Tragisches Versehen auf Friedhof

"Plötzlich war das Grab verschwunden"

Nürnberg – Unvorstellbar: Eine Frau will das Grab ihres Mannes besuchen – doch das ist plötzlich verschwunden. Dieser Albtraum ist einer Witwe in Nürnberg widerfahren.

Die letzte Ruhestätte war versehentlich eingeebnet worden. Doch keiner will einen Fehler gemacht haben.

Kopfschüttelnd steht Erika M. zwischen zwei Gräbern auf dem Nürnberger Westfriedhof. „Hier war es“, sagt die 70-Jährige mit leiser Stimme. Es – damit ist das Grab ihres verstorbenen Mannes Johann gemeint. Liebevoll hatte sich Erika um die letzte Ruhestätte ihres geliebten Gatten gekümmert, sie immer wieder neu geschmückt. Gut 19 Jahre lang. Bis das Grab eines Tages einfach verschwunden war.

Das Rätsel auf dem Nürnberger Friedhof – was war nur passiert? „Ich war völlig geschockt“, erzählt Erika M. gegenüber der tz. „Stellen Sie sich mal vor, Sie pflegen ein Grab 19 Jahre lang und plötzlich ist es einfach weg.“ Und schön war es noch dazu: Einen geschliffenen Grabstein aus Rosengranit, mit Bronzekreuz und Ornamenten hatte sie einst dort auf Johanns letzte Ruhestätte stellen lassen, nachdem dieser überraschend mit nur 48 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben war.

Dazu die Gestecke, die Blumenbepflanzung. Wo war das alles nun? Ihre Friedhofsgebühren hatte Erika M. auch immer regelmäßig bezahlt. Vieles deutet daraufhin, dass der ganze „Grab-Diebstahl“ einfach ein dummer Fehler war. Heißt: Eigentlich sollte ein anderes Grab zwei Reihen weiter aufgelöst werden, das dem der Familie M. ein wenig ähnelte. Zumindest steht dort ein ähnlicher Grabstein – und genau der war in Schieflage geraten.

Hatte sich also der Steinmetz vertan und schlichtweg das falsche Grab auflösen lassen? „Ich bin mir sicher, dass es so war“, sagt Erika M. nach der traurigen Entdeckung. „Deswegen steh ich nun hier auf dieser nackten Stelle.“

Allerdings gibt es nur ein Problem: Keiner gibt einen Fehler zu, keiner will die Verantwortung übernehmen. Die zuständige Friedhofsverwaltung behauptet einfach, da müsse irgendein privates Unternehmen einen Fehler gemacht haben. Wer? Das weiß eben keiner.

Und so hat auch keiner eine Ahnung, wo der Grabstein gelandet ist. Zur Güte hat die Friedhofsverwaltung der Witwe nun übrigens ein Angebot gemacht: Wo Johanns Überreste liegen, werde Rasen gesät und von der Stadt kostenlos gemäht. Doch das kann der Witwe weder den Schmerz mildern, noch ist es ein Ersatz für die verschwundene Grabstelle. „Was soll mir das helfen?“, wundert sich die Betroffene. „Das ist doch frech!“ Erika M. selbst wollte doch eines Tages dort neben ihrem Gatten beerdigt werden. Das geht nun nicht mehr. „Jetzt such ich mir aber ein neues Familiengrab – auf einem anderen Friedhof.“

age

Rubriklistenbild: © dpa

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