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Es geht mal wieder nichts: Fahrgäste warten auf die S-Bahn am Münchner Hauptbahnhof.

Notarzteinsatz – bei der S-Bahn Alltag

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München - Gestern, 8.43 Uhr: Notfalleinsatz in einer S-Bahn. Die Stammstrecke ist blockiert. Kein Einzelfall: Mittlerweile muss die S-Bahn fast täglich mit solchen Einsätzen fertig werden. Ein Störfallprotokoll.

Die S 4 mit der internen Betriebsnummer 6435 traf noch regulär am Bahnhof Hirschgarten ein – doch dann ging erst einmal gar nichts mehr. Grund: Eine etwa 25-jährige Frau war im Zug umgekippt. Fahrgäste alarmierten den Lokführer, der wiederum die Leitstelle der DB Netz, die dann die Integrierte Leitstelle der Berufsfeuerwehr München. „Kreislaufkollaps, Person nicht ansprechbar“, hieß es. Ein Rettungswagen der privaten „Münchner Krankentransporte“ (MKT), stationiert am Herzzentrum an der Lothstraße, jagte los – der Zug musste warten, bis die Sanitäter da waren und die Frau aus dem Zug führen konnten.

14 Minuten dauerte das – 14 Minuten mit gravierenden Auswirkungen. Weil die Stammstrecke stadteinwärts durch die S 4 blockiert war, musste die S-Bahn eine sogenannte Entlastungsmaßnahme starten, berichtet S-Bahn-Chef Bernhard Weisser. 141 S-Bahnen hatten letztendlich Verspätungen, 17 davon fielen teilweise oder ganz aus.

Für die Leute von S-Bahn-Chef Weisser ist der Vorfall fast schon Routine. Denn die Notarzteinsätze steigen proportional mit der Zahl der Fahrgäste an. Etwa 800 000 Personen nutzen die S-Bahn an Werktagen. Weisser sieht zwischen der gestiegenen Anzahl von Notarzt-Alarmierungen und der allseitigen Verfügbarkeit des Handys einen Zusammenhang. „Das führt dazu, dass schneller und häufiger alarmiert wird als früher.“ Das mittlerweile „routinierte und schnelle Zusammenspiel“ zwischen der Bahn und den Rettungskräfte lobt Weisser ausdrücklich.

Mindestens einmal am Tag wird irgendwo auf dem 442 Kilometer langen Streckennetz der S-Bahn der Notarzt wegen der akuten Erkrankung eines Fahrgasts gerufen. Zwei bis drei Mal die Woche, so schätzt Weisser, geschieht dies auf der Stammstrecke. Weil hier alle zehn Linien zusammenlaufen, ist so ein Fall prekär. Die Leitstelle von DB Netz in der Richelstraße (an der Donnersbergerbrücke) hat für Störungen aller Art ein abgestuftes Notfallsystem in der Schublade:

-Bleibt der Störfall unter zehn Minuten, so versucht die S-Bahn, ohne Notfahrplan auszukommen.

-Kritisch wird es bei mehr als zehn Minuten Stillstand. „Dann starten wir eine Entlastungsmaßnahme“, sagt Weisser. Etwa einmal in der Woche ist das notwendig. Fahrgäste sind dann die Leidtragenden, denn die Entlastung schaut in der Regel so aus: S 1 und S 6 wenden schon am Hauptbahnhof, der Zehn-Minuten-Takt im Berufsverkehr wird ausgedünnt.

Die Fahrdienstleiter der Bahn entscheiden aber nach Bedarf, was genau notwendig ist. Gestern zum Beispiel endete nur die S 1 schon am Hauptbahnhof. Die Taktverstärker der Linien S 3 und S 8 endeten von Westen kommend bereits in Pasing, um die Stammstrecke zu entlasten. Die Züge fuhren dann leer über den Südring bis zum S-Bahnwerk Steinhausen im Osten von München, um später wieder in den regulären S-Bahnverkehr eingespeist werden zu können.

-Wenn sich der Stillstand noch länger hinzieht, sprechen die S-Bahn-Mitarbeiter von einem „Störfall“. In einem Handbuch sind – je nachdem, wo der Störfall auftritt –, 25 Störfallprogramme mit unterschiedlichsten Linienführungen aufgelistet. Grundsätzlich gilt: Zwischen Donnersbergerbrücke und Ostbahnhof wirkt sich ein Störfall am gravierendsten aus, weil hier wirklich alle S-Bahnen durch müssen. Tritt die Störung am Isartorplatz auf, ist sie nicht ganz so gravierend, denn dort gibt es Weichen, über die S-Bahnen um einen liegengebliebenen Zug herumgelenkt werden können.

Übrigens: Der Frau ging es offenbar recht schnell wieder gut. „Als unsere Rettungskräfte eintrafen, war sie schon wieder ansprechbar“, berichtet MKT-Betriebsleiter Reimund Wagenseil. Die Helfer führten sie aus dem Zug. Ein schneller Check – Blutdruck, Zucker – dann erklärte die Frau, schuld am Kollaps sei wohl nur „die stickige Luft“ in der S-Bahn gewesen. Alles halb so wild. Und dann fuhr sie weiter.

Dirk Walter 

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