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Von der Politik zur Kirchenpolitik: Alois Glück, früher Fraktionsvorsitzender der CSU und Landtagspräsident, ist ein engagierter Katholik. Seit 2009 steht er an der Spitze des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Am heutigen Samstag wird er 75 Jahre alt.

Alois Glück wird 75

Der Nothelfer zieht sich zurück

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München - Alois Glück im Ruhestand? Kann man sich nicht wirklich vorstellen. Doch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der am heutigen Samstag 75 Jahre alt wird, will kürzer treten. „Es wird Zeit“, sagt er.

Er ist kein „Lautsprecher“, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Alois Glück, langjähriger christsozialer Politiker, ist ein nachdenklicher Mann. „Vordenker“ ist ein Attribut, das man dem Oberbayern aus Hörzing (Kreis Traunstein) angeheftet hat, als er noch in der CSU als Fraktionsvorsitzender und Chef der Grundsatzkommission die Richtung der Partei mitbestimmte. Und „wandelnder Vermittlungsausschuss“ wegen seines Verhandlungsgeschicks. Er ist ein rastloser Arbeiter, einer, der nicht nachlässt, wenn er für ein Thema brennt. Der die Dinge differenziert betrachtet und geschickt mit Gesprächspartnern umzugehen weiß.

Wie geschaffen also für das Amt, das ihm 2009 angetragen wurde. Und das er eigentlich gar nicht wollte. Ein Jahr zuvor hatte er nach 38 Jahren seine lange politische Karriere beendet, in der er als Abgeordneter, Fraktionschef und schließlich Landtagspräsident hinter den Kulissen die Fäden gezogen hat. Er wollte endlich Zeit für die Familie haben. Doch mit 69 Jahren wurde Alois Glück zum Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken gewählt – das heißt, er hat sich mehr in die Pflicht nehmen lassen. Am heutigen Samstag wird Alois Glück 75 Jahre alt. Jetzt beginnt die Kür, denn bis zum Jahresende ist Schluss mit dem Ehrenamt in der Kirche. Ruhestand ist angesagt.

Dass Mutter Kirche dem Katholiken Glück einiges abverlangt hat, änderte nichts an seinem Bestreben, als Laie mitgestalten zu wollen. Etwa als er 1999 mit anderen Mitstreitern aus dem ZdK – Glück wirkt seit 1983 bei dem Zusammenschluss von Vertretern der Diözesanräte und der katholischen Verbände sowie von Institutionen der Laienvertretung mit – den Verein „Donum vitae“ gegründet hat. Dieser Verein für Schwangerschaftskonfliktberatung sprang in die Bresche, als die deutschen Bischöfe mit den kirchlichen Beratungsstellen auf Anordnung aus Rom aus dem staatlichen System aussteigen mussten. Katholiken, die sich für diesen Verein engagieren, werden in Teilen der Kirche nach wie vor geächtet. Kirchliche Ämter dürfen sie bis heute nicht bekleiden.

Solche Ereignisse scheinen ihn erst recht anzuspornen, an einer angstfreien Kirche mitzuarbeiten. Gerade in Zeiten, in denen die Amtskirche viele Probleme zu bewältigen hat: Mit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle im Jahr 2010, mit der Affäre um den Augsburger Bischof Walter Mixa, der Debatte um die horrenden Baukosten am Limburger Domberg und die Eskapaden von Bischof Tebartz-van Elst, den Diskussionen über die Kirchenfinanzen und den Massenaustritten.

In diesen Jahren hat sich der langjährige Bergwachtler als regelrechter Nothelfer für die Kirche erwiesen. Mit seiner reichen Erfahrung aus der Politik hat er als ZdK-Präsident den Dialog mit den Bischöfen vorangetrieben, hält der Kirche aber auch deutlich den Spiegel vor, wenn es um die verlorene Glaubwürdigkeit geht.

Wie steht die Kirche in Deutschland jetzt, 2015, da? Für Glück befindet sie sich in einem epochalen Veränderungsprozess. „Gott sei Dank kann ich hinzufügen, dass wir in den letzten Jahren – ausgelöst durch die Schockwirkungen der bitteren Realität sexuellen Missbrauchs – mit dem Dialogprozess der Bischofskonferenz eine positive Veränderung in der Gesprächskultur erreicht haben.“ Aber er warnt auch vor Selbstgefährdungen innerhalb der Kirche – und meint mangelnde Transparenz oder „wenn autoritäres Verhalten im Führungsstil theologisch verkleidet“ wird. Deutschlands führender Katholik weiß: Immer weniger Menschen machen in der Kirche mit, „weil sie sich nicht auf eine folgenlose Beratungstätigkeit einlassen wollen“. Sie wollen mitentscheiden. Mit dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, dem Münchner Kardinal Reinhard Marx, scheint sich der Oberbayer gut zu verstehen. Und dann ist ja da auch noch Papst Franziskus, den er einen Eisbrecher für angstfreie Kommunikation nennt. Aber: „Es gibt noch viel zu tun.“

Für Glück ist Ende dieses Jahres aber Schluss mit dem Präsidentenamt. „Nun wird es auch Zeit, jetzt endlich eine andere Lebensphase einzuleiten“, sagt er. Im November wird im ZdK ein neuer Präsident gewählt. Die Nachfolge ist laut Glück völlig offen.

Und dann, so träumt der Jubilar, hat er endlich Zeit für Muße. „Ich aktiviere gerade mein Hobby, das Fotografieren“, erzählt er. Seine Frau habe ihm den Blick geschärft für die kleinen Dinge in der Landschaft, wie die Blumen am Weg. Wandern will er natürlich auch wieder, wenngleich der frühere Bergwacht-Chef schmunzelnd verrät: „Ich habe die eigenartige Entwicklung festgestellt, dass die Berge immer höher werden.“

Dass der Oberbayer von einem auf den anderen Tag alle ehrenamtlichen Ambitionen fallen lässt, ist nicht vorstellbar. Er umschreibt es so: „Ich werde nicht in einen absoluten Ruhestand verfallen.“ Eine neue Balance von Aktivität und anderen Lebensbereichen will er suchen. Ein Einsatzfeld wird auf jeden Fall dabei sein: die Hospizarbeit.

Seit 2010 ist Glück Mitglied im Stiftungsrat der Deutschen Hospiz- und Palliativ-Stiftung. Auf Bundesebene engagiert er sich derzeit im Zusammenhang mit der notwendigen Gesetzgebung zur Sterbehilfe. „Es geht darum, die Palliativmedizin zugänglich zu machen für den häuslichen Bereich und die Pflegeheime.“ Menschen am Ende ihres Lebens Leid zu ersparen, sei eine der wichtigsten Fragen. Alois Glück kämpft für einen ganzheitlichen Ansatz in Pflege und Medizin: „Es ist nicht damit getan, dass wir in Krankenhäusern Palliativstationen haben. Das ganzheitliche Denken muss sich in allen Abteilungen des Krankenhauses verbreiten. Doch davon sind wir leider noch weit entfernt.“

Groß feiern will Alois Glück zu seinem 75. nicht. An diesem Wochenende kommt die Verwandtschaft zusammen. Dann gibt es noch das „ein oder andere kleinere Essen aus dem Raum der Politik“. Ansonsten will er es beim Alltag belassen, sagt er. Doch Alltag muss er eigentlich erst noch lernen.

Claudia Möllers

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