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Christine Janner in der Rolle der Ente und Christof Lappler in der Rolle des Todes proben im Theater "Pfütze" in Nürnberg das Stück "Ente, Tod und Tulpe" für Kinder ab 6 Jahren.

Großes Schauspiel für die Kleinen: Kindertheater in Nürnberg

Nürnberg - Dass Deutschlands Hochburg für Kindertheater ausgerechnet Nürnberg ist, überrascht. Noch mehr überrascht die Ernsthaftigkeit, mit der die Macher Stücke für den Nachwuchs inszenieren. Das Niveau ist hoch, und auch die Themen sind anspruchsvoll: Selbst der Tod ist kein Tabu.

Statt fröhlich-buntem Farbenrausch ist die Bühne ausschließlich in Schwarz-Weiß gehalten. Statt einer verspielten Kulisse kommen die Schauspieler mit einer einzigen Requisite aus. Statt lebhafter Musik ertönen experimentelle Klänge eines Live-Orchesters. “Ente, Tod und Tulpe“ erfüllt nicht nur wegen der Videoinstallationen so gar keines der Klischees von Kindertheater. Die Inszenierung des Nürnberger Theaters Pfütze steht mit ihrer puristischen, aufs Wesentliche reduzierten Ästhetik üblichen Bühnen in nichts nach.

Die “Pfütze“ ist nur eines von vier Nürnberger Kindertheatern mit eigenen Spielstätten. Hinzu kommen vier weitere Kompanien sowie einzelne Projekte - die Franken stellen damit eine bundesweite Hochburg des zeitgenössischen Kindertheaters da.

Der Anspruch ist der gleiche wie beim Erwachsenentheater

Und das ist nicht nur für den Nachwuchs gedacht, wie die Macher übereinstimmend betonen. Die Inszenierungen seien zwar auf Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Altersgruppen ausgerichtet, doch der Anspruch sei der gleiche wie beim Erwachsenentheater. Die Stücke sind damit nicht nur für Eltern und Großeltern attraktiv - was sich auch in den gut besuchten Abendaufführungen zeigt.

“Wer meint, er muss gaga spielen für Kinder, nimmt das Theater nicht ernst“, stellt Fritzz Lechner vom Theater Rootzlöffel energisch klar. Natürlich gibt es Unterschiede zu Aufführungen für Ältere. Die Stücke sind kürzer, die Sprache einfacher, Emotionen spielen eine große Rolle. Die Themen aber sind genauso ernst: Freundschaft, Verantwortung, Selbstvertrauen spiegeln sich in den aktuellen Spielplänen genauso wider wie Liebe, Toleranz und selbst der Tod.

An Stoffen herrscht also kein Mangel. Bei der Auswahl helfen oft speziell für Kinder geschriebene Werke, andere Themen entwickeln die Ensembles aus eigener Kraft bis zur Bühnenreife. Viele gehen einen Mittelweg: “Bei uns werden oft Stücke aus Kinderbüchern gesucht, die man dann umsetzen kann“, erläutert Ralph Zitzelsberger vom Figurentheater Salz+Pfeffer.

Für die Schauspieler eine schwierige Aufgabe: Sie spielen oft Kinder

Bei der Dramaturgie ganz wichtig: “Der Blickwinkel ist anders, die Protagonisten sind häufig Kinder“, berichtet Andrea Erl vom Theater Mummpitz. Dadurch fühlen sich die Kinder angesprochen und ernst genommen. Für die Schauspieler bedeutet dies eine schwierige Aufgabe: Sie müssen ein Kind oder Jugendliche spielen, ohne in Klischees abzugleiten. X-Beine, Quietschestimme, eine Baseballkappe verkehrt herum aufgesetzt - plumpe Anbiederei durchschauen selbst die Kleineren sofort.

Gerade einmal vier Jahre alt sind die jüngsten der Besucher - eine Altersangabe zu jedem Stück erleichtert Eltern und Lehrern die Auswahl. “Natürlich sind wir auch dazu da, die Kinder möglichst früh ans Theater heranzuführen. Nur dann werden sie zu guten Zuschauern“, schildert Erl. Sehgewohnheiten, die Fähigkeit, Symbole zu übersetzen, aber auch vermeintlich simple Verhaltensregeln müssen erst gelernt werden - etwa dass man still wird, wenn das Licht ausgeht, und nicht während der Vorstellung isst, trinkt und redet.

Trotz der hohen Anerkennung sind die Häuser finanziell in der Klemme

Trotz ihrer pädagogischen Leistung und hohen Anerkennung - die Pfütze ist gerade für den Theaterpreis des deutschen Bühnenvereins nominiert - sind die Häuser und Ensembles finanziell in der Klemme. Seit zehn Jahren sei die Förderung nicht erhöht worden, bei massiv gestiegenen Kosten, heißt es unisono. “Wenn da nicht bald was passiert, wird es wirklich richtig bitter“, betont der künstlerische Leiter des Theaters Pfütze, Jürgen Decke. Es gehe jetzt um den Erhalt der Kinderkultur in Nürnberg, die Politik müsse bald ein Zeichen setzen.

Dafür wäre in diesem Jahr eine gute Gelegenheit - das Theater Mummpitz feiert 30-jähriges, die Pfütze 25-jähriges Bestehen. Die freien Theater mit ihren emanzipatorischen Ansätzen waren in den Stadtteil- und Kulturzentren Nürnbergs damals bewusst gefördert worden - Grund für die bis heute andauernde Vielfalt. Innovativ sind die Franken noch immer: Gemeinsam mit dem Stadttheater Fürth etwa hat die Pfütze gerade die “junge MET“ gegründet. Das Ziel: Neue Formen zeitgenössischen Musiktheaters für Kinder zu entwickeln.

dpa

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