Ausgezeichnet: Maximilian Gebhard, Lehrer für Mathematik und evangelische Religion an der Staatlichen Realschule Weilheim, hat den Deutschen Lehrerpreis erhalten.
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Ausgezeichnet: Maximilian Gebhard, Lehrer für Mathematik und evangelische Religion an der Staatlichen Realschule Weilheim, hat den Deutschen Lehrerpreis erhalten.

Deutscher Lehrerpreis

Weilheims Lieblingslehrer - er unterrichtet ein Fach, das nicht jeder mag

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Ein Mathelehrer als Liebling aller Schüler – das ist selten. Maximilian Gebhard unterrichtet das Fach an der Realschule Weilheim. Offensichtlich mit großem Erfolg: Schüler haben ihn für den Deutschen Lehrerpreis nominiert – und er hat ihn tatsächlich gewonnen.

Weilheim/Berlin – Die Kommentare der Schüler dürften dem Mathelehrer runtergehen wie Öl. „Wegen ihm bin ich in Mathe voll durchgestartet“, lautet eine Lobpreisung. „Auf diesem Wege noch einmal ein fettes Dankeschön“, eine zweite. Und so geht es weiter: „Es gibt wenige Lehrer, denen man so offen begegnen kann wie Herrn Gebhard“, heißt es da. Und – wahrscheinlich die höchste Ehre, die man einem Pädagogen antun kann: „Ich möchte ebenfalls Lehrer für Mathematik an Realschulen werden.“

Die lobenden Worte gelten Maximilian Gebhard, 32, Lehrer für Mathematik und evangelische Religion an der Staatlichen Realschule Weilheim. Nun erhält Gebhard eine hohe Auszeichnung: den Deutschen Lehrerpreis von Philologenverband und Heraeus Bildungsstiftung in der Kategorie „Ausgezeichnete Lehrkräfte“. Normalerweise findet die Ehrung live in Berlin statt. Diesmal war sie – wie so vieles – nur virtuell.

Für den gebürtigen Unterfranken ist es ein Höhepunkt in seinem Berufsleben. Er ist jetzt seit fünf Jahren in Weilheim und hat sich dort eingelebt. Der junge Pädagoge leitet auch die Schulband und ist gewählter Vertrauenslehrer, eine Art Vermittler zwischen Schülern und Schulleitung. Wahrscheinlich nicht ohne Grund. Dass er gut mit Jugendlichen zurechtkommt, merkte Gebhard schon in jungen Jahren, da leitete er eine Jugendgruppe der evangelischen Kirche. Er machte auch eine Jugendleiter-Ausbildung – was ihm heute hilft, einen unkomplizierten Zugang zu Jugendlichen zu finden. Als Vertrauenslehrer kommen die Kinder zu ihm auch wegen privater Probleme – neulich erst ein Mädchen, das Liebeskummer hatte.

Der Stoff muss sitzen - da ist er streng

Doch er ist kein Kumpeltyp, der es allen recht machen will. In Mathe verteilt er auch Fünfer und Sechser, wenn die Leistung nicht stimmt. Die Hausaufgaben müssen gemacht werden, der Stoff muss sitzen. Da ist er ein ganz normaler Lehrer. Aber dann sagt Gebhard ein paar Sätze, die Lehrer vielleicht nicht immer sagen. Zum Beispiel diesen: „Man darf nicht denken, dass es Problemschüler gibt.“ Jeder hat eine Chance verdient, immer und immer wieder. Oder den hier: „Schüler gehen nicht nur wegen der Inhalte zur Schule.“ Sondern halt auch wegen des sozialen Lebens, dem also, was während der Pandemie derzeit nicht stattfindet. Ein dritter Lehrsatz: „Ehrlichkeit ist mir sehr wichtig.“ Wenn Herr Gebhard also mal schlechte Laune hat, dann sagt er das auch den Schülern. So viel Transparenz muss sein.

Jetzt ist Pandemie und Maximilian Gebhard hockt, wenn er nicht gerade Abschlussschüler unterrichtet, meist allein im Klassenzimmer vor dem Computer. Er unterrichtet nicht nur, er chattet jetzt auch. Dafür gibt es Klassengruppen. „Man kann auch Nähe herstellen, trotz Distanz“, sagt er. Er hat Lernvideos aufgenommen, lässt sich manchmal lustige Sachen einfallen – etwa zur 50. Online-Hausaufgabe –, um die Schüler bei Laune zu halten. Und trotzdem: Manche Schüler hat er seit Monaten nur am Bildschirm gesehen. Vieles findet nicht statt. Kein Tanzkurs, keine England-Fahrt, keine Berufsmesse – alles fällt aus. Es gelte, „die Persönlichkeitsentwicklung zu retten“, meint Gebhard.

Wem er die Auszeichnung zu verdanken hat, weiß Maximilian Gebhard übrigens nicht. „Man kann sich auch selber bewerben, aber das hätte ich nicht getan.“ Irgendeiner seiner Schüler oder Ex-Schüler, vielleicht auch deren Eltern, muss ihn angemeldet haben. Als heimliches Dankeschön für einen außergewöhnlichen Lehrer.

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