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Gemeinsam lernen: Grundschüler bei der Gruppenarbeit.

An 20 Standorten

Ein Novum: Fünf Jahre Grundschule

München - Die Grundschule kann an einzelnen Standorten künftig auch fünf Jahre dauern. Das Kultusministerium will in einem Modellprojekt die flexible Grundschule testen.

Zwischen Kindergarten und Grundschule gibt es in Bayern wenig Koordination. Das eine Kind kann schon Rechnen bis 20, das andere nicht; der eine kann schon lesen, die andere nicht, sagte Kultusstaatssekretär Marcel Huber (CSU). Trotzdem werden alle gleichzeitig eingeschult, trotzdem gilt für alle die Regel-Grundschulzeit von vier Jahren.

Ob auch flexibler auf den Entwicklungsstand der einzelnen Kinder eingegangen werden kann, soll ein neuer Versuch erforschen. An 20 Schulen in Bayern gibt es ab dem kommenden Schuljahr eine „flexible Eingangsstufe“. Das heißt, die Kinder können den Lehrstoff der ersten beiden Grundschuljahre in ein, zwei oder drei Jahren bewältigen. Der Versuch startet mit Erst- und Zweitklässlern in einer Eingangsstufe.

Viele Details offen

Leistungsschwächere Schüler können hier drei Jahre bleiben. Für Migrantenkinder beispielsweise könne die Neuregelung von Nutzen sein, hieß es, weil sie dann ein Jahr mehr Zeit haben, ohne als Sitzenbleiber stigmatisiert zu sein. Ebenso profitieren wohl leistungsstarke Kinder, die ein Jahr früher auf die weiterführende Schule wechseln können. Viele Details sind noch offen, wie der Geschäftsführer der Stiftung Bildungspakt, Boris Hackl, betonte. Die von bayerischen Unternehmen finanzierte Stiftung fördert den vierjährigen Versuch mit 800 000 Euro.

Offen sei zum Beispiel, wie viele Klassen je Versuchsschule umstellen werden; wie groß die Klassen sein werden; und die Frage, ob flexible Grundschulklassen von zwei Lehrern unterrichten werden müssen, damit auf die individuellen Stärken und Schwächen der Schüler eingegangen werden kann. „Diese Frage ist Teil des Versuchs“, sagte Hackl dazu. Im März werden die teilnehmenden Schulen diese Probleme erörtern.

In vielem ähneln die flexiblen Grundschulklassen den bekannten jahrgangskombinierten Klassen („Kombi-Klassen“) – nur mit dem Unterschied, dass nun drei statt zwei Jahrgänge gemeinsam in einer Klasse sitzen werden. Huber sagte, er sehe die von vielen Eltern misstrauisch beäugten Kombi-Klassen mittlerweile als Erfolgsmodell. Dies stimme ihn optimistisch, dass auch die flexible Grundschule ein Erfolg werden könne. Deutlich skeptischer äußerte sich die Landtags-Opposition.

Flexible Grundschulzeiten seien zu begrüßen, sofern auch das pädagogische Personal zur Verfügung gestellt werde, erklärte SPD-Bildungsexperte Hans-Ulrich Pfaffmann. Aber die Zahl von 20 Versuchsschulen sei „geradezu lächerlich“. Die Erkenntnis, dass Kinder individuell gefördert werden müssten, sei nicht neu, „sie muss jetzt aber endlich in der Breite umgesetzt werden“, sagte Grünen-Schulexperte Thomas Gehring. Der Volksschullehrerverband BLLV erklärte kurz und bündig, die Grundschulen benötigten mehr Geld und Personal. Modellversuche seien „eigentlich überflüssig“.

Dirk Walter

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