberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) auf, wo ein weiteres Kloster vor der Auflösung steht. Der Generalvikar stellt eine andere Rechnung auf: Zwar bringe Altomünster einen Vermögenszuwachs von zehn Millionen Euro – aber es gebe einen geschätzten Bedarf für die Umgestaltung zu einem Haus der Stille in Höhe von 40 Millionen Euro. „So viel zum Thema Bereicherung“, sagt Beer.

Bistum nimmt 640 Millionen Euro ein

Die Kirchensteuer sprudelt derzeit noch munter. Eingenommen wurden 640 Millionen Euro – 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch am Horizont sehen die Verwaltungs-Verantwortlichen dunklere Wolken aufziehen. In acht bis zehn Jahren befürchten sie einen deutlichen Einbruch bei den Kirchensteuereinnahmen. Und: Schon jetzt müsse viel Geld in die Hand genommen werden, um notwendige Veränderungen im Erzbistum zu finanzieren. Beer spricht von großen Wandlungsprozessen, die es zu gestalten gebe. 

Generalvikar Peter Beer.

Er verweist auf München, wo einige Stadtteile wachsen und die Kirche überlegen muss, „wie wir präsent sein können“. In anderen Stadtteilen schrumpften die Pfarreien. Man müsse also über eine Neuverteilung der Ressourcen und die Erschließung neuer Handlungsfelder nachdenken. „Alles unverändert weiter zu führen und Neues einfach dazu zu nehmen, übersteigt die diözesane Leistungsfähigkeit“, warnt der Generalvikar. Mit seinen vielen historischen Kirchen habe das Erzbistum auch besondere Lasten zu tragen.

In Ostdeutschland gibt es Finanzprobleme in den Kirchen

Auch deutschlandweit ist die Finanzsituation der Bistümer ein heißes Thema. Nicht nur im Osten der Republik gibt es Diözesen, die bereits arge Finanzprobleme haben. Das Erzbistum Hamburg steckt tief in einer Schuldenfalle, massive Reformen sind nötig, katholische Schulen sollen geschlossen werden. Auf der Ebene der Deutschen Bischofskonferenz wird bereits über Modelle eines möglichen Solidarfonds diskutiert. Doch das geht Generalvikar Peter Beer zu schnell. Bevor solche Gedankenspiele angestellt werden, müsse erst einmal eine vergleichbare Rechnungslegung in den 27 Bistümern vorliegen.

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Nur eine Handvoll Diözesen – darunter federführend das Münchner Erzbistum – legt einen Haushalt nach den Vorgaben des Handelsgesetzbuches (HGB) für große Unternehmen vor. „Nicht der, der am lautesten schreit, ist der Ärmste“, sagt Beer. Er wünscht sich ehrliche und offene Diskussionen auf der Basis von Zahlen – nicht auf der Basis von Gefühlen.

Wie wichtig eine professionelle Rechnungslegung ist, davon kann der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke ein Lied singen. In seinem Bistum hat der frühere Vize-Finanzchef 54 Millionen US-Dollar in dubiose Darlehen für zweifelhafte Immobilienprojekte in den USA angelegt – ohne Absicherung. Ob das Bistum das Geld jemals zurückbekommt, ist ungewiss. Gegen den Ex-Finanz-Vize und einen weiteren Mann wird ermittelt wegen Untreue und Bestechlichkeit. Aufgeflogen ist der Finanzskandal, als der Bischof die Rechnungslegung umgestellt hatte.

Claudia Möllers

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