"Noten-Rabatt" beim G 8: Spaenle verhindert Totalschaden

München - Das Kultusministerium nennt den Eingriff beim G 8 eine "flexibel gesteuerte Monitoring Strategie". Warum es sich bei der Abiturhilfe eher um die Verhinderung eines Totalschadens handelt:

So kann man es auch sehen: „Zum Wohle der Schüler“, heißt es in der Pressemitteilung des Kultusministeriums, würden die Leistungsanforderungen für die G 8-Schüler nun „flexibel und verantwortungsbewusst gestaltet“. Und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), der Exkurse in betriebswirtschaftliches Vokabular liebt, spricht von einer „Monitoring-Strategie“, die „flexibel gesteuert“ werden muss. Spaenles „Prozess-Steuerung“ kommt indes einer empfindlichen Kurskorrektur zur Verhinderung eines Totalschadens gleich.

Bisher hatte Bayern nämlich innerhalb der Bundesländer auf einem Sonderstatus beharrt. Die Leistungsanforderungen im G 8-Abitur wurde in einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz vom 1. Oktober 2010 festgezurrt. Demnach müssen nur in einem Fach „mit erhöhtem Anforderungsniveau“ (also in den Kernfächern Mathe, Deutsch, Fremdsprache) mindestens fünf Punkte erzielt werden. Bayern war von dieser Regel abgewichen und hatte in seiner Gymnasialen Schulordnung verankert, dass die Schüler in mindestens zwei Fächern fünf Punkte (also eine glatte 4) erzielen müssen. Bayern war also besser als der Rest der Republik – bis zum Mittwoch: Da vereinbarte eine Krisenrunde unter Vorsitz des Kultusministers, dass man jetzt auf den KMK-Standard zurückfahre. Nicht nur in diesem Jahr, sondern dauerhaft. Den Grund will Spaenle nicht recht sagen, aber offenbar hat seine „Monitoring-Gruppe“, die von einer Reihe von Schulen ab Montagabend Zwischenergebnisse zu den Abiturnoten bekam, Alarm geschlagen. Vor allem in Deutsch habe „eine Reihe von schwachen Leistungen“ gegeben, heißt es unter Schulleitern. Jetzt räche sich, dass Deutsch zwar Abi-Pflichtfach sei, aber in der Stundenausstattung (drei Wochenstunden in der 10. Klasse) stiefmütterlich behandelt werde. 

Politisch ist der Flurschaden ohnehin groß. Der SPD-Bildungssprecher Hans-Ulrich Pfaffmann spricht von einem „Skandal“, der Grünen-Schulpolitiker Thomas Gehring von einem „G 8-Versuch“, dessen „Versuchsanordnung so lange gedreht werde, bis es ein gutes Ergebnis gibt“. Auch innerhalb der Schulen ist der Unmut groß. Ein Schulleiter spricht von einem „Desaster“. Und Max Schmidt vom Bayerischen Philogenverband ist die Klarstellung wichtig, dass die Vorsitzenden der wichtigsten Schulverbände von Spaenle am Mittwoch zwar informiert – mitnichten aber in den Entscheidungsprozess einbezogen wurden. Auch so kann man seinen Unmut ausdrücken.

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa

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