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Falk Stirkat berichtet in seinem Buch über seinen Notarzt-Alltag.

"Ich kam, sah und intubierte"

Ein Beruf am Limit: Notarzt berichtet über seinen Alltag

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Nürnberg - Falk Stirkat rettet Leben: Er ist Notarzt. Der 30-Jährige berichtet über seinen Berufsalltag und erklärt, wie spannend sein Job ist - und dass Notärzte stets am Limit leben.

In unserer Leserreporter-Serie haben kürzlich Rettungssanitäter über ihren Job gesprochen. Sie berichteten vom schwierigen Alltag mit Toten und Verletzten, von Leuten, die ihren anspruchsvollen Beruf nicht würdigen und von schlechten Arbeitsbedingungen. Auch Falk Stirkat teilt eine ähnliche Arbeit wie die Rettungssanitäter: Er ist Notarzt.

"Ich habe den schönsten Beruf der Welt"

In seinem neuen Buch "Ich kam, sah und intubierte" schreibt der 30-Jährige über seinen Arbeitsalltag. Stirkat will von den Menschen berichten, deren Geschichten er täglich miterlebt. Diese Berichte sollen nicht auf billiges Papier gepresst in Ordnern vergilben. Sie sollen den Menschen zeigen, wie das Alltagsleben von Sanitätern und Notärzten abläuft.

Stirkat beginnt mit seinem ersten Arbeitstag. Er erinnert sich noch genau: "Ich half einem älteren Mann, der aus drei Metern Höhe von einem Dach gefallen war, und hinderte ein kleines Mädchen daran zu verbluten", erzählt Stirkat.  In der Nacht kam dann noch ein Fall: Ein Mann hatte einen Herzinfarkt erlitten, er konnte gerade noch gerettet werden. "Alles in allem ein ruhiger Tag", schreibt Stirkat.

Deutschland hat eines der besten Rettungssysteme weltweit

Der Notarzt sagt, er habe den schönsten Beruf der Welt. Genau so gelassen, wie er auf seinen Arbeitsalltag blicken muss, ist auch sein Buch gestaltet. Trotzdem bleibt er bei den Geschichten über Schwerverletzte und Tote sachlich. So berichtet er von einem Beispiel, das jeder kennen könnte: Man sitzt mit dem Großvater am Tisch und merkt dass dieser "nicht mehr so richtig auf dem Damm ist", wie Stirkat es beschreibt. Als der Nachtisch ins Wohnzimmer gebracht wird, weicht plötzlich die Farbe aus Opas Gesicht, er knickt ein und segelt mit halsbrecherischer Geschwindigkeit dem Fußboden entgegen. Nach einem kurzen Schock fischt man mit steifen Fingern das Handy aus der Tasche und wählt die 112.

"Weil Ihr Großvater das Glück hat, in Deutschland zu leben, wird es nun weniger als zehn Minuten dauern, bis ihm professionelle Hilfe zuteilwird", schreibt Stirkat. Er sei stolz, dass Deutschland eines der besten Rettungssysteme weltweit habe. Während einem am Telefon von der Leitstelle jede Menge Fragen gestellt werden, wird der Fall bereits an das Rettungsteam weitergegeben. "Was die meisten Menschen als eine Ewigkeit [...] empfinden, dauert meist nicht länger als eine halbe Minute", erklärt Stirkat. Die Rettungskräfte sind mit ähnlicher Geschwindigkeit unterwegs: Sie brauchen meist nicht mal fünf Minuten zur Unfallstelle.

Augenblicke, die über Glück und Leid entscheiden

Wer Notarzt werden will, benötigt neben einem Medizinstudium einige zusätzliche Qualifikationen. Dazu gehört auch ein zehntägiger Kurs. Stirakt wollte das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und absolvierte diesen auf der Nordseeinsel Sylt. Die Kurse dort seien sehr hart gewesen, so der Notarzt. So gehörte auch das Thema Polytrauma dazu, ein Krankheitsbild, bei dem ein Mensch zu einem ziemlich ungesunden, teils deformierten Patienten wird. Zu Deutsch: Ein Autounfall. Die Kursteilnehmer bekamen hierzu ein Video gezeigt, das manchen das Frühstück wieder hochkommen ließ. Ein Anwesender war wohl so geschockt, dass er das Bewusstsein verlor. Die Umstehenden handelten schnell - und riefen den Notarzt.

Am anderen Apparat glaubte der Leitstellenmitarbeiter natürlich, dass es sich um einen Scherz handle. Notärzte, die einen Notarzt rufen! Entsprechend war auch die Reaktion der Kursteilnehmer, als der ausgebildete Arzt eintraf: Sie scharten sich neugierig um den Patienten und wollten mithelfen. Der Notarzt tat das einzig Richtige und brachte den Patienten nach draußen. Bei seiner Arbeit hat der junge Arzt eine wichtige Erkenntnis gewonnen: "Dass unser Leben unendlich wertvoll ist und dass oft nur wenige Augenblicke über Glück und Leid entscheiden." 

Wir wollen Ihre Geschichte!

Sind Sie auch Feuerwehrler, Notarzt, Sani oder Polizist und wollen von Ihrem Alltag als Rettungskraft berichten? Teilen Sie uns Ihre Geschichte über unser Leserreporter-Tool mit.

sb

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